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Club-Trainer Köllner und Schommers schielen auf WM-Spieler

Das Wichtigste aus dem Interview beim WM-Podcast zusammengefasst - 27.06.2018 13:14 Uhr

Club-Coach Michael Köllner (li.) und Co-Trainer Boris Schommers haben im Podcast "Liebesgrüße aus Nürnberg" über die WM, den Club und mögliche Neuzugänge gesprochen. © Sportfoto Zink / DaMa


Meine Herren, welcher war denn Ihr bislang emotionalster Moment bei dieser WM?

Michael Köllner: Fang du an.

Boris Schommers: Natürlich die 94. Minute gegen Schweden. 

Köllner: Da schließ‘ ich mich ausnahmsweise mal meinem Co-Trainer an. 

Wie läuft Ihr Jubel nach so einem Tor ab?

Köllner: Ich war relativ entspannt. Natürlich freut man sich. Aber meine Nacht davor war relativ kurz, deshalb bin ich am Samstag auch etwas früher ins Bett.

Schommers: Wir sind in diesem Jahr schon so oft gesprintet, als wir tolle Tore erlebt haben. Deshalb kann man die WM-Spiele etwas gelassener sehen. 

Schaut man sich als professioneller Trainer alles an?

Schommers: Ich muss gestehen, dass ich bis jetzt relativ wenig von der WM mitbekommen habe, weil man in der Urlaubszeit auch andere Sachen erledigen musste. Jetzt, zurück in Nürnberg, beim Club, auf der Arbeit, werde ich auch mehr schauen können.

Köllner: Ich hab‘ schon ziemlich viele, fast alle Spiele gesehen. Manchmal auch nur mit einem Auge. Es interessiert mich natürlich auch, was da passiert, verfolge es aber auch ein Stück weit als Fan, freue mich, ärgere mich. Meistens ärgere ich mich, weil ich an einem Kick-Tipp teilnehme und am Anfang richtig schlecht war. Mittlerweile hab‘ ich mich ins gesicherte Mittelfeld vorgearbeitet.


+++ Den kompletten Podcast gibt es hier zu hören +++


Wir wollen über die WM reden, aber natürlich auch über den 1. FC Nürnberg. Mit ein paar Wochen Abstand: Wie fühlt sich so ein Aufstieg an?

Köllner: Ich hab‘s verdaut, aber es ist immer noch etwas Besonderes, weil der Aufstieg überraschend kam. Das war so nicht geplant. 

Fallen die Leute in Nürnberg immer noch auf die Knie? 

Köllner: Das wäre zuviel des Guten. Aber man merkt schon, dass wir die Menschen in der Region und in der Stadt und allen, die mit dem Verein in irgendeiner Beziehung stehen, ganz ganz glücklich gemacht haben. Uns ist etwas Außergewöhnliches gelungen. Die Mannschaft hat einfach eine Riesensaison gespielt. Was man sich vorher gewünscht hat: Eine junge Mannschaft zum Anfassen, Gesichter, die für diesen Club stehen, diesen Club repräsentieren, all das ist uns in kurzer Zeit gelungen. 

Am Dienstag ist Trainingsauftakt. Direkt gefragt: Wie sieht es mit weiteren Zugängen aus?

Köllner: Unser Auftakt ist mitten in die WM rein, das erschwert ein bisschen die Planung, weil man sich ja so viel wie möglich anschauen möchte. Mit Christian Mathenia haben wir bereits einen erfahrenen Torwart verpflichtet, es war wichtig, uns auf dieser Postion wieder top aufzustellen. Törles Knöll und Kevin Goden sind zwei junge, entwicklungsfähige Spieler, ein dritter kommt jetzt hoffentlich in den nächsten Tagen dazu. Wir bauen aber natürlich auch auf die Spieler, mit denen wir aufgestiegen sind. Eduard Löwen hat unterschrieben und auch Lukas Mühl, dessen Vertragsverlängerung in diesen Minuten bekanntgegeben wird, das können wir hier jetzt fast exklusiv vermelden. Die Stützen der Mannschaft sind langfristig gebunden, für die qualitative Spitze hoffen wir, noch das eine oder andere tätigen können, aber das muss alles wohl überlegt sein. Und finanzierbar. 

Wie heißt der dritte junge Spieler, der in den nächsten Tagen kommen soll?

Köllner: Es ist doch schon eine Riesenaktion für nordbayern.de, dass wir die Vertragsverlängerung von Lukas Mühl rausgeworfen haben. Das Wichtigste ist doch, dass wir unseren Weg nicht verlassen, mit einer jungen, spannenden Mannschaft unseren Weg weitergehen wollen, ein bisschen verstärkt in der Spitze und in der Breite. Wir wollen unserem Fußball treu bleiben. Und die Ruhe bewahren.

Ein Blick auf die WM-Teilnehmer

Haben Sie auch WM-Teilnehmer auf dem Schirm?

