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Bornemann im Spieler-Poker: "Müssen sich bekennen"

Nürnbergs Sportvorstand absolviert derzeit einen Verhandlungsmarathon - 10.11.2017 21:07 Uhr

Hängepartie: Auch mit Kevin Möhwald (links) würde Sportvorstand Andreas Bornemann gerne verlägern. © Sportfoto Zink / DaMa


NZ: Herr Bornemann, Trainer Michael Köllner hat nach der 1:2-Heimniederlage gegen Ingolstadt etwas trotzig gemeint: Hätte jemand vor der Saison gesagt, dass der Club Anfang November auf Rang vier steht, hätte das jeder unterschrieben. Sie auch?

Andreas Bornemann: Absolut. Wenn man bedenkt, dass wir die vergangene Saison als Zwölfter abgeschlossen und die Mannschaft noch einmal stark verändert und verjüngt haben, ist nach einem Drittel der Saison Platz vier nicht selbstverständlich – wobei wir ohne die letzten beiden Niederlagen von der Punktausbeute her natürlich noch deutlich besser dastehen könnten.

NZ: Vor allem hat man es dadurch auch verpasst, sich vom Verfolgerfeld ein bisschen abzusetzen. Macht Ihnen die jüngste Entwicklung Sorgen? Kevin Möhwald glaubte sogar, in spielerischer Sicht einen Negativtrend ausgemacht zu haben.

Bornemann: Ich finde es wichtig, immer den Blick fürs Ganze zu bewahren und die Gesamtsituation nicht nach den letzten beiden Spielen zu beurteilen. Wir haben anfangs gesagt, dass wir unsere verjüngte Mannschaft stabil bekommen müssen. Aber es ist ein Lernprozess, da gehören auch Phasen mit schlechteren Spielen und Niederlagen dazu. Nach dem guten Start mit dem schönen Offensivfußball ist es jetzt vielleicht auch ein bisschen der Fluch der guten Tat, weil die Leute erwarten, dass du das Woche für Woche wiederholst. Die Entwicklung gerade einer jungen Elf verläuft aber meist in Wellenbewegungen. Jetzt müssen wir uns eben wieder fangen, um das, was wir uns erarbeitet haben, nicht leichtfertig herzuschenken.

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Gut war es nicht, was der Club am Montag gegen Ingolstadt auf die eigene Spielwiese brachte. Zu einem Punkt hätte es dank Cedric Teucherts entschlossenem Antritt und Kevin Möhwalds saftigem Schuss in einer besonders im zweiten Durchgang weitgehend öden Zweitliga-Partie jedoch wohl gereicht. Hätte nicht... Ach, Sehen Sie doch selbst!


NZ: Hat sich die Liga vielleicht auch inzwischen besser auf den Köllner-Club eingestellt – ihn "entschlüsselt", wie die Bild-Zeitung schrieb?

Bornemann: Das glaube ich nicht. Die Mannschaft muss sich einfach darauf zurückbesinnen, was sie am Anfang stark gemacht hat: eine große Geschlossenheit und Freude, die Aufgabe anzugehen. Die Qualität ist bei uns zweifellos vorhanden, aber wir müssen wieder mehr Grundtugenden in die Waagschale werfen.

NZ: Fällt es vielleicht auch dem einen oder anderen Talent schwerer, sich weiterhin aufs Wesentliche zu konzentrieren? Ein Eduard Löwen etwa wirkte zuletzt nicht mehr ganz so fokussiert wie zu Beginn seines Höhenfluges.

Bornemann: Natürlich kommen auch Themen abseits des Platzes dazu. Ein Edu Löwen ist in diesem Jahr von null auf hundert gegangen, jetzt spielt er sogar in der deutschen U21, das treibt einen jungen Menschen natürlich um – ganz abgesehen von den Ratschlägen vieler Leute, die es vermeintlich gut mit ihm meinen.

Kein Transferdruck mehr

NZ: Sie haben im Sommer gesagt, diese 2. Liga bietet Chancen und Risiken. Mit Düsseldorf und Kiel stehen nun zwei Mannschaften ganz oben, die man dort nicht unbedingt erwartet hätte, andere vermeintliche Favoriten schwächeln. Also doch eher eine große Chance für den Club, die es zu nutzen gilt – zumal nächstes Jahr als Konkurrenz wieder Hochkaräter wie Köln oder Bremen drohen könnten?

