Der Angreifer braucht Anlauf, bis seine Erinnerungen flüssig werden. Auch die Torfolge gerät ihm zunächst etwas durcheinander. Ob es am turbulenten Spielverlauf lag, dass Albert Bunjaku durcheinander kommt? Schließlich fielen am 30. Januar 2010 in Hannover drei Treffer innerhalb von fünf Minuten.
Oder war es die traumwandlerische Sicherheit im Abschluss, mit der Nürnbergs Toptorjäger 2009/10 die Niedersachsen damals im Alleingang besiegte? Ein erstes Mal stellt Bunjaku diese Qualität nach einer halben Stunde unter Beweis. Nach Marek Mintals öffnendem Pass nimmt er den Ball mit Rechts mit und jagt ihn mit Links zwischen den Beinen von 96-Keeper Florian Fromlowitz hindurch ins Tor.
Im zweiten Durchgang geht dann alles ganz schnell. Nach Mintals genialem Pass zu Dennis Diekmeier flankt dieser zum mitgelaufenen Schweizer, der die Kugel per trockener Direktabnahme ins rechte Eck befördert. Keine 60 Sekunden später bringt jedoch Jiri Stajner auf Vorlage des heutigen Nürnbergers Hanno Balitsch die Hausherren zurück ins Spiel. Doch Bunjaku hat die passende Antwort: Von Angelos Charisteas steil geschickt, steuert er erneut auf Fromlowitz zu und tunnelt diesen zum zweiten Mal, Endstand 3:1.
"Das war überragend, ein geiles Erlebnis für mich. Wir haben gezeigt, dass wir solche Spiele gewinnen können", erinnert sich der Matchwinner fast zwei Jahre später. Der bislang einzige Dreierpack seiner Profi-Karriere gab ihm und der Mannschaft Auftrieb. "Das war ganz wichtig für den weiteren Saisonverlauf" sagt Bunjaku. Seine Trefferzahl erhöhte er im Anschluss noch auf zwölf - und half dem Club so, den Klassenerhalt zu schaffen.
Letzteres hat der 28-Jährige, den ab der Saison 2010/2011 ein Knorpelschaden am Toreschießen hinderte, nun erneut vor: "Ich hoffe, bald wieder an solche Erfolge anknüpfen zu können." Der wiedergenesene Bunjaku klingt angriffslustig.
Apropos Torhunger: Keine der bisher 31 Bundesliga-Begegnungen zwischen Nürnberg und Hannover endete ohne Treffer. Im Mai 1968 etwa bezwang der Club am 32. Spieltag die 96er mit 2:1 - die Meisterschaft rückte damit in greifbare Nähe. Franz Brungs brachte die Feierlichkeiten kurz vor der Pause auf den Weg. Sieben Tage später zurrte das "Goldköpfchen" bei den Bayern durch das 2:0 den bis heute letzten Meistertitel für Nürnberg fest.
Ganz anders 43 Jahre später: In den letzten beiden Partien unterlag der FCN gegen Hannover. Dabei hatte der Club-Anhang im August 2011 die Hoffnung, dass seine Lieblinge nach dem 1:0-Erfolg in Berlin auch zuhause gut aus den Startlöchern kommen würden. Doch während Hannover mit Effizienz im Torabschluss und einer konzentrierten Defensivleistung glänzte und schnell mit 2:0 in Führung ging, zeigte sich der FCN im Vorwärtsgang lange Zeit uninspiriert und ohne Durchschlagskraft. Der Anschlusstreffer durch Tomas Pekhart sorgte zwar noch einmal für Spannung, nicht aber für die Wende.
Auch im Mai 2011 hatte es der Club verpasst, eine erfolgreiche Spielzeit erfolgreich zu beenden. Dabei ließ FCN-Coach Dieter Hecking doch den nächsten jungen Wilden los: Julian Wießmeier gab in dieser Saison als zehnter Spieler seinen Bundesliga-Einstand und zahlte das Vertrauen seines Trainers prompt zurück. Mit einem herrlichen Heber von der Sechzehner-Markierung ließ er 96-Schlussmann Ron-Robert Zieler keine Abwehrchance.
Aber die Gastgeber antworteten postwendend: Karim Haggui bugsierte den Ball nach einer Freistoßflanke über die Linie. In der zweiten Hälfte erhöhte Hannover die Schlagzahl, der Club verlegte sich aufs Kontern. Vier Minuten, nachdem Robert Mak eine Großchance vergeben hatte, brachte Konstantin Rausch Hannover mit seinem Schlenzer ins rechte Kreuzeck erstmals in Front. Didier Ya Konan verwandelte schließlich einen Foulelfmeter zum 3:1-Endstand.
Im Dezember 2010 hatte dagegen der Club mit 3:1 die Oberhand behalten. Beide Teams lieferten sich damals ein zerfahrenes Duell, ehe Ilkay Gündogan das Heft in die Hand nahm. Nürnbergs Ideengeber suchte nach Doppelpass mit Almog Cohen einen Abnehmer im Zentrum und fand Steven Cherundolo: Das 96-Urgestein lenkte den Ball ins eigene Tor. Keine 180 Sekunden später legte der FCN nach: Kapitän Andy Wolf drosch das Spielgerät nach einer Ecke ins Netz. In der Schlussphase brachte Sergio Pinto die Gäste per Handelfmeter auf Tuchfühlung. Doch sechs Minuten später tüteten die bewährten Offensivkräfte den Heimdreier ein: Gündogan setzte sich erneut leichtfüßig in Szene, flankte auf Julian Schieber, der den Ball ins Tor köpfte.
Angenehm aus Club-Sicht ist auch die Rückschau auf die beiden Direktvergleiche 2007. Im Pokal-Viertelfinale im Februar war die Verlängerung fast vorbei, als Trainer Hans Meyer Elfmeter-Killer Daniel Klewer einwechselte. Klewer kam, sah und hielt - und der Club siegte 4:2 nach Elfmeterschießen. Drei Monate später stand der vierte Nürnberger Cup-Triumph fest.
Denn auch im Mai – eine Woche vor dem Finalsieg gegen den VfB Stuttgart – wirkte Hannover als Formbeschleuniger. Durch ein 3:0 am letzten Bundesliga-Spieltag nahmen Galasek & Co. rechtzeitig vor dem rasanten Duell mit den Schwaben wieder Fahrt auf. Nach zuvor vier sieglosen Spielen brachte Club-Idol Marek Mintal den FCN durch einen überlegten Rechtsschuss auf die Siegerstraße. Wenig später trainierte Marco Engelhardt ebenfalls erfolgreich den Torabschluss - mit dem Kopf. Während die Niedersachsen danach am Aluminium und am glänzend aufgelegten Ex-96er Raphael Schäfer verzweifelten, setzte Ivica Banovic mit seinem 3:0 den Schlusspunkt.
Wie gut dieser Erfolg den Nürnbergern tat, zeigte sich eine Woche später: Engelhardt wiederholte sein Kopfball-Kunststück im Berliner Olympiastadion - und trug so seinen Teil zum 3:2 gegen Stuttgart bei: Der Pokal ging - wie jeder weiß - nach Nürnberg.

Do. 23.02.12
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