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Club-Neuzugang: Darum hat Misidjan Ärger mit dem Gesetz

Niederländer soll einen 68-Jährigen nach einem Streit verletzt haben - 01.09.2018 07:38 Uhr

Club-Neuzugang Virgil Misidjan bringt nicht nur seine exzellenten Fähigkeiten als Flügelstürmer, sondern auch eine Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung mit nach Nürnberg. © Ian Langsdon/dpa


Der Vorwurf wiegt schwer: Virgil Misidjan soll nach einem Streit einen 68-Jährigen getreten und dabei verletzt haben. Eine doppelte Fraktur des linken Knöchels sowie eine schwere Verletzung am Ellenbogen soll der Fußball-Profi seinem Opfer, Ron van A., zugefügt haben. Mit seinem Wechsel zum 1. FC Nürnberg bringt der Flügelstürmer diese schwere Last nun auch mit nach Nürnberg.

Über die fußballerischen Qualitäten des 25-Jährigen lässt sich kaum streiten. "Vura", wie Misidjan sich selbst nennt, galt in den Niederlanden als talentierter Angreifer und überzeugte schon in jungen Jahren bei Willem II, einem Klub aus seiner Heimat, der Provinz Nordbrabant. Mit 20 Jahren wechselte Misidjan nach Bulgarien zu Ludogorez Rasgrad und entwickelte sich dort zu einem Spieler, der auch auf internationalem Parkett zu überzeugen wusste.

Anwalt plädiert auf Selbstverteidigung

Doch zuletzt schwebte ein eskalierter Streit mit erheblichen Folgen über der Karriere des Niederländers. Anfang Januar parkte der Fußball-Profi seinen Audi an einem Freitagabend in der Einfahrt des 68-jährigen Ron van A. Die kleine Auseinandersetzung über ein falsch abgestelltes Fahrzeug wurde schnell zum handfesten Streit.

Ein Bekannter Misidjans, der beim Streit in Roosendaal mit dabei war, betont, dass der 68-Jährige den Fußballer zuerst schubste und diskriminierend beleidigte, wie die Lokalzeitung BN DeStem berichtet. "Es gibt mehrere Zeugenaussagen die besagen, dass mein Klient sich nur selbst verteidigte", erklärt Misidjans Anwalt Noortje Lut. Die Frau des Opfers widerspricht. "Mein Ehemann hat nur höflich darum gebeten, das Auto wegzufahren. Der Täter gab seinem Bekannten seine Brille und lief auf Ron zu, um ihn niederzutreten", berichtet sie BN DeStem gegenüber.

Sechs Monate Haft

Eine Darstellung, der wenig später auch ein Gericht Glauben schenkte. Der Richter verurteilte den Fußball-Profi zu sechs Monaten Haft, zwei davon mit Auflagen, sowie einer zweijährigen Bewährung. "Als Fußballer hätte er wissen müssen, wie er seine Tritte dosiert", erklärte das Gericht nach dem Urteil - geht aber auch davon aus, dass die Schwere der Verletzung nicht vorsätzlich herbeigerufen wurde.

Weder das Opfer, noch der Täter erschienen beim Gerichtstermin im Mai. Van A. blieb fern, weil er physisch noch nicht bereit gewesen sei. Dass Misidjan hingegen fernblieb, missfiel vor allem dem Sohn des Opfers. "Jeder hier spricht von Karriere und Geld", wütete Steven van A. beim TV-Sender Omroep Brabant, "während mein Vater in einem Bett halb verrottet". Die Familie sei seit dem Vorfall kaputt, gibt auch Rons Ehefrau zu.

Misidjan ging in Berufung

Im Internet kursieren Fotos der schweren Sprunggelenksverletzung, die ahnen lassen, wie massiv die Wucht der Tritte gewesen sein muss. Der 25-jährige Club-Neuzugang war mit dem Urteil nicht einverstanden und ging in Berufung. "Gegenwärtig läuft in der niederländischen Heimat von Virgil Misidjan ein Berufungsverfahren zu einem Urteil wegen Körperverletzung. Wir bitten um Verständnis, dass sich sowohl Verein als auch Spieler dazu nicht äußern werden", hing der FCN als unscheinbaren Zusatz an die Vollzugsmeldung auf der Vereinshomepage.

Die Entscheidung, ob der Fußballer die Haft in den Niederlanden antreten muss, liegt nun in den Händen von Richtern - und könnte auch mit ein Grund sein, warum der chronisch klamme Club einen Spieler dieses Formats überhaupt bekommen hat. 

ama

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