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"Bin kein böser Junge": Gjasula spricht Klartext

Mittelfeldspieler äußert sich im Interview zur Kritik an seiner Person - 13.11.2017 06:00 Uhr

Jurgen Gjasula steht beim Kleeblatt derzeit etwas in der Kritik. © Sportfoto Zink / MeZi


Herr Gjasula, wie war denn Ihr Verhältnis zu Ex-Trainer Janos Radoki?
Jurgen Gjasula: Ein Spieler und ein Trainer müssen nicht allerbeste Freunde sein. Ich hatte von Anfang an ein ganz normales professionelles Verhältnis zu Janos Radoki, vom Tag der Rückkehr nach meiner Verletzung bis zu seiner Entlassung. 

Sie sollen einen großen Anteil daran gehabt haben, dass er heute nicht mehr da ist.
Gjasula: Ich habe das nicht verstanden, wieso es einen solchen Wirbel um meine Person gab. Es war die Entscheidung des Vereins und der sportlich Verantwortlichen. Ich habe mich sehr gewundert, dass man denkt, ein einzelner Spieler könne der Ausgangspunkt dieses Vorgangs gewesen sein. Das funktioniert so nicht im Profifußball, nicht einmal beim FC Barcelona.

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Janos Radoki beim Kleeblatt: Hoffnungsträger mit kurzer Haltbarkeit

Es hatte so gut begonnen: In der Saison 2016/17 übernahm der ehemalige Kleeblatt-Profi und Talentförderer Janos Radoki für Stefan Ruthenbeck auf der Trainerbank, stieg vom Interims- zum Chefcoach auf und verlängerte seinen Vertrag. Danach blieben allerdings die Ergebnisse aus - und der Verein zog nach einem verkorksten Saisonstart mit drei Niederlagen die Reißleine.


Sie fühlen sich also von den Medien ungerecht behandelt? Warum haben Sie nicht früher die Öffentlichkeit gesucht?
Gjasula: Weil für mich immer die Mannschaft im Vordergrund stand. Wir haben eine sehr schwierige Phase. Ich wollte den Fokus auf die Mannschaft, aufs Training legen und nicht auf Vergangenes. Im Endeffekt hat der Verein diese Entscheidung ganz alleine getroffen. Es hat mich getroffen, dass es so nach außen getragen wurde, dass ich ein Anführer für irgendwas war. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. 

Hat denn die Chemie zwischen Radoki und der Mannschaft noch gestimmt?
Gjasula: Ich bin nicht befugt, das zu beurteilen. Jeder Spieler hat sein eigenes Verhältnis zum Trainer gehabt. Im Endeffekt geht es um Erfolg oder Misserfolg. Wir sind alle jeden Tag zum Training gekommen, haben professionell gearbeitet, immer probiert, das umzusetzen, was der Trainer von uns verlangt. Und es gab eine Phase, wo das länger nicht funktioniert hat. Aus welchen Gründen, ist im Nachhinein schwer zu sagen und auch nicht meine Aufgabe, das zu analysieren.

"Ich wurde als Sündenbock dargestellt"

Hat es Sie nur gewundert?
Gjasula: Auch gefrustet. Dass ich als Sündenbock für diese Aktion dargestellt wurde, hat die Leute im Umfeld auch beeinflusst. Ich habe probiert, das auszublenden, was nicht einfach ist, weil man damit immer wieder konfrontiert wird. Schlussendlich geht es aber nur um den Verein, dass wir schnellstmöglich aus dieser Situation rauskommen und Punkte sammeln. Wer spielt, wer nicht spielt, ist Nebensache, wir müssen unser Ego zurückstellen. Wir müssen diese Situation jetzt zusammen meistern, mit allen im Verein und mit den Fans.

Gibt es eine Möglichkeit, auf die Fans zuzugehen? Zuletzt in Regensburg wollte ein Teil der Mannschaft nach Schlusspfiff aus der Kabine nicht wieder vor den Block der mitgereisten Fans treten.
Gjasula: Es war vielleicht ein kleines Missverständnis nach dem Spiel, das ist jetzt geklärt. Wir hatten oft Gespräche mit den Fans nach den Spielen. Im Endeffekt liegt den Anhängern am Herzen, dass die Mannschaft auf dem Platz alles gibt. Ich verstehe, wenn sie sauer sind nach solchen Niederlagen wie in Regensburg. Trotzdem sind wir nochmal zu ihnen raus, haben mit ihnen gesprochen und gezeigt, dass wir ihre Unterstützung brauchen.

"Bin ein sehr selbstkritischer Mensch"

Zuletzt gab es im Stadion Pfiffe gegen Sie. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ihrem sportlichem Tief und den öffentlichen Vorwürfen?
Gjasula: Natürlich geht das alles nicht spurlos an einem vorbei. Natürlich spielt der Kopf eine Rolle, das Ganze, was gerade um mich herum abläuft. Keinem Spieler gefällt es, wenn die Fans einen auspfeifen. Aber ich weiß, dass ich nicht auf dem Level bin, auf dem ich sein will und das die Leute auch von mir verlangen können. Es ist nicht so, dass ich nach dem Spiel nach Hause fahre und sage: Es ist alles okay. Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch. Das wissen die meisten Leute vielleicht nicht, sie können mich nur von außen beurteilen. Da macht man sich vielleicht zu viele Gedanken. Klar sind wir Profis, die mit solchen Situationen umgehen müssen. Aber wir sind auch alles Menschen mit Gefühlen. Und ich bin ein sensibler Mensch. 

Das spiegelt sich nicht unbedingt in dem wider, was Sie in sozialen Netzwerken veröffentlichen: Nach Niederlagen filmen Sie sich mit Musik im Auto, beim fröhlichen Essen mit Freunden, beim Friseur. Das stößt einigen Fans sauer auf, sie vermissen eine gewisse Zurückhaltung in der derzeitigen Situation.
Gjasula: Klar denkt man auch an sowas. Aber wenn man jetzt mit sowas anfängt, sein Essen nicht mehr zu fotografieren… Jeder Mensch geht essen, die Fans, die Reporter auch. Ich weiß nicht, warum es verkehrt sein sollte, das zu fotografieren und ins Netz zu stellen. Ich höre Musik im Auto, darf ich jetzt keine Musik mehr hören? Das ist doch heutzutage normal geworden. Einer macht das weniger, der andere mehr. Und man ist doch dadurch kein schlechterer Mensch, nur weil man aktiver ist in den sozialen Medien. Ich habe mir aber auch meine Gedanken darüber gemacht. Es ist auf jeden Fall weniger geworden.

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Es ist jetzt Ihre dritte Saison in Fürth. Ist es auch die schwerste?
Gjasula: Seit ich hier bin, habe ich alles für die Mannschaft gemacht. In der ersten Saison lief es sehr gut, in der zweiten bin ich wegen der schweren Verletzung ausgefallen. Es ist nochmal was anderes, so eine Verletzung mit 21 zu haben. Man verkraftet das besser als jetzt mit 31. Ich habe wirklich sehr hart gearbeitet, ich habe auch nochmal einen Schritt nach vorne gemacht, was die Professionalität angeht. Das kommt auch mit dem Alter, dass man mehr auf seinen Körper achtet. Dass man im Privatleben alles dem Fußball unterordnet. Und deshalb tut es doppelt weh, wenn man als böser Junge dargestellt wird, der ich nicht bin.  

Martin Schano

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