Bornemann: Natürlich gibt es heuer kein Stuttgart oder Hannover, aber dafür eine riesige Gruppe von acht bis zehn Mannschaften, die alle nicht weit auseinanderliegen. An jedem Spieltag kann jeder jeden schlagen, sogar das Schlusslicht den Tabellenführer. Das soll eine einfache Liga sein? Ich finde sie eher schwierig. Im Übrigen ist Düsseldorf ein Verein, der prinzipiell ebenfalls den Anspruch hat, in der Bundesliga zu spielen. Und dass Kiel so weit oben steht, ist auch kein Zufall mehr. Dort ist über die Jahre etwas herangewachsen, die sind sehr schwer zu schlagen.

NZ: Sie haben angekündigt, dass kein Stammspieler den Verein ablösefrei verlassen wird – demnach müsste man in der Winterpause konsequenterweise Spieler wie Cedric Teuchert, Tim Leibold, Kevin Möhwald und Patrick Kammerbauer, die ihre Verträge bislang partout nicht verlängern wollen, verscherbeln...

Bornemann: Ich habe nur gesagt, es muss das Ziel sein, dass der Verein bei Wechseln von Spielern, die sich bei uns entwickelt haben, partizipiert. Das heißt, wir müssen versuchen, entsprechende Lösungen zu finden – und wenn diese nicht möglich sind, auch mal in Erwägung ziehen, sich vorzeitig zu trennen, wenn es der Markt denn hergibt. Wir haben aber den Riesenvorteil, in diesem Winter nicht den Transferdruck der vergangenen Jahre zu spüren, also Spieler abgeben zu müssen, um unseren Haushalt in den Griff zu bekommen.

NZ: Wäre es den Fans überhaupt vermittelbar, Stammkräfte abzugeben, wenn der Club zur Winterpause noch oben dabei ist? Müsste man nicht das Risiko, einen Spieler im Sommer ablösefrei ziehen zu lassen, in Kauf nehmen, weil ein Aufstieg ja mittelfristig viel wertvoller und auch lukrativer wäre?

Bornemann: Genau solche Aspekte gilt es natürlich abzuwägen. Spieler lassen sich ja auch eher überzeugen, wenn man vorne dabei ist. Vertragsverlängerungen funktionieren nur über eine finanzielle Attraktivität, aber auch eine sportliche Perspektive. Unsere Idee ist klar: Wir wollen den Kern dieser Mannschaft, die von der Altersstruktur her ja auch noch Luft nach oben lässt, möglichst zusammenhalten. Andererseits wollen wir auch unserer Maxime treu bleiben, Spieler nicht ablösefrei ziehen zu lassen. Das ist aber nicht in Stein gemeißelt. Erst einmal heißt es abwarten, ob überhaupt ein Verein im Winter Interesse an einem der genannten Kandidaten hat. Und dann muss man schauen, ob wir eine Alternative haben oder ob wir kategorisch Nein sagen, weil wir die Mannschaft schwächen und damit unsere Chance auf maximalen Erfolg in dieser Saison gefährden würden. Das muss man alles einkalkulieren.

"Wir sind bestrebt, bald eine Entscheidung herbeizuführen"

NZ: Mit welchem Spieler gestalten sich die Vertragsgespräche denn am schwierigsten?

Bornemann: Details werde ich sicher nicht verraten. Wir sind dran an den Themen, aber wir können ja auch nicht Woche für Woche auf die Spieler einreden. Das Grundprinzip ist vermittelt, es gibt auch schon ein paar Ideen, wie das aussehen könnte, aber nicht immer sind das eben auch die Ideen der Profis und ihrer Berater. Und wir sind schon bestrebt, bald eine grundsätzliche Entscheidung herbeizuführen. Die Spieler müssen sich auch irgendwann mal bekennen und die Rahmenbedingungen dieses Vereins akzeptieren – oder im Zweifelsfall eben sagen: Ich verlängere hier auf gar keinen Fall. Dann muss man schauen, ob man eine Lösung findet, die den Verein über den Sommer hinaus nicht völlig blank dastehen lässt.

