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Club-Krise: Schommers fordert mehr Effektivität

Der Systemwechsel unter dem neuen Trainer ist noch nicht profitabel - 05.03.2019 06:00 Uhr

Imterimscoach Boris Schommers bleibt positiv und findet weiterhin aufbauende Worte für seine Mannschaft. © Sportfoto Zink / WoZi


Am Ende war alles wie immer. In der Nordkurve des Max-Morlock-Stadions warteten noch ein paar Fans, um den Spielern des 1. FC Nürnberg Mut zuzusprechen. Die standen derweil noch auf dem Platz, Arm in Arm und lauschten ihrem Trainer, der ihnen noch ein paar positive Gedanken mit auf den Weg gab. Man hat das so schon etliche Male gesehen in dieser Saison, die Bilder gleichen sich, die Ergebnisse dummerweise auch.

Der 1. FC Nürnberg hatte ja vor allem wieder einmal verloren, diesmal 0:1 gegen Leipzig, weshalb auch die Presseschau am Montag nichts für zarte Gemüter war. "Club schlechter als Fürth", titelte die Bild-Zeitung. "Leipzig reichte eine solide, aber uninspirierte Leistung, um eine bemühte, aber limitierte Nürnberger Mannschaft zu schlagen", konstatierte der kicker. Und die Süddeutsche Zeitung stellte über die nun seit 18 Spielen sieglose Mannschaft fest: "Sie spielt entsprechend ihren Möglichkeiten - wie eine gute Zweitliga-Mannschaft."

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Dass sie womöglich genau das nur sind, eine gute Zweitliga-Mannschaft, diese Ahnung hatten sie beim 1. FC Nürnberg schon vor Saisonbeginn. Als das dann von der Realität bestätigt wurden, sind sie am Valznerweiher in jene Muster verfallen, die man von überforderten Erstliga-Mannschaften kennt und haben den Trainer rausgeschmissen. Michael Köllner wollte sich diese Liga im Sturm aneignen, merkte irgendwann, dass das nicht funktioniert, wurde dann schwankend mit Blick auf seine Spielidee, was auch kein wirklich gutes Bild abgab.

 

Sein Nachfolger Boris Schommers steht dagegen sehr felsenfest zu seiner Idee, wie sich eine gute Zweitliga-Mannschaft unter Erstligisten zu verhalten hat: defensiv. 20 Torschüsse gab der Club in den drei Partien unter Schonmers’ Anleitung ab. Wobei das eine sehr wohlwollende Zählweise ist, weil man sich an zum Beispiel sieben Torschüsse in der Partie gegen Leipzig auch unter größter Anstrengung nicht zu erinnern vermag.

Nette Worte, triste Bilanz

Ist aber auch egal, weil ihnen all die Torschüsse sowieso wenig bringen. Ein einziger Treffer ist ihnen in diesen drei Partien gelungen, wozu allerdings auch sehr viel Glück und das mitunter einzigartige Talent Eduard Löwens nötig waren. Immerhin haben sie in diesen drei Spielen auch nur drei Gegentore quittieren müssen, was aber dennoch reichte für zwei Niederlagen und ein Remis und angesichts des extrem defensiven Ansatzes vielleicht doch etwas zu viel ist. Irgendwann findet sich für den Gegner immer die Lücke, die die Nürnberger ihrerseits meist vergeblich suchen. Der Club im März 2019 ist nur noch bedingt angriffsfähig und bedingt abwehrbereit.

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Wie es besser werden könnte? "Wir müssen effektiver werden", sagt Schommers. Eine gute Idee, nur auf die Umsetzung darf man jetzt schon einigermaßen gespannt sein. Effektiv waren die Nürnberger ja unter Köllner durchaus hier und da, allerdings zu häufig auf Kosten der von Schommers derzeit verordneten Stabilität in der Defensive. Würden die Nürnberger einen erfolgversprechenden Mittelweg noch in dieser Saison finden, käme das einem kleinen Wunder gleich. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass sie ab dem Sommer wieder beweisen dürfen, dass sie tatsächlich eine gute Zweitliga-Mannschaft sind.

Ganz so weit sind sie beim Club aber nicht. Deshalb hat Schommers auch nach der Niederlage gegen Leipzig wieder nette Worte gefunden: "Ich habe der Mannschaft meine positiven Gedanken mitgeteilt: Sie machen viele Sachen richtig, gehen aber mit leeren Händen nach Hause", sagte Schommers über seine Ansprache im Spielerkreis.

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Nach dem Spiel gegen Leipzig war bei den Fans großes Rätselraten über die Gelbe Karten angesagt. Die Club-Gemeinde fällt ein deutliches und nicht überraschendes Urteil zum Kartenspiel des Schiedsrichters. Der vergebene Standard des Kapitäns und der kassierte Standard zum 0:1 geben den Cluberern den Rest.


Dass sie so viele Sachen in dieser Saison noch nicht richtig gemacht haben, lässt die Tabelle erahnen. Doch die versuchen sie jetzt erst einmal zu ignorieren. "Wir müssen erst einmal auf uns schauen, unsere Hausaufgaben machen - dann können wir schauen, welche Auswirkungen das hat", sagt Schommers. An diesem Wochenende hatte ihr Tun und das der anderen dazu geführt, dass der Abstand auf den Relegationsplatz noch einmal angewachsen war. Alles war also noch ein bisschen schlimmer als sonst. 

Fadi Keblawi

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