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((ContentAd) Berlin leuchtete im Nürnberger Rot, durch den Konfettiregen glitzerte die Goldtrophäe – und während ihr Trainer Hans Meyer seine Enkelkinder auf der Tribüne herzte, hüpften die Nürnberger Fußballer auf dem Rasen herum, so heftig, als würden sie sonst vor Freude platzen. Augenblicke für ein ganzes Leben? Ja, sagte Mintal, „ein fantastischer, ein ganz besonderer Tag“.
Zwei Stunden zuvor hatte Marek Mintal vor Schmerz laut geschrien und vor Verzweiflung geweint – nicht als einziger in diesem Moment, auch Zuschauern liefen Tränen über die Gesichter, als der Stürmer vom Platz getragen wurde. Ein gemeines Foul von Stuttgarts Abwehrchef Fernando Meira beendete dieses Berliner Endspiel für Mintal nach 35 Minuten – in dem Augenblick, als es so schön zu werden schien, denn acht Minuten zuvor hatte Mintal, der fast zwei Jahre lang verletzte Torschützenkönig, für Nürnberg zum 1:1 ausgeglichen.
Ein jäher Schmerz in einer Nacht zwischen Hoffen, Bangen, Zittern, Lachen und Weinen. Wie tief der Schock saß, sah man nicht nur auf dem Rasen – für Minuten schien die Freude an dieser besonderen Nacht verflogen, eine erneute schwere Verletzung des Nürnberger Lieblingsspielers wäre selbst mit einem Pokalsieg kaum aufzuwiegen gewesen. Aber als am Ende Mintal zurück aus der Klinik kam und es doch nicht ganz so schlimm wie befürchtet war, stand ein großer Fußball-Abend vor einem wundervollen Abschluss.
Weil auch dieser 1.FC Nürnberg wieder und wieder gekommen war, war es am Ende doch der Tag, den sie seit 39 Jahren herbeisehnen: der Tag des ersten Titels seit 1968, teils fantastisch erspielt, immer grandios und mutig erkämpft in einer Partie, deren Wildheit, Schönheit und Rasanz manchmal fast nicht zu ertragen war.
„Ich war so nervös wie noch nie in meinem Leben“, sagte später Nürnbergs überragender Linksverteidiger Javier Pinola, „ich habe nur gedacht: Du kannst alles in die Hände Gottes geben, so bin ich ins Spiel gegangen“ – in ein Spiel auch mit den Gefühlen. Mit 0:1 hatte Nürnberg nach starkem, offensivem Start zurückgelegen, nachdem Sami Khedira gepasst und die Hintermannschaft den Torschützen Cacau übersehen hatte (20.).
Mintals Ausgleich nach fantastischem Pass vom Markus Schroth und präziser Flanke von Außenverteidiger Dominik Reinhardt (27.) folgte eine Rote Karte gegen Cacau, der im Zweikampf unmotiviert nach Nürnbergs Verteidiger Andreas Wolf geschlagen hatte. Aber in Überzahl verlor Nürnberg Mintal, derweil Meira für seinen grob fahrlässigen Tritt nur Gelb sah.
In einer Mischung aus Wut und Leidenschaft setzte Nürnberg nach Seitenwechsel nach, nach einem Eckball von Pinola traf Marco Engelhardt per Kopf zum 2:1 (47.) – aber der Vorsprung reichte nicht, weil zehn bravourös kämpfende Stuttgarter die Nürnberger zurückdrängten. Zehn Minuten vor Schluss passte Thomas Hitzlsperger auf Mario Gomez, den Raphael Schäfer von den Beinen holte – Pavel Pardo verwandelte den Elfmeter sicher, und damit verlängerte sich diese besondere Pokalgeschichte um noch einmal 30 Minuten.
Nach 115 Minuten begann Daniel Klewer damit, sich warm zu machen. Der Ersatztorwart schrieb im Achtelund Viertelfinale mit sechs gehaltenen Elfmetern die besonderen Geschichten dieses Pokalwettbewerbs – „damals hat man mitbekommen, dass der liebe Gott etwas besonderes mit uns vorhat“, erinnerte sich auch Trainer Meyer später. Der liebe Gott, das Schicksal oder einfach doch bloß Fußball – wie das Spiel bewegt, zeigte sich wieder in diesem Finale, das dann Jan Kristiansen um die letzte besondere Geschichte erweiterte.