NZ: Kritiker werfen Ihnen vor, die betreffenden Verträge nicht schon viel früher verlängert zu haben.

Bornemann: Dann muss man mir mal das Patentrezept verraten, wie man aus einem Kader sechs, sieben Millionen Euro rauspresst, den Etat um viereinhalb Millionen kürzt und gleichzeitig noch vier oder fünf Verträge verlängert. Unser Grundproblem war doch, dass wir gehaltstechnisch nicht gerade auf dem niedrigsten Niveau der 2. Liga waren und nach dem Scheitern in der Relegation eine ganze Ecke runter mussten. Dann hatte zunächst einmal Priorität, Lücken im Kader zu schließen und freigewordene Positionen besetzen. Da bleibt nicht mehr der finanzielle Spielraum, um ohnehin schon gut dotierte Verträge zu noch besseren Konditionen zu verlängern.

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NZ: Es ist kein Geheimnis, dass Rurik Gislason oder Ondrej Petrak mit ihrer Reservistenrolle unzufrieden sind. Wie wahrscheinlich ist ein Abschied im Winter?

Bornemann: Aktuell bahnt sich noch nichts an, aber sicherlich wäre Rurik ein Kandidat, nachdem er hier auch beim dritten Trainer kaum zum Zuge kommt. Und er will ja 2018 mit Island zur WM. Auch Ondrej kann mit seiner Situation sicher nicht zufrieden sein, weil er schon den Anspruch hat, Stammspieler zu sein. Aber er ist immer nah dran an der ersten Elf, und wir brauchen ja auch Alternativen, deshalb gibt es von unserer Seite keine Intention, da etwas zu verändern.

Kein Groll wegen Sabiri

NZ: Aus dem Kreis der jungen Spieler scheint Teuchert den größten Wechseldrang zu verspüren. An ihm soll die halbe Bundesliga interessiert sein, zuletzt wurde er mit Mainz in Verbindung gebracht...

Bornemann: Ich verfolge das auch, mit diesen Gerüchten muss man leben. Manchmal sind sie auch gesteuert oder einfach erfunden. Bislang hat sich bei uns wegen Teuchert jedenfalls kein Verein gemeldet. Das war aber in den Jahren zuvor zu diesem Zeitpunkt auch bei Alessandro Schöpf und Guido Burgstaller so. Meistens bahnen sich Transfers erst im Dezember oder Januar an.

NZ: Abdelhamid Sabiri hat im Sommer seinen Wechsel zu Huddersfield Town mehr oder weniger erzwungen. Hatten Sie als Sportdirektor so ein Verhalten schon einmal erlebt?

Bornemann: In der Form nicht, das war schon ein besonderer Fall. Dass manche Spieler mit ihrer Art polarisieren und eine Gruppe auch mal spalten, das gibt es immer wieder. Bei Sabiri gab es in der Mannschaft am Ende aber überhaupt keinen Fürsprecher mehr, das war er gegen den Rest.

NZ: Kann Sabiri auch als abschreckendes Beispiel dienen? In England versauert er momentan auf der Tribüne.

Bornemann: Ich kenne die Hintergründe nicht, warum er in Huddersfield nach einem guten Start nun gar keine Rolle mehr spielt. Aber einen Sabiri mit Klarheit im Kopf und dem Wissen um seinen Stellenwert in dieser Mannschaft hätte ich schon gerne noch hier, weil er doch einfach manche Sachen besonders gut kann und dem Trainer im Offensivbereich weitere Möglichkeiten bietet. Es ist schade, dass er sich nicht die nötige Zeit genommen hat und vielleicht zu schnell zu viel wollte. Man wird sehen, wo das bei ihm endet. Ich persönlich hege keinen Groll und wünsche ihm bestimmt nichts Schlechtes – es gibt bei uns ja auch handfeste finanzielle Interessen, dass seine weitere Karriere gut verläuft.

NZ: Für Ihre Personalplanung wurden Sie im vergangenen Jahr zum Teil harsch kritisiert. Verspüren Sie eine gewisse Genugtuung, dass ein vermeintlicher Transferflop wie Mikael Ishak jetzt auf Rang zwei der Torjägerliste liegt?

