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Auf den HCE wartet nach der Feier eine Mammutaufgabe

Erlangen muss für die Bundesliga eine große Baustelle schließen - 21.05.2014 05:59 Uhr

Mit viel Teamgeist sind sie aufgestiegen, mit viel Teamgeist wollen sie das Abenteuer Bundesliga angehen - aber nicht in der Hiersemann-Halle. Der HC Erlangen steht vor großen Aufgaben. © Zink / JüRa


Seit 1984, als die CSG um die süddeutsche A-Jugendmeisterschaft spielte, ist Richard Heindl infiziert von Handball. Fußball spielte der 65-Jährige selbst einst, „aber wenn ich mir das Geschiebe heute anschaue, schläft mir das Gesicht ein“, sagt er. Begeistern kann den langjährigsten Sponsor des Erlanger Handballs seit 30 Jahren daher nur noch eines: Handball - „Tempo, Härte, Aggressivität, Dynamik, Kampf“, sagt der Österreicher, das sei das, was diesen „großartigen Sport“ auszeichne.

Seit 1989 kämpfen, mit einem Jahr Unterbrechung, Erlangens Handballer mit dem Schriftzug des von Heindl gegründeten Unternehmens auf der Brust um Punkte. Erst die CSG, dann der HCE. Heindl, der, wann immer es geht, auch in der Halle dabei ist, ist ein wichtiger Teil der Handball-Geschichte dieser Stadt. „Zwei schöne Einfamilienhäuser“, sagt er, habe er in sie insgesamt ungefähr investiert.

Heindl fehlte aus Aberglaube

In Bietigheim-Bissingen, wo der HC Erlangen das Aufstiegsmärchen zu Ende schrieb, fehlte Richard Heindl ausgerechnet. Aus Aberglaube. Dreimal war er dorthin mitgefahren, dreimal hatte der HCE verloren. Am Sonntagabend gewann die Mannschaft und feierte den Bundesligaaufstieg.

„Nicht dabei gewesen zu sein, das hat schon bissl wehgetan“, sagt er. Zu Hause zu seiner Mutter nach Waidhofen in Niederösterreich war er gefahren, stand dort in Dauerkontakt mit Carsten Bissel, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates. Als Bissel gegen 19.30 Uhr die frohe Kunde durchs Telefon schickte, ging Richard Heindl zum Kühlschrank. Er holte eine Flasche Sekt heraus.

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HCE siegt in Bietigheim und feiert rauschende Aufstiegsparty

Nach dem 29:23-Erfolg in Bietigheim ist sicher: Der HC Erlangen wird in der kommenden Saison erstklassig spielen. Im Anschluss an die Partie in der Sporthalle am Viadukt feierte das Team von Frank Bergemann ausgelassen mit den Gastgebern, die am Samstag ebenfalls aufgestiegen sind.


Ein paar Tage später, sagt er, ist die Euphorie gedämpft worden. „Wenn man den Berg an Aufgaben sieht, der auf die Verantwortlichen jetzt zukommt, vor allem in Fragen der Sporthalle, da vergeht einem die Freude. Das ist eine Mammutaufgabe.“ Carsten Bissel nennt die Diskussionen um den Ort, an dem der HC Erlangen seine Bundesligaspiele bestreiten wird, „eine große Baustelle“. Die Hiersemann-Halle in Erlangen erfüllt keine der notwendigen Kriterien, die die Handball-Bundesliga für Sporthallen aufgestellt hat. Der Verein hofft zwar, eine Ausnahmegenehmigung für einzelne Spiele zu bekommen, mehr ist aber nicht drin. Also wird der HCE erst einmal nach Nürnberg ausweichen müssen, „was mit erheblichen Mehrkosten verbunden ist“, sagt Bissel. Er befinde sich hier noch in Verhandlungen, eine Lösung scheint aber in Sicht.

„Was mich sehr positiv überrascht hat“, sagt der Vorstandsvorsitzende, „sind die zahlreichen Anfragen nach Dauerkarten, nicht nur aus Erlangen“. Mit ihnen könnte der HCE in großen Teilen bereits jetzt die Hiersemann-Halle füllen. Glücklicherweise habe die Euphorie in der Region auch die Wirtschaft gepackt, mehrere neue Sponsoren, darunter ein größerer, seien bereit, den HCE in der Bundesliga zu unterstützen. „Das stellt uns auf solide finanzielle Beine“, sagt Bissel. Geld, das der Verein aber auch brauchen wird, um konkurrenzfähig Erstligahandball spielen zu können.

Zwei, drei Hochkaräter

Der neue Geschäftsführer Stefan Adam, erzählt Bissel, stehe in Verhandlungen mit Neuzugängen. Zwei, drei auf dem Niveau des Weltmeisters Sebastian Preiß benötigt der Verein wohl für den Rückraum, zudem eine Alternative am Kreis. „Wir müssen aber erst schauen, was wir am Ende in der Kasse haben, dann können wir darüber nachdenken, wen wir uns leisten wollen“, sagt Bissel. Nur zwei Spieler der Aufstiegsmannschaft werden den Verein verlassen. Daniel Pankofer möchte trotz seiner 34 Jahre weiter aktiv Handball spielen. Einen Job neben dem Handballfeld hat er beim HCE daher abgelehnt. Anders René Selke, der dritte Torwart, der Adam im Management sowie die zweite Mannschaft auf dem Feld unterstützen soll. Aufrücken, sagt Frank Bergemann, der Trainer, soll für ihn vorerst Lars Goebel, die bisherige Nummer vier. „Ich denke, Jan Stochl und Andreas Bayerschmidt ergänzen sich hervorragend, sie werden ein gutes Torwartteam bilden“, sagt er.

"Die Mannschaft“, findet Bergemann, „müssen wir weiterentwickeln. Vor allem in der Effektivität und Mentalität, wo wir Probleme in der Aufstiegssaison hatten.“ Ende Juli wird er beginnen, seine Spieler fit zu machen für die Bundesliga, das erste Punktspiel startet am 23. August. Auch Richard Heindl wird dann wieder dabei sein, egal, wo es stattfinden wird. Und Heitec, sein Unternehmen, wird sehr wahrscheinlich wieder vorne auf dem Trikot stehen. 

CHRISTOPH BENESCH

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