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Bornemann spricht Klartext: Darum geht Kammerbauer

Sportvorstand wehrt sich gegen Kritik, zu spät verlängert zu haben - 29.01.2018 11:00 Uhr

Auch dank der Arbeit von Andreas Bornemann grüßt der Club in der Tabelle aktuell vom zweiten Platz aus. © Foto: Daniel Marr/Zink


Michael Köllner lässt sich am Freitagabend vor dem Fanblock für den Auswärtssieg in Berlin feiern, Sie müssen am Samstag verkünden, dass Patrick Kammerbauer seinen Vertrag nicht verlängern und nach Freiburg wechseln will. Sind Sie zufrieden mit der derzeitigen Aufgabenverteilung beim Club, Herr Bornemann?

Andreas Bornemann: Ich weiß gar nicht, ob man die Rollen so verteilen muss. Wir gewinnen die Spiele im Team und wir entscheiden gemeinsam, wann und ob Spieler kommen oder gehen. Aber ich habe kein Problem damit, wenn der ein oder andere das so interpretiert, wie von Ihnen beschrieben. Wenn am Ende der Verein Erfolg hat, kann ich damit leben.

Dass dieser Erfolg bleibt, daran kann man jetzt zweifeln. Mit Kammerbauer verlässt - nach Teuchert - wieder ein Stück Zukunft den Verein.

Bornemann: Das hat man doch bei jedem Spieler gehört, der in den letzten Jahren den Verein verlassen hat. So war das bei Schöpf, so war das bei Stark. Trotzdem stehen wir auf einem Aufstiegsplatz. Das ist der Kreislauf im Fußball: Einer geht, einer kommt. Patrick ist auch einer, der von einer Lücke profitiert hat, die irgendwann entstanden ist. Für solche Fälle haben wir ein Nachwuchsleistungszentrum. Außerdem kann man Teuchert und Kammerbauer schlecht vergleichen, weil wir gerade auf Patricks Position mit Patrick Erras einen haben, der in diesem Verein auch zukünftig eine ganz wichtige Rolle einnehmen soll.

Trotzdem drängt sich der Eindruck auf, dass sich der Club sehr damit schwertut, Verträge mit jungen Spielern zu verlängern. Stattdessen holt man sich in der Winterpause Spieler aus der Bundesliga. Ist das das richtige Signal ans Umfeld? Hätte man sich das Geld nicht sparen können und stattdessen den ein oder anderen Vertrag verlängern können?

Bornemann: Das ist ein schwieriger Vergleich. Erst einmal nutzt uns das Geld für Teuchert oder vielleicht demnächst für Kammerbauer, um wieder in die nächste Generation zu investieren. Die Neuen sollen unabhängig davon die Qualität sofort erhöhen.

Die Winterzugänge sind also auch deshalb hier, um Spielern aus dem NLZ ein wenig Zeit zu verschaffen?

Bornemann: Das ist die Idee. Alle, die im NLZ jetzt an ihrer Karriere arbeiten, die wollen ja irgendwann auch mal eine Perspektive sehen.

Sie klingen sehr entspannt, schätzen also die, die Kammerbauers Abgang betrauern, seinen sportlichen Wert falsch ein?

Bornemann: Es war in den Gesprächen zu spüren, dass Patrick und sein Berater seine Situation anders eingeschätzt haben als wir, also eher in Richtung erste Elf. Wir haben gesagt, dass das mal sein kann, dass es aber Phasen geben wird, in denen es vielleicht nur knapp für die Bank reicht. Hätte er es geschafft, sich in der ersten Elf zu etablieren, hätte sich das an seinem Gehalt bemerkbar gemacht. Aber dass immer der Verein in Vorleistung gehen soll, selbst wenn er Zweifel hat, das kann nicht sein. Es ist ja nicht so, dass er seit zwei Jahren uneingeschränkter Stammspieler ist. Ich kann solche Spieler nicht nach einem halben Jahr auf ein Gehaltsniveau heben, wie es in der Bundesliga üblich ist. Wir wollen nicht wieder das Gefüge durcheinanderbringen und erneut in die Situation kommen, dass wir mit Spielern nicht verlängern können, obwohl es Sinn machen würde.

