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Brose Bamberg macht sich auf den Weg zu alter Form

Der Verein zeigt erste Lebenszeichen, die wieder Hoffnung machen - 08.02.2019 11:58 Uhr

Coach Federico Perego muss in Bamberg als Chefarzt agieren und versucht, wieder etwas Ruhe in den aufgeregten Verein zu bringen. © Sportfoto Zink / HMI


Deutschlands Basketballherz. Diesen Beinamen haben sie sich in Bamberg 2016 im Zuge einer Marketingkampagne gegeben und natürlich passte das damals sehr gut. Unter dem leidenschaftlichen Trainer Andrea Trinchieri spielte die Mannschaft mit den attraktivsten Team-Basketball in Europa, die Auftritte in der Bamberger und in der Nürnberger Arena oder eigentlich in jeder Arena, in der die gut geölte rote Maschine mit ihren ebenfalls sehr leidenschaftlichen Anhängern zu Gast war, gerieten reihenweise zum Spektakel – keine Frage: Nirgendwo pumpte die linke Herzkammer mehr Blut in die Hauptschlagader.

Vielleicht war es sogar ein wenig zu viel Blut. Seit einem Jahr hat Deutschlands Basketballherz – um im Bild zu bleiben – eine Muskelentzündung, immer wieder wird der Patient Brose Bamberg von Schüttelfrost geplagt, das Fieber stieg Anfang des Jahres bedenklich.

Chefarzt ohne Doktortitel

Noch unter Trinchieri hatte eine Entfremdung zwischen Mannschaft und Fans begonnen, vor einem Monat erreichte sie unter dessem Nach-Nachfolger Ainars Bagatskis dann ihren vorläufigen Höhepunkt. Seitdem versucht sich Federico Perego daran, den aufgeregten Verein wieder zu beruhigen. Einen Doktortitel hat er nicht, zum Chefarzt wurde er trotzdem befördert, nun muss er Operationen am offenen Herzen durchführen. "Wir haben noch viel Arbeit vor uns, sind aber auf einem guten Weg", sagte er am späten Mittwochabend im Pressekonferenzraum der Bamberger Arena.

Wenige Minuten zuvor hatte seine Mannschaft nebenan den tschechischen Meister Nymburk mit 78:71 besiegt und dabei nach einer holprigen Anfangsphase tatsächlich wie eine Gruppe von Spielern gewirkt, für die sich die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle gerne eine Marketingkampagne ausdenken. "Fortschritte" hatte Patrick Heckmann erkannt und dürfte damit vor allem das gemeinsame Verteidigen gemeint haben, das ab der fünften Spielminute und einem Rückstand von sieben Punkten immer besser wurde. Weil Heckmann, der seit dem Trainerwechsel überall auf dem Feld als echter Anführer auftritt, und Kollegen im zweiten Viertel auch in der Offensive sehr gut zusammen spielten und den Abschnitt mit 27:13 für sich entschieden, konnten sie nach dem Seitenwechsel sogar ein wenig Kräfte sparen. Bereits heute sind sie in der Liga in Weißenfels gefordert.

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Nachdem Brose Bamberg bereits vor dem letzten Gruppenspiel für das Achtelfinale der Basketball Champions League qualifiziert war, erlaubte sich Perego, Topscorer Tyrese Rice zu schonen und auch sonst viel zu experimentieren. "Wir haben heute viel ausprobiert, haben auch mal mit fünf Spielern gespielt, die so noch nie zusammen agiert haben", sagte der Italiener hinterher. Ein durchaus mutiger Schritt, denn im Moment gibt es für Bamberg kein unwichtiges Spiel. Nachdem die Geduld der Anhänger zuweilen arg strapaziert wurde, muss sich die Mannschaft und das Trainerteam an jedem Erfolg aufrichten – selbst wenn der Sieg gegen Nymburk rechnerisch nicht mehr relevant war.

Saisonziel Viertelfinale?

Als einzige deutsche Mannschaft ist Bamberg ins Achtelfinale eingezogen, Bayreuth, Bonn und Ludwigsburg scheiterten in ihren Gruppen an der Qualifikation. Am heutigen Freitag wird gelost, Bamberg könnte in der ersten K.o.-Runde auf Venedig oder die türkischen Vertreter Bandirma oder Besiktas Istanbul treffen.

Das Ziel vor der Saison lautete: Viertelfinale, mindestens. Allerdings hatte das noch der damalige Geschäftsführer Rolf Beyer ausgegeben – in der Annahme Brose Bamberg würde sich nach einer turbulenten Spielzeit wieder auf hohem Niveau stabilisieren.

Daran arbeiten Perego und seine Assistenten nun, welches Potenzial der aktuelle Jahrgang hat, lässt sich immer noch nicht abschätzen. Jünger und hungriger sollte die Mannschaft sein, hatte Aufsichtsratschef Michael Stoschek am Ende der Vorsaison gefordert, zumindest hungriger tritt sie derzeit wieder auf. Maurice Stuckey war gegen Nymburk der ekelhafte Verteidiger, der er an guten Tagen sein kann, Daniel Schmidt organisierte mit Übersicht die Angriffe, sogar der ehemals ungebliebte Ricky Hickman scheint sich langsam wieder ins Zentrum von Deutschlands Basketballherz zurückzukämpfen. Anstelle des lustlosen Stevan Jelovac darf jetzt Arnoldas Kulboka ran, der gedanklich aber immer noch oft einen Schritt zu langsam ist. Der Vertrag mit dem Australier William McDowell-White wurde gestern gleich ganz aufgelöst.

Die Operation am offenen Herzen geht also weiter. Immerhin, der Chefarzt vermittelt wieder Hoffnung. 

Sebastian Gloser Sportredakteur E-Mail

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