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Alexander Megos klettert in die Weltspitze

19-jähriger Erlanger erzielt in Spanien tolle Bestleistung - 06.06.2013 13:06 Uhr

Trainingsgelände vor der Haustür: Alexander Megos an einem Felsüberhang im Frankenjura. © Jorgos Megos


Im Grunde war es ein Nachmittag wie jeder andere. Alexander Megos war mit einigen Freunden ins spanische Siurana 140 Kilometer nordöstlich von Barcelona gereist, um in den dortigen Kalkfelsen zu klettern. Das Ziel des Tages: Der 30 Meter hohe Sektor El Pati.

An der Kletterroute Estado Critico wollte er eigentlich ganz ohne Stress schauen, wie weit er kommt. „Im unteren Bereich wäre ich auch ein paarmal fast aus der Wand geflogen“, erinnert sich der 19-Jährige. Dann stieg seine Zuversicht mit jedem Griff und Tritt. Am Fuße des Felsens sammelte sich bereits eine kleine Gruppe Neugierigen, denen langsam dämmerte, dass der strohblonde Junge aus Deutschland dort oben eine unerhörte Leistung vollbrachte: Die erste sogenannte onsight-Begehung einer Route mit dem Schwierigkeitsgrad 9a.

Selbst überrascht

Als Alex nach einer halben Stunde schließlich oben am Felsen stand, war die Überraschung bei ihm selbst fast am größten: „Zwischendurch ist es ein paar Mal echt knapp gewesen, und als ich es dann geschafft hatte, wollte ich es gar nicht glauben“, gesteht er.

Vor dem Meisterstück des Erlangers am El Pati war es noch keinem Kletterer gelungen, eine Route im 9. französischen Grad „onsight“ zu bezwingen. Das mediale Echo war demzufolge groß. Bereits am Folgetag gingen bei Alex Interview-Anfragen aller großen europäischen Klettermagazine ein. „Es war unglaublich, es brach sozusagen die Hölle los“, erzählt er.

Von diesem Erfolg beflügelt, will er jetzt richtig durchstarten. Sein nächstes Ziel ist Australien und dort vor allem die 70 Meter hohe Sandsteinwand Taipan Wall im Grampians-Nationalpark im Bundesstaat Victoria. „Mein Trainer Patrick Matros sagt, das sei die beste Wand, die es gibt“, verrät er. Auch bei dem einen oder anderen Hallen-Wettkampf will er antreten, obwohl sein Herz eindeutig fürs Felsklettern schlägt.

Seit sein Vater ihn vor 13 Jahren zum ersten Mal mit zum Klettern nahm, dreht sich alles um diesen Sport. Seit sechs Jahren trainiert er bei Patrick Matros und Ludwig Korb im Bundesstützpunkt Erlangen-Nürnberg des Deutschen Alpenvereins (DAV). Den Experten dort war schnell klar, dass es sich bei ihrem Schützling um ein Ausnahmetalent handelt.

Enorme Fingerkraft

„Alex hat die körperlichen Voraussetzungen wie eine enorme Fingerkraft und große Ausdauer, so dass er auch lange Routen klettern kann“, sagt Matros. Außerdem verfügt er über die richtige Einstellung: „Er hat die Fähigkeit, sich Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen. Er kann Niederlagen wegstecken und verliert trotzdem nicht den Spaß an der Sache“, so der 38-jährige Trainer.

Nachdem Alexander im vergangenen Jahr Abitur gemacht hat, konzentriert er sich ganz auf seinen Sport. Von Oktober bis Januar war er in verschiedenen Klettergebieten in den USA unterwegs, bevor er im März Richtung Spanien aufbrach. Sein Erfolg in Siurana machte ihn weltweit bekannt. Er wohnt zwar noch bei seinen Eltern, hat aber mittlerweile so viele Sponsoren-Einnahmen, dass er seine Reisen selbst finanzieren kann. Eigentlich hatte er geplant, im Herbst mit dem Studium anzufangen. „Zur Zeit läuft es mit dem Klettern aber so gut, dass ich meinen Studienbeginn noch mindestens ein Jahr verschieben möchte“, erzählt er. „Ich hätte ohnehin nicht genau gewusst, was ich studieren will.“

Für seine Leidenschaft bringt er durchaus Opfer. „Manchmal finde ich es schade, dass ich meine Kumpels, die nicht klettern, so selten sehen kann.“ Wenn er daheim bei seiner Familie ist, trainiert er fast täglich in der Fränkischen Schweiz oder in der Halle.

Seine Eltern unterstützen ihn. „Ich finde es schön, dass ihm das Klettern so viel Spaß macht und mache mir auch keine Sorgen“, sagt Mutter Anna Megos, die selber klettert. Alex unterscheide sich einfach ein wenig von anderen Jugendlichen und habe kein Bedürfnis nach Partys oder Computer-Rollenspielen. „Das finde ich gut, aber ich würde mir wünschen, dass er entdeckt, dass es im Leben noch etwas anderes gibt als das Klettern.“ 

YVONNE NECKERMANN

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