Glauben Sie, dass es jungen Spielern heutzutage häufiger an gesunder Selbsteinschätzung mangelt?

Bornemann: Die Spieler haben eben einen Markt. Ein Bundesligaverein muss sich ja nicht dafür rechtfertigen, wenn er einen deutschen U-Nationalspieler für eine geringe oder gar keine Ablöse holt. Ob das für den Spieler Sinn macht? Bei Teuchert stelle ich das - zu diesem frühen Zeitpunkt - noch infrage. Aber für Teuchert, Kammerbauer oder Löwen einen Verein in der Bundesliga zu finden, ist erst einmal keine Kunst. Die gehören ja da alle zur günstigen Kategorie, bei der die Vereine sagen: Den gönne ich mir mal und schaue, was passiert. Wir müssen da anders herangehen, wir müssen in viele Spieler investieren und schauen, dass sie uns irgendwann mal helfen - und der Verein später von einem Transfer profitiert.

Bei Teuchert und Kammerbauer profitiert der Verein aber nicht so, wie er es sich vorgestellt hat, oder?

Bornemann: Mag sein, aber wenn ich vier Monate später null Euro bekäme, dann ist jeder Euro, den ich jetzt erhalte, schon mal mehr.

Aber immer noch wenig.

Bornemann: Ja, aber selbst wenn ich die Verträge vorher verlängere, ginge das nur so, wie sich das der Spieler und sein Umfeld wünschen. Also am besten fünf Jahre Sicherheit, aber zu jeder Zeit muss man für ein moderates Fixum Ablöse aus dem Vertrag kommen. Wir müssen abwägen, so auch hier. Wenn wir also am Ende durch eingespartes Gehalt und Ablöse als 1. FCN wieder zwei, zweieinhalb Millionen Euro mehr zur Verfügung haben, um uns nachhaltiger aufzustellen, dann verstehe ich nicht, wie man sagen kann, wir bekommen lächerlich wenig Geld. Das ist Geld, das ich vor zwei Jahren gerne gehabt hätte. Zwischen null und knapp zwei Millionen Euro ist ein ordentlicher Unterschied. Wenn alle auf das Neymar-Geld und so weiter verweisen: Das hat nichts mit unserer Zweitliga-Realität zu tun, wo wir Ishak für 330 000 Euro verpflichten oder Ewerton für deutlich unter einer Million Euro.

Der Club ist chancenlos, wenn ein Bundesligist kommt?

Bornemann: Ja, man muss auch die Gehaltssprünge sehen, die die Spieler machen. Cedric Teuchert hat seinen Verdienst mit dem Wechsel wahrscheinlich vervierfacht. Patrick Kammerbauer würde es ähnlich gehen. Also: Verständnis für alle, die das nicht gut finden und mich eher heute als morgen entlassen wollen würden, aber das kann für mich, der ich die Hintergründe kenne, nicht die Richtschnur meines Handelns sein. Mir braucht keiner kommen und sagen, der Verein ist selbst schuld, weil er den Vertrag nicht rechtzeitig verlängert hat.

Unter anderem Tim Leibold hat Ihnen diesen Rat in einem Interview mit dieser Zeitung gegeben.

Bornemann: Ja, danke. Da habe ich ihm auch gesagt, dass er, wenn er noch ein paar von diesen guten Ideen hat, gerne bei mir mitarbeiten kann. Zumal Leibold im Moment ja auch keine Anstalten macht, durch eine Vertragsverlängerung dafür zu sorgen, dass wir beim nächsten Abgang vielleicht eine dicke Ablöse kassieren.

Es ist also nach Kammerbauer nicht wahrscheinlicher geworden, dass Leibold oder Kevin Möhwald ihre Verträge verlängern?

Bornemann: Nein. 

Fadi Keblawi

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