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Bayerisches Trio prägt den Franken-Klassiker

Rustikales Flair und rasante Jagd: Das Altstadt-Radrennen blickt trotzdem ungewisser Zukunft entgegen - 04.09. 20:23 Uhr

NÜRNBERG  - Rund 30.000 Zuschauer jubelten und feierten entlang der Strecke um die Nürnberger Altstadt. Am Ende konnt es aber nur einen Sieger geben: Der 27-jährige Helmut Trettwer hat die 21. Auflage des Altstadt-Radrennens gewonnen.

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Den Nachmittag prägten beim Altstadtrennen die Profi-Rennfahrer. Aber auch die Fahrrad-Oldtimer und das Derny-Rennen boten einen spannenden Anblick.


Günzach, Fulda, Baden-Baden, Schönaich, Hamburg, Kempten — es gibt sie alle noch, diese Rennen. Der Radsport mag derzeit ein Imageproblem haben, doch landauf, landab trotzen viele Veranstaltungen der Abwärtsflaute, bleiben nicht alle Klassiker auf der Strecke. Auch in Nürnberg hält man tapfer am Radrennen „Rund um die Nürnberger Altstadt fest“, gestern ging die 21. Auflage über die Bühne. Der Sportservice der Stadt hatte wie im vergangenen Jahr ein buntes Programm zusammengestellt, das Spitzen- und Breitensport vereinen sollte, aber das Publikum scheint das Konzept trotz zahlreicher Bewirtungszonen und Familienunterhaltung nicht mehr zu locken.


Rund 50.000 Zuschauer sollen es 2010 gewesen sein, nun lautet die offizielle Zahl 30.000, aber auch das wirkt eher wohlwollend nach oben korrigiert. Selbst auf dem Hauptmarkt blieben viele Bierbänke frei, am Burgberg standen die Fans nur in unmittelbarer Zielnähe dicht gedrängt — hundert Meter weiter flatterten die Absperrbänder solo im Sommerwind. Beste Werbeträger waren die Sportler selbst. Das Derny-Rennen verbreitete rustikales Flair, der Run-and-Bike-Wettbewerb ist mehr als eine Gaudi-Einlage, und als die Elite ins Ziel kam, wollten einige Besucher „das spannendste Rennen seit langem“ gesehen haben.

Frischer Sieger

Wie erwartet rasten die Teams ohne Rücksicht aufs Kopfsteinpflaster über den Kurs, schnell bildeten sich Flucht-Gruppen, die ebenso schnell wieder eingeholt wurden, mal zersplitterte der Tross, mal kurvten sie in schönster Eintracht an der Burg entlang. Als sich in der neunten Runde erneut ein Trio absetzte, blieb der Rest zunächst untätig. „Wir kamen frisch von hinten“, erklärte der spätere Sieger Helmut Trettwer (Team Corratec Baier Landshut) die Gunst der Sekunde, der zudem in Leif Lampater (Team Irschenberg Rudy Project) und Alexander Krieger vom fränkischen Team Heizomat zwei exzellente Mitstreiter gefunden hatte.

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In Rekordgeschwindigkeit haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Jedermannrennen am Sonntag die 65 Kilometer lange Runde um die Nürnberger Altstadt und durch den Landkreis Erlangen-Höchstadt absolviert.

Runde um Runde bauten sie den Vorsprung auf ein tschechisch-italienisch-deutsches Verfolger-Quartett aus, dahinter lauerte der Rest, doch es setzte nur noch halbherzige Attacken. Selbst eine Rennunterbrechung nach dem Sturz eines Italieners und Neuaufnahme nach rund zehn Minuten Pause brachte das Trio nicht aus dem Tritt. Trettwer wusste allerdings, dass er gegen den Bahnspezialisten Lampater und Krieger im Spurt geringe Chancen haben würde, also gab er am letzten Burganstieg Gas.

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Bei strahlendem Sonnenschein gingen beim Altstadtrennen um kurz vor neun Uhr die Jedermänner und die Liegeradfahrer an den Start und sausten um die Nürnberger Altstadt. Die ersten Bilder vom Start und von der Strecke:

Sein Kalkül ging auf, das überrumpelte Duo musste ihn ziehen lassen, Trettwer gewann nach 63 Kilometer in 1:44:51 Stunden. Nach der Siegerehrung saß der 27-Jährige aus Teisendorf im Berchtesgadener Land selber etwas überrumpelt auf dem Podium. „Nürnberg ist das größte Rennen, das ich als Amateur fahren kann, es ist ein Klassiker“, sagte er – nun steht er in der Siegerliste neben Namen wie Jan Ullrich, Erik Zabel oder Gerald Ciolek.

Klares Signal vermisst

Kritiker machen auch daran den Niedergang der Veranstaltung fest, ohne illustre Namen fehlen die Zugpferde. Doch die kosten wiederum Geld, und das will offenbar derzeit keiner für das Rennen in die Hand nehmen, zumal nicht nur Peter Schönlein, der die Veranstaltung einst aus der Taufe hob, ein klares Signal aus dem Rathaus vermisst. Peter Streng vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) lässt immerhin verlauten, dass der Dialog mit der Stadt fortgesetzt werde: „Der BDR hat ein Interesse an der Zukunft des Rennens.“

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Das Altstadtrennen 2011 in Nürnberg hat sich zu einem Breitensport-Event entwickelt, das vielseitige Rennen anbietet und jeden zum Mitfahren ermuntert. Doch auch die klassische Radrenn-Atmosphäre begeistert auf den Kursen durch die Innenstadt.

Die Radfahrer sowieso. Lampater hat dieses Jahr bereits Rennen in New York und Melbourne bestritten, aber es klingt nach mehr als purer Höflichkeit, wenn er von der Stimmung in der Stadt schwärmt: „Da wächst gleich die Motivation, öfter auf der Straße zu fahren — besonders wenn man vorne mitfährt.“ Holger Burkhardt, der zuvor im Derny-Rennen den Kurs kennenlernen durfte, fand es zwar anfangs seltsam, dort in die Pedale zu treten, wo er sonst einkauft, doch seine enttäuschte Miene, nachdem er spät ins Ziel kam, sprach Bände — um das Flair dieses Rennens zu begreifen, muss man wahrscheinlich nicht mal zwingend Nürnberger sein. „Ich komme wieder“, versprach Lampater. Wenn es denn ein 22. Rennen gibt.

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Sie sind die Hingucker beim Altstadtrennen - die Liegeräder. Aber auch der Run & Bike-Wettbewerb zog viele Zuschauer an, die besonders die ganz jungen Teilnehmer begeistert anfeuerten.

 



ULRIKE ASSMANN

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Zum Thema
rennerle
Seit:
1991
Turnus:
jährlich

Termin:
2. September 2012
Kurzbeschreibung:
Das "Nürnberger Altstadtrennen" zählte zu den größten Radsportevents in Bayern. Stars wie Jan Ullrich oder Erik Zabel und Topteams wie Telekom, Milram oder Gerolsteiner fuhren schon auf dem Rundkurs vor der einmaligen Kulisse der Nürnberger Burg. Nach einer konzeptionellen Umgestaltung im Jahr 2010 stehen nun nicht mehr die Profis, sondern die Nachwuchs- und Freizeitfahrer im Mittelpunkt des Interesses. Ab 2013 wird das Altstadtrennen mit der Bayern-Rundfahrt verschmelzen.


Infos und Karte zum Jedermann-Rennen 2011

Veranstalter:
SportService der Stadt Nürnberg
Besucher:
30.000 im Jahr 2011
Teilnehmer:
800 Teilnehmer beim Jedermann-Rennen