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Donnerstag, 13.12.2018

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Sinnlich und kraftvoll zugleich

Historische Tänze mit der "Cracovia Danza" zum Finale der "Tage Alter Musik" - 30.01.2018 16:57 Uhr

Auch im Tanz ein Ewigkeitsthema: Zwei Herren wetteifern mit ihrer Kunst um eine Schöne. © Foto: Michael Matejka


Marie-Claire Bär-Le Corre, an der Musikhochschule für historische Tänze zuständig, gab in ihrer Einführung schon ein paar wichtige Hinweise: Der dreiteilige Abend entsprach eigentlich einem Spaziergang durch das barocke Europa. Beginnend mit höfischem Gepränge, wie es von Versailles ausging und zum Vorbild für die meisten Residenzen wurde, zeigten die acht Tänzer im zweiten Teil beherzte folkloristische Tanzweisen aus Böhmen, Ungarn und Polen.

In Telemanns "Klingender Geographie" kam es dann schließlich zur Synthese: Die traditionellen Tanzweisen wie die Ball-Eröffnung der Polonaise waren endgültig in den Kanon bürgerlicher Tanzkultur aufgenommen und verbreiteten sich über ganz Europa.

Choreographin Romana Agnel und ihr künstlerischer Partner Leszek Rembowski achten nicht nur auf die überlieferten Schritt-, und vor allem Sprungfolgen, sondern legen auch großes Augenmerk auf die verbürgten Gewänder in Formen und Farben.

Kostümbildnerin Monika Polak-Lušciñska hat wahre Wunderwerke genäht, die an zeittypischen Applikationen, Bordüren und raffinierten Schnitten keine Wünsche offen lassen. Das besondere Moment des barocken Tanzes — das Spielerische mit dem Virtuosen und Galanterie mit einer kraftvollen Bewegungssprache zu verbinden, kam bei den Tänzern aus Krakau optisch voll zur Geltung.

Und wie nahe sich doch der Volkston sein kann: Im Trepak werden die Stiefel und Oberschenkel geschlagen wie es sich ja auch im voralpinen Oberland beim Schuhplatteln ausgebildet hatte. Dabei legte Romana Agnel wert darauf, nicht nur historisch genau zu tanzen, sondern auch lebendige Charakterbilder wie die einer Wahrsagerin im feuerroten Tuch zu zeichnen.

Im Germanischen Nationalmuseum hatte sie in Workshops viel von ihrer Erfahrung weitergeben können und etliche neugierig gemacht. Auch wenn es ein wenig altklug klingen mag: Nicht in jedem Punkt ist unsere zeitgenössische Tanzkultur auf der Bühne oder in der Disco auf dem sinnlichsten Höhepunkt ihrer Möglichkeiten angelangt. . . Riesenbeifall für eine tolle Truppe! 

JENS VOSKAMP

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