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Club-Profis ließen im Derby Leidenschaft vermissen

Emotionen erst nach dem Abpfiff - 22.12.2011 08:00 Uhr

„Ich weiß auch nicht, woran es heute gelegen hat“, stammelte also jener Didavi, der seine Elf zumindest noch in die Hoffnung spendende Verlängerung hätte retten können. Doch als Stuttgarts Leihgabe in der 79. Minute den Ball geistesgegenwärtig über die Linie des Fürther Gehäuses drückte, wollte Knut Kircher vorher eine regelwidrige Aktion von Albert Bunjaku entdeckt haben. „Eine klare Fehlentscheidung. Wenn er sowas abpfeift, kann er auch dreimal für uns Elfmeter geben“, jammerte Didavi, ahnte aber wohl, dass eine Schiedsrichterschelte nach dieser blamablen Vorstellung gegen einen dezimierten Zweitligisten dezent alibimäßig gewirkt hätte.

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Auch Trainer Dieter Hecking hielt sich bei der Bewertung jener hitzig diskutierten Szene lieber zurück: „Ich habe gehört, es war eine sehr harte Entscheidung. Aber das muss man dann eben auch akzeptieren.“ An der Mimik des Westfalen lässt sich selten ablesen, ob ein Spiel gerade gewonnen oder verloren wurde. Hecking neigt im Erfolgsfall nicht zu überschäumender Euphorie und bei Rückschlägen nicht zu tiefster Depression.

Am Dienstagabend aber wirkte der 47-Jährige auf dem Podium irgendwie angeschlagen. Vielleicht, weil ihm bewusst geworden war, welch fatalen Imageschaden samt Stimmungsumschwung diese historische Pleite gegen den benachbarten Erzrivalen angerichtet hat – vom finanziellen und sportlichen Aspekt des Pokal-K.o.’s ganz abgesehen. Vielleicht aber auch, weil er längst spürte, dass seine Strategie diesmal nicht aufgegangen war.

Etwa die Idee, Timothy Chandler als Linksverteidiger auszuprobieren. Noch vor kurzem hatte Hecking derlei Planspiele verworfen mit dem Hinweis, dass der pfeilschnelle Defensivmann diese Rolle im US-Nationalteam ja mit eher durchwachsenem Erfolg interpretiere. Im Club-Trikot war Chandlers Leistung nicht einmal durchwachsen, der überforderte 21-Jährige entpuppte sich vielmehr als kapitale Fehlbesetzung.

Geschuldet war dieses misslungene Experiment der internen Erkenntnis, dass Marvin Plattenhardt, dem ebenfalls selten überzeugenden Vertreter des verletzten Javier Pinola, zuletzt „die Frische fehlte“, wie Hecking erklärte. Zudem wollte der Coach offenbar den beim 3:0 in Leverkusen als Rechtsverteidiger überzeugenden Markus Feulner nicht opfern. Feulner dankte dem Trainer das Vertrauen genauso wenig wie etliche seiner Kollegen, die nie an die Bravourleistung in der BayArena anknüpfen konnten. Konstanz als Fremdwort – ein Problem, das diese Saison ähnlich beharrlich begleitet wie die kollektive Verunsicherung bei Rückschlägen in Form von Gegentoren.

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Was nachdenklich stimmte, war Heckings kritische Anmerkung, seine Mannschaft hätte in der ersten Halbzeit zum Teil die nötige Leidenschaft vermissen lassen und wäre nie richtig in die Zweikämpfe gekommen. Nur zur Erinnerung: Es war kein vorweihnachtlicher Benefizkick, sondern ein Achtelfinale im DFB-Pokal, der Gegner hieß nicht etwa FSV Frankfurt, sondern Fürth. Wer hier persönliche Motivationsprobleme verrät, sollte vielleicht über eine berufliche Neuorientierung nachdenken.

Erst nach einer Pausenpredigt sei es gelungen, so Hecking, „mehr Gift und Galle ins Spiel zu bringen“. Das setzte sich auch später fort, als Didavi & Co. auf dem Weg in die Kabine mit Kollegen des „Kleeblatts“ aneinandergerieten. „Nach so einem Spiel gehen die Emotionen hoch“, gestand Didavi kleinlaut, „und manchmal überreagiert man eben.“ Eine Reaktion sollten Nürnbergs Fußballer vielleicht auch im neuen Jahr zeigen. Dann aber auf dem Platz. 

Uli Digmayer

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