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Ambitioniert auf der Alm: Heute zählt's für den FCN

Oder einfach: Warum der Club am Freitag in Bielefeld noch gut unterwegs ist - 09.03.2018 15:55 Uhr

Wer hinfällt, so fordern das auch viele Club-Fans nach dem Derby von ihrer Mannschaft, muss wieder aufstehen: Federico Palacios und seine Kollegen wollen sich bereits am Freitagabend in Bielefeld rehabilitieren. © Sportfoto Zink / WoZi


Auch der Top-Favorit lag eigentlich prima im Rennen. Bis auf Platz vier hatte sich der FC Ingolstadt zum Ende des vergangenen Jahres vorgekämpft, wollte aber natürlich: mehr. "Unser Ziel ist, zwei Plätze zu klettern – Minimum", sagte Ingolstadts Trainer Stefan Leitl vor Beginn der Restrückrunde Ende Januar der Süddeutschen Zeitung, aufsteigen wollte der weiter von Audi alimentierte Bundesliga-Absteiger. Und zwar als Meister. Mindestens.

Das zu schaffen dürfte schwer werden an den verbleibenden neun Spieltagen. Nach dem 0:1 vom Montagabend gegen den VfL Bochum sind plötzlich die Abstiegsplätze bedrohlich nahe in einer Spielklasse, deren viel beschworene Ausgeglichenheit für die meisten Vereine mehr Risiken als Chancen birgt. Die Zone der von Dienstreisen nach Großaspach oder Lotte bedrohten Teilnehmer beginnt mit Platz acht, die der chronisch aufstiegsgefährdeten mit Platz zehn.

So etwas wie eine Logik dahinter sucht man vergebens, stattdessen findet man viele überraschende Ergebnisse. Nur an den beiden vergangenen Wochenenden setzte sich in direkten Vergleichen jeweils fünfmal das zuvor schlechter notierte Team durch, verlässliche Prognosen sind daher praktisch unmöglich. Jeder kann jeden schlagen, der Meinung ist auch Bielefelds Trainer Jeff Saibene ("Wir können jeden schlagen").

Sage und schreibe elf verschiedene Tabellenvierte hat diese schräge Saison schon hervorgebracht, was bisher aber mehr Fluch als Segen war. Gleich 16-mal konnte der Tabellenvierte seine nächste Partie nicht gewinnen, letztmals gelang das: dem 1. FC Nürnberg. Am 15. Spieltag, beim 3:2 in Braunschweig.

Lieferbedarf besteht

Danach hat sich der Club erst mal nach oben verabschiedet und etliche Zähler zwischen sich und die zahllosen Verfolger legen können, acht sind es aktuell bis zum vierten Platz, fünf bis zum dritten. Dass die 45 Punkte vielleicht sogar schon reichen könnten, ist trotzdem eher unwahrscheinlich. Ein paar müssen schon noch her.

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Wie viele etwa, lässt sich nicht genau sagen – und interessiert den Trainer angeblich auch nicht die Bohne. "Jeder, der die Tabelle liest, ist nicht besonders traurig", glaubt Michael Köllner, die Konkurrenten von Platz acht abwärts mal ausgeklammert. Die Fans seines 1. FC Nürnberg hingegen sollten sich lieber mal kneifen, selbst nach einer Derby-Niederlage. Ja, es ist wahr: "Ich sehe die Fakten", sagt Köllner vor dem Auftritt in Bielefeld (Anstoß 18.30 Uhr). "Wir haben eine tolle Mannschaft und sind gut unterwegs."

... doch alle Vereine brauchen Punkte

Dass es seit Einführung der Drei-Punkte-Regel zum vergleichbaren Zeitpunkt erst vier numerisch schlechtere Tabellenzweite gab, darunter den Club 2003/04, ist höchstens eine bemerkenswerte Randnotiz, ebenso, dass die Über-Elf des VfB Stuttgart vor einem Jahr bloß vier Punkte mehr hatte als der 1. FC Nürnberg jetzt. Entscheidend ist die Konstellation, die Lage der Liga – in der tatsächlich alle 18 Vereine dringend Erfolgserlebnisse brauchen. Oben wie unten.

Somit ist auch der Tabellenrechner des kicker nicht mehr als eine lustige Spielerei; wer den Club künftig zu Hause wieder gewinnen lässt und auswärts nicht verlieren, kann vorzeitig aufhören zu tippen. Bei vier Nürnberger Siegen in den ausstehenden neun Begegnungen müsste Holstein Kiel bereits deren sechs holen und der Tabellen-Vierte sieben – was bei der oben erzählten Vorgeschichte aber praktisch unmöglich sein müsste.

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"Die Mannschaft hat sich mit dem vierten Tabellenplatz eine richtig gute Ausgangssituation erarbeitet", hat sich auch Stefan Leitl noch Ende Januar gedacht, der Trainer des FC Ingolstadt. Am Montagabend, nach dem 0:1 gegen Bochum, hörte sich das so an: "Für uns geht es ums Überleben."

Dass sich die beiden Bundesliga-Absteiger am 26. Spieltag in Darmstadt zu einer Art Krisen-Gipfel treffen, kann in dem verrückten Zweitliga-Durchgang 2017/18 aber auch nicht mehr viele überraschen. 

Wolfgang Laaß E-Mail

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