Köllner: Vorstellen kann man sich vieles. Die WM produziert und präsentiert auch Spieler im unteren Preissegment. Eine schnelle Eingewöhnung wird aber schwer, wenn man aus aller Herren Länder Spieler verpflichtet. Es kann aber schon passieren, dass der eine andere Spieler, der jetzt bei der WM unterwegs ist, künftig das Club-Trikot trägt. 

Gibt es denn für Sie so etwas wie einen WM-Traumspieler? 

Schommers: Da gibt es schon relativ viele. Direkt Namen zu nennen fände ich aber nicht angebracht. Für uns ist wichtig, dass er ins Gesamtkonzept passt, dass er uns spielerisch weiterhilft. Wenn man ein paar Spieler bei dieser WM sieht, wie sie aufspielen, wie sie auf dem Platz auftreten, wie sie antizipieren, wie sie das Spiel lesen können, da hätten wir schon ein paar Wunschkandidaten. Ich bin mir sehr, sehr sicher oder ich hoffe, dass wir den einen oder anderen demnächst vielleicht im Frankenland sehen, der uns dann hier begeistern kann mit seiner Spielart. 

Rurik Gislason ist dabei, hat sie aber in Nürnberg auch nicht so richtig begeistern können, zumindest auf dem Platz.

Köllner: Wenn man die charakterliche Komponenten nimmt, trennt man sich von so einem Spieler nur ungern. Heute hat Thorsten Kirschbaum bei Bayer Leverkusen unterschrieben. Das sind alles Spieler, mit denen hat es menschlich top funktioniert. Wir müssen uns aber lösen von irgendwelchen Herzensangelegenheiten. Was Rurik bei der WM erlebt, war er bei uns schon immer: der sexiest man of Iceland. Den Spruch habe ich kreiert. Er ist einfach ein wunderschöner Kerl, hat einen wunderschönen Körper, wunderschöne Augen. Das weiß jetzt die ganze Welt.

Schommers: Es freut uns natürlich auch sportlich, dass Rurik eine WM mitmachen kann. Wir werden hart dran arbeiten, dass künftig auch der eine oder andere Spieler des 1. FC Nürnberg mal eine WM miterlebt. 

Ihre wichtigsten WM-Erkenntnisse?

Schommers: Viele Mannschaften stehen früh sehr tief und setzen mit schnellem Umschaltspiel auf Konter. Wenn ich nur die deutschen Gegner sehe. Das ist ein bisschen das taktische Merkmal, dass ich gesehen habe, aber das hört in der K.o. Phase wahrscheinlich auf.

Köllner: Die Mannschaften haben sich stark angenähert. Das steigert den gegenseitigen Respekt und auch die Furcht. Die WM wird noch an Attraktivität gewinnen, aber man kann feststellen: Das Thema Standardsituationen hat weiter an Bedeutung gewonnen. Exorbitante Nachspielzeiten, sechs, sieben Minuten – was in der 85. Minute passiert, unterliegt mittlerweile einer ganz anderen Betrachtung. 

Was lief denn Ihrer Ansicht nach beim Spiel der Deutschen gegen Mexiko so alles falsch?

Köllner: Ich war von der Qualität der Mexikaner einfach überrascht. Die haben unser Spiel sehr gut gelesen und uns in bestimmte Räume gelockt, wo sie uns wehtun konnten. Aber unsere deutschen Spieler sind jetzt deswegen nicht alles Idioten, das ist so typisch deutsch. Man muss auch mal eine Schwächephase hinnehmen, akzeptieren können. Das Schöne am Fußball ist doch: Keiner weiß im Vornherein, wie es ausgeht. Selbst ich als Bundesligatrainer bin mit meinen Tipps ein Blinder in diesem System. 

Geheimtipp Kroatien

Sie haben es ja selbst erlebt, wie schnell die Stimmung auch oder gerade in in Franken kippen kann. Hat es Sie überrascht? 

Köllner: Ich als Oberpfälzer stelle dem immer meinen puren Optimismus entgegen, versuche, die Sachen positiv zu sehen, die Menschen zu begeistern. Wir müssen für die Bundesliga auf das nächste Level kommen, alle. Spieler, Trainer und Fans. 

Bevor Sie gehen, würde ich gerne noch Tipps hören. Wie geht Deutschland - Südkorea aus? 

Schommers: 3:1, zu null spielen wir zurzeit leider nicht, trotz Manuel Neuer.

Köllner: Ich wünsche mir einen Sieg, der reicht, um weiterzukommen, am besten bis ins Finale. Aber das wird vor allem mental sehr schwer. 2:0, 3:0, 3:1. 

Wer wird Weltmeister?

Schommers: Ich möchte Kroatien in die Runde werfen. Die haben es richtig gut gemacht bisher, ich sehe da eine Mannschaft, ein Team. 

Köllner: Meinen Tipp habe ich schon vor Wochen klar kommuniziert: England: Ich sehe da Parallelen zu uns: eine junge, spannende Gruppe. Wir haben Duisburg 6:1 geschlagen, die Engländer Panama. 

Fragen: Sebastian Gloser Sportredakteur E-Mail

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