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Bader: "Im Fußball ist einiges nicht zu erklären"

Club-Sportvorstand über seine Ziele, Schäfer und aufmunternde Briefe - 09.10.2014 21:26 Uhr

Würde seinen Beruf nur ungern aufgeben: Martin Bader.

Würde seinen Beruf nur ungern aufgeben: Martin Bader. © Foto: Zink


Herr Bader, können Sie ungefähr abschätzen, wann Ihnen der Club entglitten ist?

Bader: In den vergangenen Jahren haben wir bei vielen Themen kontrovers diskutiert, es gab oft verschiedene Meinungen, und das ist gut so, dafür ist ein Aufsichtsrat ja auch da. Der Antrag, den Vorstand abzusetzen, kam aber aus heiterem Himmel.

Und seit wann litt vor allem die Außendarstellung?

Bader: Seit wir vor gut einem Jahr einen Nachfolger für Michael Wiesinger suchten. Dass vieles auch in die Öffentlichkeit getragen wurde, trug nicht dazu bei, dass der Verein Souveränität abstrahlte.

Warum konnte sich der Aufsichtsrat zuletzt nicht mehr auf eine gemeinsame Linie verständigen?

Bader: Ein Verein wie der 1. FCN ist nur so stabil wie seine führenden Köpfe. Die Kombination aus Misserfolg und Mitgliedern in Gremien, die ihre sportlichen Sorgen nach außen trugen, ließ den ganzen Club wackeln.

Können oder konnten Sie der Argumentation ihres Widersachers Hanns- Thomas Schamel folgen?

Bader: Ich will mich über Herrn Schamel in der Öffentlichkeit nicht äußern. Nur so viel: Jeder Spielername ist dem Aufsichtsrat rechtzeitig mitgeteilt worden. Im Nachhinein ist es immer leicht, Entscheidungen positiv oder negativ zu bewerten.

Das heißt: Der Aufsichtsrat wusste über jeden Neuzugang Bescheid?

Bader: Über jeden, natürlich. Ob Evseev, Füllkrug oder Schöpf, jeder Name ist diskutiert worden.

Demnächst diskutieren Sie da mit anderen Menschen: Welchen Eindruck haben Sie vom neuen Aufsichtsrat?

Bader: Die Herren Grethlein und Gömmel kenne ich erst seit Montag, die anderen Neuen schon etwas länger. Noch mal: Die Qualität eines Gremiums wie diesem besteht darin, die Themen miteinander zu beraten.

Zumindest die nachträglich vorgenommenen Korrekturen wirkten wenig gut beraten, sie ließen eher Eindruck von Panik entstehen. Schäfer ist nur noch Torwart Nummer drei, Bulthuis neuerdings bei der U 21.

Bader: Wir sind nicht dafür verantwortlich, jedem alles zu erklären. Wir müssen informieren, und das haben wir getan. Rakovsky ist die neue Nummer eins, Samuel Radlinger die neue Nummer zwei.

Ist Schäfer also schuld daran, dass es nicht lief?

Bader: Haben wir das gesagt? Nach drei Niederlagen in Folge mussten wir uns Gedanken machen. Es ging darum, für das Lautern-Spiel diejenigen zu finden, von denen der Trainer zu 100 Prozent überzeugt ist, dass sie das Spiel gewinnen. Das war keine Entscheidung gegen Raphael, sondern für Patrick. Außerdem waren wir der Meinung, den Generationswechsel im Tor vorzuziehen. Wegen seiner Verdienste um den 1. FC Nürnberg haben wir Raphael das auch in einem ausführlichen Gespräch mitgeteilt.

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Wollen Sie Schäfers Vertrag wirklich vorzeitig auflösen?

Bader: Rakovsky und Radlinger sind aktuell unsere Zukunft, aber Raphael gehört weiter zum Team. Sollte er irgendwann das Gefühl haben, dass es nicht mehr passt, muss man sich hinsetzen. In keinem Vertrag steht übrigens etwas von einer Einsatzgarantie.

Und was ist mit Bulthuis los? Den hat der Club doch über einen längeren Zeitraum beobachtet, oder?

