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Sozialer Wohnungsbau im Landkreis kommt zu kurz

Nur 584 Neubauten im vergangenen Jahr - Förderung von Eigentum fehlt - 14.07.2018 18:01 Uhr

2017 wurden im Nürnberger Land 23 Prozent weniger Wohnungen gebaut als noch im Jahr zuvor. Zwar wurden dafür rund 231 Millionen Euro ausgegeben, es müsste aber deutlich mehr investiert werden, sagt zumindest die IG Bau. Unser Foto zeigt eine neue Wohnanlage im Alten Kirchenweg in Röthenbach. © Buchner-Freiberger


Darauf weist das Verbändebündnis Wohnen hin, in dem sich die Baugewerkschaft IG BAU und die Bauwirtschaft zusammengeschlossen haben. Das Bündnis beruft sich bei den Zahlen auf die aktuelle Bau-Bilanz der fertiggestellten Wohngebäude des Statistischen Bundesamts. Insgesamt haben die Bauherren im Landkreis demnach im vergangenen Jahr 231,2 Millionen Euro in den Neubau von Wohnungen investiert.

"Das klingt viel. Tatsächlich müsste es aber mehr sein, wenn der Kreis Nürnberger Land seinen Beitrag zur Wohnraum-Offensive der Bundesregierung leisten will", sagt Hans Beer, der Regionalleiter der IG BAU in Franken, im Namen des Verbändebündnisses Wohnen. "Denn der Neubau von bezahlbaren Wohnungen ist die einzige effektive Antwort auf steigende Mieten und hohe Immobilienpreise, von denen auch Bayern betroffen ist."

Wohnungsbau muss zulegen

Insgesamt seien bundesweit im vergangenen Jahr nicht einmal 285.000 Wohnungen neu gebaut worden. Dabei habe die Große Koalition von CDU/CSU und SPD eine ganz andere Messlatte gelegt: 1,5 Millionen Neubauwohnungen bundesweit bis 2021 – das wären 375.000 pro Jahr. "Das bedeutet, dass der Wohnungsneubau schon in diesem Jahr um satte 32 Prozent zulegen müsste. Danach sieht es allerdings bislang weder in Bayern noch bundesweit aus", so Beer.

Das Verbändebündnis Wohnen fordere daher jetzt den Bund, den Freistaat Bayern und auch die Kommunen auf, mehr für den Wohnungsbau zu tun. Vor allem für den bezahlbaren Wohnraum. Also für Menschen ohne "extra dickes Miet-Portemonnaie": "Gerade für den sozialen Wohnungsbau muss deutlich mehr getan werden. Ebenso für den Neubau von Wohnungen, bei denen sich die Menschen die Miete auch leisten können", so Beer.

Auch das Wohneigentum im Nürnberger Land müsse endlich wieder effektiv gefördert werden. "Es müssen sich wieder mehr Menschen die eigenen vier Wände leisten können – vom Maurer bis zur Industriekauffrau. Handwerker, die Wohnungen bauen, sollten auch in der Lage sein, sich eine eigene Wohnung anzuschaffen", so die Ansicht des Vertreters von Bündnis Wohnen.

Sicherheit fürs Alter

Wohneigentum sei eine wichtige Altersvorsorge. "Die eigenen vier Wände sind da und haben Bestand – unabhängig davon, wie die Rentenhöhe im Alter schwankt. Sie bieten die Sicherheit eines dauerhaften ‚Daches über dem Kopf‘ – ohne Angst vor Mieterhöhungen oder vor einer Kündigung", sagt Hans Beer.

An die heimischen Bundestagsabgeordneten appelliert das Wohn-Bündnis, dem Wohnungsbau jetzt die "politische Power" zu geben, die der Bau braucht. "Es kommt darauf an, dass die Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Nürnberger Land und ganz Franken in Berlin Farbe bekennen. Sie müssen sich für ein deutlich dickeres Baupaket im nächsten Bundeshaushalt starkmachen, von dem dann auch die Menschen im Kreis Nürnberger Land mehr profitieren", so Beer.

Die Kanzlerin habe angekündigt, sechs Milliarden Euro für den Wohnungsbau bis 2021 bereitzustellen – also 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Tatsächlich benötigt würden aber mindestens vier Milliarden Euro jährlich, so die Berechnungen des Bündnisses.

Sozialer Sprengstoff

"Im Wohnungsmangel und in steigenden Mieten steckt sozialer Sprengstoff. Gerade beim Neubau von Sozialwohnungen droht ein Desaster, wenn der Bund hier nicht ordentlich Geld in die Hand nimmt und investiert", so Beer. Tag für Tag fielen Sozialmietwohnungen aus der Bindung. "Der Bestand an Wohnungen für Menschen, die einen Wohnberechtigungsschein haben, schmilzt kontinuierlich ab", warnt er deshalb.

Dass die Zahl der Sozialwohnungen, die gebaut werden, von der Kassenlage der Bundesländer abhänge, sei fatal. Auch die geplante Förderung für den altersgerechten Umbau lasse "jede Hoffnung auf einen Sanierungsschub für mehr Seniorenwohnungen gegen Null laufen". Aber gerade altersgerechte Wohnungen brauche auch der Landkreis Nürnberger Land.

Steuerliche Anreize nötig

Der Bund müsse dem Wohnungsneubau jetzt "Turbo-Impulse" geben, fordert Beer. Dazu gehörten zusätzliche Fördergelder und mehr steuerliche Anreize. Wirksam sei insbesondere eine bessere steuerliche Abschreibung – konkret die Erhöhung der AfA (Absetzung von Abnutzungen) von zwei auf dauerhaft drei Prozent. Denn der Bau brauche vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, um Fachkräfte und technische Kapazitäten aufbauen zu können. Ebenso müssten alle engagierten und im Kern guten Punkte, die Union und SPD zum Wohnungsbau im GroKo-Koalitionsvertrag vereinbart hätten, schnell angepackt werden.

Im Verbändebündnis Wohnen setzen sich die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen beim Wohnungsbau ein. 

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