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Buric: "In Fürth ist es möglich, etwas zu entwickeln"

Der Kleeblatt-Trainer spricht über Geduld und das alte Rom - 10.11.2018 13:56 Uhr

Kleeblatt braucht Köpfchen: Trainer Damir Buric geht Fürths Weg bedingungslos mit. © Sportfoto Zink / MeZi


NZ: Gratulation Herr Buric!

Damir Buric: Gratulation? Für was?

NZ: Sie haben es geschafft, dem Fürther Fußball wieder eine Seele zu geben.

Buric: Wir haben es geschafft. Wir. Da steckt einiges dahinter. Wir haben die Vorsaison analysiert, Ursachen und unseren Weg gefunden. Wir haben Spieler gesucht, die wir entwickeln können und haben sehr gut gearbeitet. Im Trainerteam und mit Rachid Azzouzi und Martin Meichelbeck. Die sind eine große Hilfe. Es geht darum, was dem Verein gut tut. Das ist ab und zu auch schmerzhaft, aber da geht es nicht um den Einzelnen. Wir haben gewisse Verpflichtungen. Das hat man am letzten Spieltag der letzten Saison gesehen, was da alles daran hängt. Das ist schon ein Rucksack.

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NZ: War das Saisonfinale in Heidenheim Ihr bislang härtester Tag?

Buric: Das war einer der härtesten Tage. Als Spieler und Trainer habe ich schon einige Situationen erlebt. Für mich war dieser Tag eine Verpflichtung, eine Verpflichtung vielen Menschen gegenüber. Dem musst du gerecht werden.

NZ: Eine Verpflichtung für die aktuelle Saison?

Buric: Wir wollten mit aller Macht versuchen, nicht wieder in so eine Situation zu kommen. Entwicklungen erfordern mit dem zweitjüngsten Team in der zweiten Liga Geduld. Vom Trainer und von den Spielern. Unser Ziel ist es, jeden Einzelnen in den unterschiedlichsten Bereichen zu verbessern und die persönliche Entwicklung voranzutreiben.

NZ: Ist es für Sie als Trainer nicht schwer, so viel Geduld aufzubringen, wenn im Fußball doch die kurzfristigen Erfolge zählen?

Buric: Es ist immer wichtig, Geduld zu haben und einen zielstrebigen Weg zu betonen. Wer kontinuierlich und fokussiert arbeitet, wird stabil und erreicht das nächsthöhere Niveau. Dann kannst du als Trainer andere Facetten einbauen, du erreichst Kreativität und kommst als Team weiter. Da wollen wir hin. Das schließt Schwankungen ein. Daher muss man hartnäckig sein und sich nicht blenden lassen. Nicht vom Erfolg, aber auch nicht von Misserfolg.

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NZ: Ein Spiel mit vielen Details . . .

Buric: Betrachtet man Fußball als Bild, besteht es aus tausend Puzzleteilen. Sehr viele Felder muss man abdecken, und nach und nach entsteht das ganze Bild. Das ist nichts anderes als detaillierte, akribische, langfristige Arbeit.

NZ: Nervt es Sie nicht, wenn Sie jetzt schon wissen, dass im Sommer die besten Profis wieder weg sind?

Buric: Natürlich ist das schade, wenn so etwas passiert. Aber was ist schön, und wer kann das ausschließen? Schön ist es auch, wenn sich Spieler daran erinnern, wer ihnen weitergeholfen hat. Und wenn Geld fließt, profitiert der Verein. Da gibt es einige Gewinner. Als Trainer nur bedingt. Aber du bist als Trainer andererseits auch nicht immer das, was die Tabelle aussagt. Daumen hoch oder runter wie im alten Rom, das ist es doch nicht. Wesentlich ist, dass die Leute aus deinem Umfeld wissen, wie du arbeitest. Das ist die beste Bewertungsgrundlage.

 

NZ: Können Sie sich mit dem Fürther Geschäftsmodell – billig holen und teuer verkaufen – anfreunden?