Bader: Wir haben uns viel von ihm versprochen. Verschiedene Scouts hatten ihn gesehen, wir haben viele Gespräche geführt – und hatten den Eindruck, das könnte passen. Letztlich würden wir uns wünschen, dass er mehr Selbstkritik übt. Aber vor einer Saison weiß man nie, ob alles 100-prozentig funktioniert.

Der gigantische Neuaufbau, wie er sich heute darstellt, wäre gar nicht nötig gewesen, wenn ein paar Stammkräfte geblieben wären. In der Winterpause sagten Sie dieser Zeitung, dass 80 bis 90 Prozent der Spieler auch einen Vertrag für die Zweite Liga hätten. Haben Sie sich verzählt?

Bader: Nein. Nur Feulner, Nilsson, Pogatetz und Hasebe hatten keinen Vertrag für die Zweite Liga, der Rest schon, Ginczek, Chandler, Drmic und Plattenhardt mit Ausstiegsklausel. Frantz, Hlousek, Kiyotake oder Mak hätten wir halten können, zogen aber Transfers vor.

Warum?

Bader: Hätte es eine Garantie gegeben, dass wir mit Frantz oder Mak jetzt zehn Punkte mehr hätten? Die sind alle mit abgestiegen, das darf man nicht vergessen. Außerdem habe ich über den 30. Juni 2015 hinaus die Verantwortung für den Verein. Langfristige Verträge könnten dann unsere wirtschaftliche Handlungsfähigkeit beeinträchtigen. Wenn wir nicht aufsteigen, sind Einschnitte notwendig.

Wo steht der Club im Juni 2015?

Bader: Wir haben nicht vor, uns in der Zweiten Liga einzunisten. Ich gehe jeden Morgen ins Büro und sage mir: Ich möchte zurück in die Erste Liga. Die Frage ist, wann wir es schaffen. Aktuell vom Aufstieg zu reden, macht keinen Sinn.

Und Sie trauen sich nach wie vor zu, die Wende zu schaffen?

Bader: Logisch.

Wie nahe waren Sie dem Rücktritt?

Bader: Es hieß in der vergangenen Wochen doch nur: Pro oder contra Bader? Als es sich so zugespitzt hat, da habe ich schon überlegt, ob es für den Verein besser wäre, unbelastet in die Versammlung zu gehen. Ohne mich also. Glauben Sie mir: Auch ich werde manchmal von Selbstzweifeln geplagt, das ist in jedem Beruf so. Aber im Fußball ist einiges nicht zu erklären. Oder hätten Sie auf einen Sieg gegen Kaiserslautern gewettet?

Eher nicht. Warum sind Sie trotzdem geblieben?

Bader: Bei aller Tristesse habe ich auch viele Briefe und E-Mails bekommen, die mir halfen, die schwierige Phase zu überstehen. Die meisten sagten: Es ist nicht alles schlecht. Und erinnerten daran, wo der Club vor 10, 15, vor 20 Jahren stand. Wirtschaftlich haben wir keine Probleme mehr. Mein Beruf ist ein Privileg für mich, den gebe ich ungern auf. Außer, ich werde eines Tages aufgegeben.

Wären Sie gerne Sportvorstand in Paderborn? Oder Augsburg? Also an einem weniger aufgeregten Standort?

Bader: Ich weiß nicht, ob es da wirklich ruhiger ist. Selbst in Fürth wurde es im Abstiegsjahr sehr unruhig.

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Bader: Das Ergebnis lässt sich nicht nur mit hohen Transfererlösen erklären. Warum haben die Mainzer ihr Stadion am Bruchweg verlassen? Warum will jetzt Freiburg unbedingt ein neues Stadion? Karlsruhe? Weil Sie höhere Umsätze aus der Vermarktung generieren wollen. Wir eines Tages auch. Das Thema ist nicht ligaabhängig.

Sie haben kürzlich erzählt, dass Sie abends vor dem Zubettgehen beten: Auch für den 1. FCN?

Bader: Nein, da geht es um ganz private Dinge. 

Interview: Wolfgang Laaß und Fadi Keblawi

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