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Club: Das kleine Fußballmärchen aus 1001 Tagen

Dieter Hecking hat beim 1. FC Nürnberg den nächsten persönlichen Meilenstein erreicht - 18.09.2012 06:59 Uhr

Zwar spielte seine Mannschaft in Gladbach eine gute Partie, alles hat Trainer Dieter Hecking dennoch nicht gefallen. © Sportfoto Zink


Auch an seinem 1001. Tag in Diensten des 1. FC Nürnberg hatte Dieter Hecking nur ein bisschen frei. Gestern Abend durfte er im Bayerischen Fernsehen auftreten, es ging fast eine halbe Stunde nur um ihn und seinen Club. Sogar ein aktueller Beitrag über Dirk Nowitzki musste warten.

Das war auch schon mal anders in „Blickpunkt Sport“. Vor rund 21 Monaten wurde erst Bayerns damaliger Ersatztorwart Hans-Jörg Butt ausführlichst interviewt, irgendwann danach kam kurz noch Hecking dran.

Es könnte also sein, dass der 1. FC Nürnberg nunmehr etwas anders wahrgenommen wird. Oder sein Trainer, so ganz genau lässt sich das nicht sagen. Obwohl es Hecking wirklich verdient hätte. Denn er leistet sehr gute Arbeit in Nürnberg, wie nicht nur diverse Statistiken belegen.

Besonders seine Erfolgsquote kann sich sehen lassen. Knapp 1,31 Punkte holte er im Schnitt pro Partie, womit er nur noch knapp hinter Hans Meyer (1,36) rangiert in der Bestenliste des Vereins. Nach dem 34. Spieltag wäre er zudem Nürnbergs Trainer mit den meisten Bundesligaeinsätzen, seit Samstag hat er 88. Hecking ist dabei, Geschichte zu schreiben beim fränkischen Traditionsverein, den er nach dem geschafftem Klassenverbleib 2009 mit Weitsicht und Akribie nach oben führte. Was klingt wie ein Fußballmärchen aus 1001 Arbeitstagen.

Am späten Freitagabend könnte seine Mannschaft sogar für eine Nacht die Tabellenführung übernehmen, mit einem Heimsieg gegen die ebenfalls furios gestarteten Frankfurter. Es wäre nicht mehr als eine ebenso schöne wie vergängliche Momentaufnahme, die Hecking aber ausgesprochen reizt. Nicht nur, weil sein 1. FC Nürnberg danach bereits zehn Punkte hätte. Ein bisschen eitel ist der Trainer schließlich auch; vorübergehend ganz oben zu stehen, wäre für ihn eine kleine Genugtuung nach fast zweidreiviertel Jahren, in denen er sich von den überregionalen Medien nicht durchweg fair behandelt fühlte. Wenn überhaupt.

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„Fast nur Höhen“

Respekt sollte man so oder so haben vor seiner Aufbauleistung und Talentförderung. „Eine sehr intensive Zeit mit fast nur Höhen“ liege hinter ihm und seinen Fußballern, findet Hecking, „der gesamte Verein hat eine sehr gute Entwicklung genommen.“ Vom ewigen Abstiegskandidaten hin zum soliden Mittelklasseclub, der hin und wieder auch zauberhaften Fußball zeigen kann. Das 3:2 in Mönchengladbach war eines der besten Auswärtsspiele unter Hecking. Und immerhin schon der 14. Auswärtssieg.

Es läuft mal wieder besser, als von vielen erwartet. Auch dank Hecking, der keinerlei Nachlässigkeiten duldet. Als sich die Profis und ihr Chef am Samstag nach dem Treffer zum 3:2 für einen Moment zum gemeinsamen Feiern an der Seitenlinie trafen, ging er plötzlich mit hochrotem Kopf auf Javier Pinola los. Schickte ihn sogar weg — begleitet von dem brüllend vorgetragenen Hinweis, doch jetzt bitte mal seine linke Abwehrseite unter Kontrolle zu bringen.

Der nette Herr Hecking kann auch anders, wenn ihm etwas nicht gefällt. Wie die fränkische Eigenart, stets mit dem Schlimmsten zu rechnen. Gerade beim Club. „Das“, sagte Hecking, „werde ich auch in den nächsten 1000 Tagen nicht mehr ändern.“ 

VON WOLFGANG LAASS

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