Bornemann: Genugtuung empfinde ich nicht, aber ich freue mich für ihn, dass er nun trifft und das bestätigt, was er in Dänemark angedeutet hat. Wobei es schon interessant war, dass für Dinge, die gut waren, grundsätzlich andere verantwortlich waren, und Spieler, die nicht so einschlugen, immer auf mein Konto gingen. Dabei waren es immer Entscheidungen, die mehrere Leute in Absprache getroffen hatten. Womit ich hundertprozentig leben kann, ist der Vorwurf, dass die Verpflichtung von Alois Schwartz nicht funktioniert hat. Die Idee war, nach dem dritten Platz des Vorjahres und dem personellen Substanzverlust einen Trainer zu holen, der die Mannschaft vor allem defensiv stabilisieren kann. Beim Karlsruher SC kriegt Schwartz das jetzt wieder hin, bei uns ist es eben nicht aufgegangen. Aber so viele Trainer habe ich in meiner Vita auch noch nicht verschlissen.

Lob für Köllner

NZ: Was hat Sie so sicher gemacht, dass es mit Köllner funktionieren würde? Nach der eher durchwachsenen Rückrunde stieß seine Beförderung zum Cheftrainer ja nicht überall auf Begeisterung.

Bornemann: Vielleicht die Innenansicht, die ich ja hatte. Man kennt die Mannschaft und die Charaktere und weiß, was passen kann. Es war auch schnell klar, dass wir hier etwas entwickeln müssen, und Michael Köllner hatte ja bereits in der U21 und im gesamten Nachwuchsbereich bewiesen, dass er mit großem Fleiß und Fachwissen etwas Funktionierendes auf die Beine stellen kann. Auch in der Rückrunde hat sich schnell gezeigt, dass es der Mannschaft gut tut, Anleitungen an die Hand zu bekommen, die zu ihr passen. Durch die intensive Ausbildung der Spieler in den NLZs hat sich vieles verändert. Mannschaften merken relativ schnell, ob da inhaltliche Substanz dahinter steckt oder ob einer nur Sprüche raushaut.

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Ein Trainer für Jung und Alt: Club-Coach Michael Köllner

Michael Köllner hat sich bewährt. Der arbeitswütige Oberpfälzer, der sich unlängst noch um den Nachwuchs des FCN kümmerte, hat die zuvor oftmals wackeligen Club-Profis in die Spur zurückgesetzt. Der Lohn für den selbstbewussten Kommunikator: Die Weiterbeschäftigung als Nürnberger Cheftrainer. Der Köllner-Club: Was bisher geschah, alle Infos in Bildern!


NZ: Auch Ihr Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Wann wird die Verlängerung verkündet?

Bornemann: Meine Vertragssituation wurde noch nie öffentlich thematisiert, und ich werde das auch jetzt nicht tun. Ich finde die ganze Sache auch gar nicht so dramatisch. Es ist doch in jedem Verein so: Wenn es mir Spaß macht und ich habe das Gefühl, es tut sich was, und die Verantwortlichen sehen es auch so, dann ist eine weitere Zusammenarbeit eh kein Problem. Und wenn es nicht so ist, wird man mir das schon irgendwann sagen.

NZ: Macht es Ihnen denn noch Spaß beim Club?

Bornemann: Absolut. Natürlich geht die Woche im Fußball immer besser von der Hand, wenn man gewonnen hat. Letztes Jahr war es schon ein hartes Brot, weil man erahnen konnte, dass die Saison extrem schwierig wird. Wenn man dann ständig Backpfeifen kriegt, würde man sich schon ein bisschen Differenzierung wünschen. Ich musste immer ein bisschen schmunzeln, wenn man bedenkt, dass wir mehr an Ausbildungsentschädigungen im Bereich U17 bis U21 gezahlt haben als an Transferausgaben für die erste Mannschaft. Aber es hat mich auch nicht so belastet, dass ich keine Freude mehr an der Arbeit gehabt hätte. Die Probleme kommen erst dann, wenn die Diskrepanz zwischen der Erwartungshaltung, die von außen geschürt wird, und dem, was tatsächlich möglich ist, zu groß wird. Ich glaube aber schon, dass viele Menschen im Verein das richtig einordnen können. 

Fragen: Uli Digmayer und Stefan Jablonka

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