Im botanischen Wundergarten von San Pancrazio sind über 1800 Pflanzen aus der ganzen Welt zu bewundern. Sie markieren das südlichste Stück des Tessins, dahinter eröffnet sich Italien. Geologisch gesehen sind die Isole zwei eiszeitliche Bergspitzen, botanisch betrachtet sind sie nichts geringer als eine blühende Sensation. Denn die Schöpfung meinte es gut mit diesem Eiland: Die Alpenkette schützt vor dem kalten Nordwind; zudem gibt es kaum Frosttage, da das Wasser des Lago Maggiore wie ein Wärmespeicher wirkt. Die Folge ist ein Klima mit subtropischen Effekten, das die Isole di Brissago zu einer Art Open-Air-Treibhaus mitten im Alpengürtel macht.
Der perfekte Platz für einen botanischen Garten, der seinesgleichen sucht: Über 1700 Pflanzenarten vom Mittelmeer über die Subtropen Asiens bis hin zu Südafrika und Ozeanien wachsen auf der Hauptinsel San Pancrazio, die gerade mal 2,5 Fußballfelder misst und den Besucher dennoch stundenlang mit ihrer Vielfalt in den Bann ziehen kann: Unzählige Arten von Rhododendren, Kamelien und Azaleen, hundertjährige Eukalyptusbäume, Papyrusstauden, Baumfarne, Sumpfzypressen, Zistrosen, Feuerlilien oder auch bizarre Gewächse wie die Agave americana, die wie ein mehrarmiger Kerzenleuchter in den Himmel ragt, gedeihen hier.
Südliche Lebensart: Der Espresso in der Hafenbar gehört einfach dazu! Foto: swiss-image.chDoch selbst im größten Hochsommertrubel gibt es hier ruhige Plätze auf Bänkchen zwischen Baumfarnen und Kräuterwegen. Und wenn es richtig heiß wird, kann man im Schatten des Palmenwaldes wandeln oder sich auf die Panorama-Terrasse des Restaurants im Palazzo flüchten. Während die Boote Richtung Ascona schippern, lässt sich hier herrlich die Zeit vergessen und abtauchen in die bewegte Geschichte der Inseln.
Schon die Römer siedelten auf den Brissago-Inseln und errichteten einen Apollo-Tempel. Später suchten verfolgte Christen hier Zuflucht, und im Mittelalter errichtete der Orden der Humilaten ein Kloster und zwei Kirchen. Von all dem hat kaum etwas die Zeit überdauert, und die zwei Inseln hätte beinahe das Schicksal eines Industriehinterhofs ereilt: Ende des 19. Jahrhunderts wollte man dort eine Dynamitfabrik errichten, um hier das Nitroglyzerin für die Sprengung des Gotthard-Tunnels zu produzieren.
Dank einer Frau kam aber alles anders: Die Baronin Antoinette Fleming St. Leger verliebte sich bei einem Besuch in die Brissago-Inseln und beschloss 1885, daraus ihren persönlichen Garten Eden zu erschaffen. Die Adelige aus St. Petersburg mit deutschem Blut in den Adern war nicht nur schön, gebildet und reich, sie hatte vor allem auch einen grünen Daumen: Sie ließ die Inseln säubern und Wege anlegen. Boote schafften Erde und Mist und exotische Gewächse aus aller Welt heran. Das Ergebnis war ein blühender Musenhain, der Maler, Bildhauer und Schriftsteller von weither anzog.
Um 1900 war Ascona europäische Avantgarde. Während auf dem Monte Verità über der Stadt die Nudisten eine neue Lebenskultur predigten, flanierten die Künstler und Intellektuellen über das vor der Stadt gelegene Eiland der Baronessa: darunter Cosima Wagner, James Joyce oder Rainer Maria Rilke. In den Zeiten der Depression nach dem Ersten Weltkrieg erlitt auch die Baronin bei hochspekulativen Geschäften finanziellen Schiffbruch. Verschuldet musste sie 1928 ihre Insel verkaufen und starb 1948 als Sozialhilfeempfängerin.
Der Besitzer war neu, das illustre Leben auf der Insel blieb. Der Hamburger Warenhausmillionär Max Emden liebte Glamour und Pracht. Anstelle des ehemaligen Konvents errichtete er eine Orangerie, ein römisches Bad und den Palazzo im neoklassizistischen Stil. Sogar Marmor aus Carrara wurde für dessen Spiegelsaal heraufgeschippert. Ein Fest reihte sich ans andere, unter den Gästen tummelten sich der Aga Khan, der König von Siam, aber auch Schriftsteller wie Erich Maria Remarque.
Nach dem 2. Weltkrieg verkauften die Erben des Millionärs die Inseln an den Kanton Tessin und die Anrainergemeinden, die im Frühling 1950 den botanischen Garten eröffneten und die Brissago-Inseln damit der Öffentlichkeit zugänglich machten.
Heute kann man hier nicht nur wunderbar spazieren: Wer etwa in Klausur gehen will, mietet die Räume im zweiten Stock der Villa Emden samt Hightech-Ausstattung. Wer seinen grünen Daumen schulen mag, bucht im hauseigenen Labor einen botanischen Kurs und geht mit Stereomikroskopen auf Entdeckertour. Wer lieber den Sternenhimmel bei Nacht beobachtet, logiert in einem der sieben Zimmer der Villa (DZ mit Frühstück 120 CHF pp.). Wer sich dann in dieses Stückchen Erde gänzlich verliebt hat, kann auf der Insel auch heiraten und sich unter den Eukalyptusbäumen trauen lassen, die einst die Baronin gepflanzt hat.
Und wer nach dem Rundgang durch den Garten noch einen ganz besonderen Blick auf die Isole zu erhaschen sucht, fährt ins Dörfchen Ronco sopra Ancona am Berghang oberhalb der Inseln bis zur Kirche, kauft sich ein Eis im kleinen Kiosk nebenan und genießt die Stille auf den Parkbänken im Schatten der Bäume, während unten auf dem See schon das nächste Schiff die Brissago-Inseln ansteuert.
Hoteltipp:
Unter den vielen guten Hotels von Ascona
bietet das Casa Berno einen besonders
malerischen Blick sowohl auf die Uferpromenade
als auch auf die Isole di Brissago.
Denn neben elegantem Stil und Top-Service
lässt sich nicht nur von jedem Zimmer
des Vier-Sterne-Hauses das Natur-Ensemble genießen:
Auch vom Frühstücksbalkon,
beim Planschen im Panorama-Pool oder
abends auf der Restaurant-Terrasse verliert man nie die Isole
die Brissago aus dem Blick. Nichts für den schmalen Geldbeutel,
aber ein Ort, an dem man die Sinne und Seele baumeln lassen kann.
www.casaberno.ch, 0041 (0)91 791 32 32,
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