Buric: Man muss den Markt realistisch analysieren, in welche Richtung alles geht und wo wir uns befinden. Da geht es um Fakten und nicht darum, was Fans gerne hören möchten. Als Verein musst du kreativ sein, etwas anderes machen als die meisten anderen. Wir sichten in Teichen, in denen sonst niemand fischt. Da ticken Manager Rachid Azzouzi und ich vollkommen gleich.

NZ: Und mit diesem Weg der kleinen und unkonventionellen Schritte können Sie sich identifizieren?

Buric: Ich trage das voller Überzeugung mit. Für mich ist es wichtig, mit welchen Menschen ich arbeite. Hier in Fürth habe ich eine sehr gute Arbeitsatmosphäre. Mit einer Mannschaft mit unglaublichem Willen und großer Eigenmotivation. Keine Stars, bei denen wichtig ist, wer mit welchem Auto kommt und seinen freien Tag in welcher Stadt verbringt. Ich komme mit großer Lust zur Arbeit und gehe mit einem Lächeln. Man muss die Nähe zum Verein entwickeln, muss Menschen verstehen und sich bestimmten Situationen anpassen. Als Trainer entscheidest du dich, ob du den Weg mitgehst oder nicht.

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NZ: Gehen Sie den nun eingeschlagenen Fürther Weg mit?

Buric: Ja klar. Wir wollen eine klare Identität haben. Unser Weg beginnt im Nachwuchsleistungszentrum und endet bei den Profis. Hier wissen junge Spieler, dass sie spielen. Es ist vielleicht kein großer Name wie Köln, HSV oder St. Pauli, aber es ist ehrlich. Ich vergleiche das mit Freiburg: Du kannst Spieler nicht holen, weil du viel Geld hast, sondern weil du etwas anderes bietest. Das ist ein guter Weg, den wir auch gehen sollten. So kommst du auch zum Ziel.

NZ: Nur fehlte die Kontinuität, auch auf der Trainerposition. Mike Büskens war der letzte Coach, der längere Zeit in Fürth arbeiten durfte. Haben Sie hier langfristige Ziele?

Buric: Als Trainer denke ich an harte Arbeit über einen langen Zeitraum. Für mich ist Ihre Frage aber eine Bestätigung. Wer an Mike Büskens denkt, denkt an Erfolg, den Aufstieg. In Fürth ist es möglich, etwas zu entwickeln.

NZ: Ihr Anteil ist nicht ganz so klein. Ist es nicht für beide Seiten wichtig, Planungssicherheit zu haben?

Buric: Was soll ich jetzt darüber reden? Ich kann bis Ende der Saison auch ohne Vertragsverlängerung arbeiten. Was ist wichtig? Aus voller Überzeugung tagtäglich gute Arbeit abzuliefern. Alles andere beschäftigt mich nicht und thematisiere ich nicht. Die Leute um mich herum machen mich stark. Ich bin nur ein Puzzleteil.

NZ: Planungen mit dem Trainer abzustimmen, ist elementar. So unwichtig ist der Trainerposten nicht . . .

Buric: So wie wir es jetzt machen, ist es gut. Wir haben einen tollen Stab mit vielen guten Mitarbeitern. Wir sind gut aufgestellt, ein richtig gutes Team. Da muss man nicht über mich reden. Wesentlich ist das Spiel am Sonntag bei Union Berlin.

NZ: Muss Ihre Mannschaft da mehr Geduld haben als zuletzt? Auch mit sich selbst?

Buric: Du bist jung, aggressiv, willst schnell den Erfolg sehen. Aber nicht immer ist der erste Pass, die erste Idee das Beste. Sei geduldig, bereite das besser vor, hab’ den zweiten oder dritten Spielzug im Kopf. Das ist ein Prozess. Da muss vieles zusammenpassen. Wenn wir alles könnten, würden unsere Spieler alle höherklassig spielen. 

Florian Pöhlmann

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