Der Däne, der vor ein paar Wochen noch darum gebeten hatte, den Verein mangels Perspektiven verlassen zu dürfen, fasste sich ein Herz, düpierte Meira und zog aus 25 Metern mit rechts ab – der Ball senkte sich unter die Latte zum 3:2 ins Tor (109.); Kristiansens allererster Treffer überhaupt für Nürnberg bescherte dem Club diesen kostbaren Sieg.
Und auch diese Geschichte passte irgendwie zu dieser Elf, deren Akteure mit- und aneinander so gewachsen sind – denn Kristiansen hatte ein sensationelles Pensum absolviert und trotzdem lange kein Glück im Abschluss gehabt; zweimal war er aussichtsreich vor Timo Hildebrand gescheitert. Aber irgendwann, auch das steht für 2007, wird Arbeit belohnt.
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„Ich freue mich unglaublich“, sagte Meyer, während der Torschütze beim Versuch, seine Gefühle zu schildern, lachend aufgab. „Wir schweben auf einer Wolke“, sagte Pinola, der im Wortsinn bis zum Umfallen gearbeitet hatte für ein Team, das mit Robert Vittek, Jawhar Mnari und kurzfristig Honorato Glauber auf drei angeschlagene Leistungsträger verzichten musste – für Glauber rückte Marek Nikl ins Team, der dienstälteste Nürnberger Profi, aber seit Monaten als Dauerreservist ohne Spielpraxis.
Den Gedanken, dass sich im größten Nürnberger Spiel seit Menschengedenken das Schicksal gegen den Club verschworen haben könnte, verdrängte Pinola aber selbst nach Mintals scheinbarer Tragödie. „Man muss immer weiterkämpfen“, erklärte Pinola glückselig; „wir sind als Gruppe fantastisch eingeschworen“, sagte Torschütze Engelhardt. So schuftete Schroth, rannte Pinola, passte Kristiansen.
Tomas Galasek, der Kopf dieser Mannschaft, war irgendwie überall, und dass Youngsters wie Andreas Wolf und Dominik Reinhardt selbst unter größtem Druck kaum Fehler unterliefen, beruhigte die Nerven. Den fleißigen Nikl löste mit Matthew Spiranovic ein 18 Jahre alter Australier ab. Um kurz nach halb elf war das Gemeinschaftswerk vollendet – Bundestrainer Joachim Löw übergab den DFB-Pokal an Keeper Schäfer.
Sechs Kilo Gold für einen glänzenden Sieger, der auch alle aufs Podest schickte, die zuschauen mussten: Vittek, Mnari, Glauber und natürlich Klewer. Sie waren ein Team. Und was für eines.
Stuttgart: Hildebrand; Osorio (68. Boka), Meira, Delpierre, Magnin - Pardo – Hilbert, Khedira (100. Tasci), Hitzlsperger, da Silva (46. Gomez) - Cacau.
Nürnberg: Schäfer; Reinhardt, Wolf, Nikl (73. Spiranovic), Pinola (115. Banovic) - Galasek, Engelhardt - Kristiansen, Mintal (35. Polak) - Schroth, Saenko.
Schiedsrichter: Weiner (Giesen). Zuschauer: 74.220 (ausverkauft). Tore: 1:0 Cacau (20.),1:1 Mintal (27.),1:2 Engelhardt (47.), 2:2 Pardo (80./Foulelfmeter), 2:3 Kristiansen (109.). Rote Karte: Cacau (31./Tätlichkeit). Gelbe Karten: Gomez, Khedira, Osorio, Meira - Galasek, Spiranovic, Schroth, Nikl.
Mo. 20.05.13
Mo. 20.05.13
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Mo. 20.05.13
So. 19.05.13
Fr. 17.05.13
Do. 16.05.13
Do. 16.05.13
Mi. 15.05.13
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