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Club-Geflüster: Schäfer sprintet, ein Schalker nervt

Traurige und schöne Nachrichten vom FCN: Uli Digmayer denkt nach - 15.03.2017 11:30 Uhr

Ob sich Raphael Schäfer bei Referee Lasse Koslowski in Sachen der Echtheit des Schiedsrichter-Namens erkundigen wollte, ist nicht überliefert. Fakt ist: Nürnbergs Torwart-Oldie ist nach wie vor gut zu Fuß. © Sportfoto Zink / DaMa


Wer wird vermisst? Heino Hassler. Der plötzliche Tod der Nürnberger Nordkurven-Legende schockierte Verein und Fanszene. Beim Heimspiel gegen Arminia Bielefeld gedachten die Zuschauer Hassler vor dem Anpfiff mit einer Applausminute. Und trösteten sich später mit der Vorstellung, der Heino werde schon bestimmt irgendwo da oben gemeinsam mit dem Leierkastenmann Walter Birkner und Platzwart Konni "Vestus" Vestner auf einer rot-schwarzen Wolke sitzen und den 1:0-Sieg seines FCN bejubeln.

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Noten für den FCN: Ein Streitfall beim Wiederbelebt-Club

Durchatmen, endlich wieder gewonnen! Gegen Arminia Bielefeld holt der 1. FC Nürnberg nach zuletzt vier sieglosen Spielen wieder drei Punkte - und zudem den ersten Heimsieg des Jahres. In Spiel eins unter Michael Köllner war der FCN die deutlich aktivere Mannschaft und schlug Bielefeld verdient. Die Noten sind ordentlich. Bei einem Spieler sind sich allerdings unsere Redaktion und die des kicker uneinig.


Mitarbeiter der Woche: Raphael Schäfer. Eigentlich wollte der Torhüter seine letzte Saison als Fußballprofi ja ganz gemütlich auf der Ersatzbank ausklingen lassen. Weil sich Thorsten Kirschbaum im Training verletzte, musste sich der rüstige Fast-Rentner nun doch noch einmal zwischen die Pfosten rollen lassen - und bewies in seinem 99. Zweitliga-Spiel, dass nach wie vor auf ihn Verlass ist. Noch beeindruckender als die Glanzparade in der 75. Minute war allerdings Schäfers Usain-Bolt-würdiger Zwei-Sekunden-Sprint bis zur Mittellinie, um Schiedsrichter Lasse Koslowski höflich auf die Fälligkeit einer Roten Karte hinzuweisen. Fast hatte man diese spontanen Ausflüge schon vermisst.

Nervensäge der Woche: Guido Burgstaller. Natürlich gönnen wir dem "Burgi" den späten Ruhm von Herzen. Aber muss er uns denn wirklich permanent daran erinnern, was für einen formidablen Stürmer man da in der Winterpause gen Gelsenkirchen ziehen ließ? Sechs Pflichtspieltore hat der Kärntner für Schalke bereits erzielt, nun winkt dem 27-Jährigen auch noch das ersehnte Comeback in Austrias Auswahl. Wäre Alois Schwartz noch da, er würde gewiss leise weinen.

Wenn das letzte Spiel ein Kinofilm gewesen wäre, hieße es: "Die Mumie kehrt zurück" (Zumindest stellte sich der ungefähr 237 Jahre alte Torhüter Ramses, äh, Raphael Schäfer so den Journalisten in der Mixed Zone vor)

Spruch der Woche: "Ich habe gar nicht gewusst, mit wem ich alles in die Schule gegangen bin..." (Interimscoach Michael Köllner zur Flut an teils etwas überraschenden Glückwünschen, die ihn nach seiner gelungenen Zweitliga-Premiere erreichten)

Lügt die Tabelle? Betrachtet man den sonntäglichen Auftritt von Arminia Bielfeld, wohl eher nicht. Die erschreckend harmlosen Ostwestfalen geben zweifellos ein würdiges Schlusslicht ab. Und was den Club betrifft, verweisen wir einfach - analog zur gern hervorgekramten Fürther "Radoki-Tabelle" - auf die "Köllner-Tabelle". Mit dem aktuellen Punkteschnitt des neuen Trainers wäre Nürnberg nämlich souveräner Spitzenreiter.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Was soll besser werden? Eine Halbzeit lang ließ der Club gegen Bielefeld einen spielerischen Aufwärtstrend erahnen, ehe man nach der Pause wieder in alte Verhaltensmuster verfiel und eher rustikalen Bolzplatzcharme versprühte. "Verlustangst" hatte Köllner nach dem Führungstreffer bei seinen Schützlingen diagnostiziert, deshalb will der resolute Oberpfälzer mental den Hebel ansetzen. In die Köpfe der Spieler müsse nun „das Gefühl hinein, dass sie eher was zu gewinnen haben“. Zum Beispiel drei Punkte in Berlin. Und vielleicht darf man ja schon am Montagabend in der Alten Försterei wieder die "Geburt einer neuen Mannschaft" (© 2014 by V. Ismaël) erleben.

Boykottierte Verbesserung

Und sonst so? Nürnbergs Ultras, so war zu hören, haben aus Protest gegen die nicht mehr ganz so kuschelkursige Vereinsführung bis auf Weiteres "jegliche optische Unterstützung" im Stadion eingestellt. Die Mannschaft scheint dieser Boykott in ihrer Leistungsfähigkeit allerdings nicht wirklich beeinträchtigt zu haben. Sie gewann gegen Bielefeld. Auch ohne Fähnchen.

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Ganze zwölf Wochen und einen Trainerwechsel hat es gebraucht, bis der 1. FC Nürnberg seinen eigenen Fans wieder einen Heimsieg servierte. Beim 1:0 gegen Arminia Bielefeld war es dann so weit - auch, weil der Club wieder kreativer agierte als zuletzt.


 

Uli Digmayer

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