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Club im Trainingslager: Knöll setzt die Etablierten unter Druck

FCN-Trainer sagt: "Am Ende geht‘s darum, wer die Box am besten attackiert" - 10.01.2019 05:32 Uhr

Er ist einer der ganz großen Hoffnungen für die Club-Rückrunde: Törles Knöll. © Sportfoto Zink / DaMa


"Die Gesetze der Gewinner" hat Törles Knöll zwar noch nicht ganz durch, versucht aber trotzdem, sich daran zu orientieren. Das erste in diesem Buch abgehandelte Gesetz zum Beispiel fordert einen auf, nicht lange nachzudenken, sondern zu handeln, Entscheidungen zu treffen. Eigentlich keine schlechte Idee.

Auch seinen Kollegen in der Offensivabteilung des 1. FC Nürnberg würde man hin und wieder etwas mehr Spontanität und Zielstrebigkeit wünschen. In den elf Spielen ohne Sieg seit Ende September wirkten die Stürmer häufig zaghaft, wenngleich es nicht selten an Unterstützung mangelte. "Wir haben halt keinen, der von der Mittellinie losläuft, fünf Mann ausspielt und den Ball dann reinhaut", sagt Michael Köllner.

"Am Ende geht‘s darum, wer die Box am besten attackiert"

Törles Knöll immerhin gefällt es auch in Benahavis, sich für die Gruppe zu zerreißen, was ihn wieder ein Stück näher an die begehrten Plätze heranrücken lässt."Am Ende geht‘s darum, wer die Box am besten attackiert, Törles macht das einfach gut", findet Köllner. Vielleicht auch, weil er mit der richtigen Einstellung an seinen Job herangeht.

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Der Sommer-Zugang hat bereits in der A-Jugend die Esoterik für sich entdeckt. Positives Denken und so, gerade in schweren Zeiten, wenn es vielleicht mal nicht so läuft wie gewünscht. Sein berufliches Motto lautet deshalb: Einfach drauflos und immer alles geben, egal in welcher Position: "Damit ich mir hinterher nichts vorwerfen kann."

"Ich muss zufrieden sein"

Aktuell ist er so etwas wie die Nummer 3 b, hierarchisch einzustufen nicht mehr weit hinter Mikael Ishak und Virgil Misidjan, jedoch praktisch gleichauf mit Adam Zrelak Und er heizt den Etablierten kräftig ein. Der Zeitpunkt ist ja ideal für eine sportliche Kampfansage; lediglich sechs der 14 Hinrundentore gehen auf das Konto der vier nominellen Angreifer.

Törles Knöll, so glaubte man jedenfalls nach seinem furiosen Auftritt gegen Hannover 96, könnte da vorn dauerhaft für Betrieb sorgen. Einen Treffer beim 2:0 hatte er nach seiner Einwechslung in der 73. Minute selbst erzielt, den anderen entscheidend vorbereitet. Ein "Riesen-Antrieb" sei das für ihn gewesen, künftig "noch mehr zu machen", "viel befreiter und selbstbewusster" habe er sich gefühlt nach seiner Gala im zweiten Heimspiel.

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Danach aber wurde es ruhig um den 21-Jährigen, der im Sommer aus der Regionalliga-Vertretung des HSV nach Nürnberg gewechselt war, um Bundesliga-Fußball zu lernen. Weil er keine übertrieben hohen Erwartungen hatte an seiner ersten Monate beim Aufsteiger, würde er seiner persönlichen Vorrunde schon eine Zwei geben, wobei, "es hätte besser laufen können“, sagt Knöll. In beiden Wettbewerben insgesamt elf Einsätze, zwei Startelf-Nominierungen gegen Frankfurt und in Rostock, ein Tor, ein Pfostenschuss. "Ich muss zufrieden sein."

Knöll verbessert sich enorm

Nicht nur die Gesetze der Gewinner verlangen es so von ihm. Seine innere Unzufriedenheit, als er zwischen dem zwölften und 15. Spieltag nicht zum Aufgebot gehörte, wandelte er trotzig in neue Energie um. Für seinen Kopf war es dennoch schwer, sich mit der viermaligen Nicht-Berücksichtigung zu arrangieren. Immerhin war er in der November-Pause als U21-Nationalspieler zu seinem Verein heimgekehrt. Und als gefeierter Torschütze beim Debüt gegen die Niederlande. Sein Auswahltrainer Stefan Kuntz schwärmte hernach ein bisschen vom gebürtigen Dieburger und von seinem Torinstinkt, sein Vereinstrainer jedoch verwies knallhart auf den internen Konkurrenzkampf. Knöll musste sich wieder ganz hinten anstellen, "das war natürlich eine schwierige Situation für mich“, sagt er auf der Terrasse des Mannschaftshotels. Er hinterfragte sich und reflektierte seine Leistung, las Bücher – und kam zu dem Schluss: "Höhen und Tiefen gehören zum Leben."

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Aktuell befindet er sich irgendwo dazwischen, Tendenz steigend, gegen Zwolle glückte ihm das 1:0; Knöll spürt, dass er sich bereits in den ersten sechs Monaten Nürnberg enorm verbessert hat. Technik, Ballmitnahme, Cleverness, "auf engem Raum bin ich viel agiler als früher", glaubt er, allen Widrigkeiten zum Trotz. Der Stolz auf das bislang Erreichte spornt ihn an – und der Wunsch, "dass man da wieder hinkommt".

Nicht morgen oder übermorgen, aber, wer weiß, vielleicht schon in zwei, drei Wochen. "Langsamer Fortschritt ist auch nachhaltiger", behauptet Törles Knöll, "deshalb muss man in dem Business nur geduldig sein.“ Vielleicht sollten sie "Die Gesetze der Gewinner" beim Club als Pflichtlektüre einführen. 

Wolfgang Laaß

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