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Blutleerer HCE-Auftritt: Droht Andersson das Aus?

Erlanger wollen nach dem 21:30 gegen Kiel "alles und jeden hinterfragen" - 07.10.2017 10:30 Uhr

Muss er seinen Platz räumen? Trainer Robert Andersson steht nach dem erneuten Rückschlag auf der Kippe. © Sportfoto Zink / OGo


Plötzlich strahlten sie um die Wette: die Weinholds, die Wienceks, die Rahmels. Kiel feierte einen zuvor nicht für möglich gehaltenen Kantersieg, ein für den HC Erlangen erniedrigendes 31:20 (14:10). Die ersten Augenblicke nach Spielschluss, sie waren Anschauungsunterricht für traurige Erlanger, die sehr ratlos beisammenstanden.

So schnell kann man sich also eine mentale Krise von der Seele spielen, in nur sechzig Handballminuten, wenn einem zwar erneut nicht viel gelingt, der Gegner einen aber mit Fehlern immer wieder stark macht, wie es Jonas Link, der enttäuschte Spielmacher, ausdrückte.

Erlangen wollte ja eigentlich selbst dieses Spiel gegen den Rekordmeister dafür nutzen, um sich Mut in schwierigen Zeiten zu holen. Ohne Druck wollten sie aufspielen, frech sein. Vielleicht hätte es am Ende nicht für einen Sieg und auch nicht für ein Unentschieden gereicht, nein, dafür muss gegen einen ganz Großen im Handball wirklich alles passen. Aber zumindest Selbstbewusstsein hätte man zurückgewinnen können – und auch den Schulterschluss mit dem Publikum.

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Klatsche gegen Kiel: HCE verliert klar gegen den Rekordmeister

Der HC Erlangen kommt auch gegen den THW Kiel nicht aus dem Stolper-Schritt in der Handball-Bundesliga. Das Team von Trainer Robert Andersson verlor am Donnerstagabend mit 20:31 gegen den Rekordmeister und hängt somit weiter im unteren Tabellendrittel fest.


Die Euphorie auf den Rängen, die diese Mannschaft so oft in den vergangenen Jahren getragen hat, war als Letztes ja auch noch verschwunden. Donnerstagabend jedenfalls strömten viele der 5382 Zuschauer in beachtlicher Geschwindigkeit aus der Arena. Man sah sie diskutieren, gestikulieren – und entsetzt mit dem Kopf schütteln.

Ein mutiger Auftritt hätte gereicht, um Kräfte freizusetzen, die zweifelsohne in dieser Mannschaft schlummern. Die man aber in dieser Saison bislang nur einmal über die volle Spielzeit, beim TVB Stuttgart, auch abrufen hatte können. In Flensburg reichte es lediglich für 30 ordentliche Minuten, in Hannover für 40. Beim 25:22 über Gummersbach hatte Torhüter Gorazd Skof den Sieg gerettet.

Die neue Saison entpuppt sich somit bei genauerem Hinsehen trotz teils neuem Personal als Fortsetzung einer negativen Entwicklung, die die Mannschaft von Trainer Robert Andersson schon durch die letzten Monate der vergangenen, sehr erfolgreichen Runde zeigte. Nun gegen Kiel schien es, so Andersson, das richtige Spiel zum richtigen Zeitpunkt zu werden.

Anstelle eines Befreiungsschlags, wie er den Kielern ohne viel Mühe gelang, stürzte sich der HCE noch mehr ins Jammertal: Die Verunsicherung war von der ersten Minute an bis unters Dach zu spüren, die Idee, die ihrerseits spürbar verunsicherten Kieler lang in Schach zu halten und damit nervös zu machen, misslang völlig.

"In so einer schwierigen Phase muss man schauen, dass man eine gute Abwehr stellt. Die gibt, gemeinsam mit einem guten Torwart, Sicherheit", riet Steffen Weinhold, der Kieler Kapitän, auch Richtung Erlangen. Doch genau das besaß der HCE ja zuletzt immer. Und trotzdem greift die Verunsicherung immer mehr um sich. Erschreckend war, dass jetzt sogar der erfahrene Skof gegen Kiel Abspielfehler produzierte, Christoph Steinert, bislang eine wohltuende Konstante, war nicht wiederzuerkennen. Bälle fielen aus zittrigen Händen, jeder Einzelne, das spürte man, hatte große Angst, Fehler zu machen.

"Entscheidend ist das Wie"

So ging es für Kiel auf 8:3 (15.) davon, zur Pause stand es 14:10. Das schüttelte die letzten Sorgen ab und die Gäste warfen einen vorentscheidenden Vorsprung heraus. Statt eines HCE-Wunders gab es ein Desaster.

"Wir hinterfragen alles und jeden", verriet Geschäftsführer René Selke gestern. Dabei vermied er es, dem Trainerteam uneingeschränktes Vertrauen auszusprechen. "Die letzten Niederlagen sind nicht dramatisch, auch hinken wir nur einem Punkt hinterher", so Selke, "entscheidend aber ist das Wie. Das hat uns nicht gefallen."

Sicher, drei verletzte Stammspieler muss man verkraften, auch das werde in Gesprächen, "die nun wie nach jedem Spiel folgen" (Selke) thematisiert: "Sachlich und mit ruhigem Kopf. Dann werden wir gemeinsam einen Weg suchen, wie wir aus diesem Tal herauskommen." Ob Trainer Andersson, der gestern nicht erreichbar war, weiter vorangehen darf, ließ René Selke unbeantwortet: "Wir müssen das Beste für den HC Erlangen im Blick haben – unabhängig von Personen oder Namen." 

Christoph Benesch

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