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So gelingt Frauen der perfekte Business-Auftritt

Nürnberger Etikette-Trainerin gibt Tipps zu Kleidung, Make-up und Verhalten — Mit der richtigen inneren Haltung klappt vieles von alleine - 16.06.2017 18:01 Uhr

Frauen im Business-Look: Lange Haare, die offen getragen werden, sind kein No-Go, wenn sie aus dem Gesicht getragen werden. Auch lächeln ist in der Arbeitswelt erlaubt. Grundsätzlich gilt: Je authentischer, umso selbstbewusster ist der Auftritt. Foto: Colourbox.de


Frau von der Marwitz, was ist denn das Wichtigste, das Frauen im Business beherzigen sollten?

Friederike von der Marwitz: Dass die Aufmerksamkeit des Gegenübers auf ihren Worten liegt. Und nicht abgelenkt wird, etwa von den Haaren oder der Kleidung.

 

Wie sollte denn die Frisur am besten sein, um nicht abzulenken?

Von der Marwitz: Die Haare sollten natürlich gepflegt und gut frisiert sein. Bei der Haarlänge kommt es einfach auf den jeweiligen Typ an. Grundsätzlich sollte man die Haare aus dem Gesicht tragen, um professionell zu wirken. Lange blonde Haare, die ins Gesicht fallen, verströmen dagegen eher Sexappeal — und lenken dadurch ab.

 

Wie sieht es mit der Kleidung aus?

Von der Marwitz: Auch hier sollte nichts vom Eigentlichen ablenken. Also keine tief ausgeschnittenen Blusen, und auch im Sommer unbedingt bedeckte Schultern. Im klassischen Business, etwa in einer Bank, zeigt man kein nacktes Bein, man sollte also auch im Sommer Seidenstrümpfe tragen. Und natürlich sollte man keine Jeans tragen oder zu kurze Röcke.

 

Wie viel Make-up darf es denn sein?

Von der Marwitz: Grundsätzlich ist ein Make-up wichtig, um professionell zu wirken. Wenn die Haut rein erscheint, kommen die Augen auch besser heraus, man sieht wacher aus. Es sollte aber nicht zu maskenhaft sein. Und nicht zu viel: Also keine roten Lippen. Auch keine langen Fingernägel, übrigens. Die Nägel sollten gepflegt sein, aber keine Farbe haben.

 

Ist es in Ordnung, ein Parfüm zu tragen?

Von der Marwitz: Wenn, dann eher ein dezentes. In meinen Seminaren sagen gerade Männer oft, dass sie zu starke Parfüms bei Frauen gar nicht mögen. Also auf keinen Fall ein billiges Parfum wählen oder zu viel davon auftragen.

 

Kommen wir von den Äußerlichkeiten zum Auftreten. Wie gelingt einem ein selbstbewusster, professioneller Auftritt?

Von der Marwitz: Wenn die innere Haltung selbstbewusst ist, macht man es automatisch richtig. Bei einem Vortrag — zum Beispiel — stellt man sich gerade hin, beide Beine fest auf dem Boden. Die Arme lässt man am besten einfach locker hängen oder hält sie auf Nabelhöhe.

Wem das schwerfällt, der kann auch zur Not eine Brille oder einen Stift in eine Hand nehmen. Sie sollten jedoch Ruhe und Souveränität ausstrahlen, damit die Worte zur Geltung kommen.

 

Gibt es im Sitzen auch etwas zu beachten?

Von der Marwitz: Im Sitzen ist es besser, die Füße nebeneinander zu stellen, als die Beine zu überschlagen. In manchen Ländern gilt es übrigens ohnehin als unhöflich, mit der Fußspitze auf jemanden zu zeigen oder – noch schlimmer – den Fuß auf das Knie des anderen Beines zu legen. Hiermit zeige ich dem Gegenüber die Schuhsohle, den dreckigsten Teil der Kleidung. Schon manch ein Auftrag ist zum Beispiel im arabischen Raum dadurch "flöten" gegangen.

 

Wie sieht es mit dem Händedruck aus?

Von der Marwitz: Ein fester Handschlag zeigt hierzulande den Charakter. Er ist auch ein Zeichen der Wertschätzung. Er sollte also nicht zu lasch sein. In Russland ist das allerdings ganz anders — da geben Frauen keinen festen Händedruck.

 

Etikette-Expertin Friederike von der Marwitz. © Foto: Eduard Weigert


Frauen haben meistens höhere Stimmen. Ist das ein Nachteil in der Arbeitswelt?

Von der Marwitz: Hohe, nervöse Stimmen wirken nicht professionell. Eine Zwerchfellatmung hilft, um einen ruhigen, warmherzige Stimmklang zu haben. Man sollte nicht zu leise sprechen, aber auch nicht zu laut und herausfordernd. Dem Gegenüber dabei offen und direkt in die Augen blicken.

Bei Konferenzen werden Frauen übrigens öfter unterbrochen. Zur Not kann man da auch einen Trick anwenden, um sich Gehör zu verschaffen, und sagen: "Was mein Kollege gerade gesagt hat — das kann ich absolut unterstreichen."

 

Apropos Konferenz: Haben Sie einen guten Rat für öffentliches Reden? Wie bleibt man da cool?

Von der Marwitz: Um etwas Distanz für sich zu schaffen, ist es ein guter Trick, sich vorzustellen, man befindet sich von einer Glasglocke umgeben. Das erzeugt einen Abstand zu den anderen: So weit dürfen die anderen an mich heran, aber nicht näher. Gut ist es auch, sich die Konferenz oder die jeweilige Situation vorher genau vorzustellen. Und: Keine Angst vor den anderen! Das gilt für Frauen genauso wie für Männer. Denn auch Männer sind oft nervös oder machen sich Sorgen.

 

Wir Frauen lächeln zu viel, heißt es. Stimmt das?

Von der Marwitz: Wenn das Lächeln echt ist und aus dem Herzen kommt, ist das wunderbar. Falsches Lächeln dagegen kommt nicht gut an. Ein ernstes Gesicht wirkt zwar professionell, aber man sollte das Menschliche, die Herzlichkeit dabei nicht vergessen! Das brauchen die Menschen.

 

Puh, zum Glück. Ich kam mir gerade schon total unprofessionell vor, weil ich Sie angelächelt habe . . .

Von der Marwitz: Nein, es geht auch darum, authentisch zu sein, sich wohlzufühlen. Dann strahlt man automatisch Selbstbewusstsein aus.

 

Angenommen, man bekommt ein Kompliment. Wie geht man damit um?

Von der Marwitz: Ruhig annehmen! Nicht denken "Habe ich das verdient?", sondern selbstbewusst damit umgehen und einfach sagen: "Danke!"

 

Danke, Frau von der Marwitz, für das Gespräch! 

ANETTE RÖCKL

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