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Der FCN nach Düsseldorf-Remis: War das jetzt zu wenig?

"Mit diesem Menschen spreche ich nicht mehr": Schäfer ätzt gegen Sararer - 23.02.2016 17:39 Uhr

Fußball, der weh tut: Die Partie in Düsseldorf war auch für Nürnbergs Tim Leibold purer Kampf.

Fußball, der weh tut: Die Partie in Düsseldorf war auch für Nürnbergs Tim Leibold purer Kampf. © Zink


Oft sind es Worte, die 90 Minuten Fußball begreiflich machen, die das Geschehen auf dem Platz charakterisieren. Manchmal aber sind es sind es auch Szenen, Bilder, Gesten, die sich nach Schlusspfiff in den Katakomben abspielen. Der Montagabend in der Düsseldorfer Esprit Arena war für den 1. FC Nürnberg so ein Tag: Raphael Schäfer, der mit einer dicken Beule auf der Stirn fluchte. Kevin Möhwald, der mit einem pochenden Pferdekuss Richtung Mannschaftsbus humpelte. Tim Leibold, auf dessen weißem Trikot man einen sauberen Fleck schwerlich suchen musste.

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Fortuna Düsseldorf - 1. FC Nürnberg Guido Burgstaller Fortuna Düsseldorf - 1. FC Nürnberg
Füllkrug sei Dank: Der 1. FC Nürnberg rettet Punkt und Serie

Ein falscher Elfmeterpfiff brachte Fortuna Düsseldorf am Montagabend auf die Siegerstraße - doch ein Kopfballtor von Niclas Füllkrug rettete dem 1. FC Nürnberg noch Remis und Serie.


Hier wurde gerade eben Fußball gearbeitet: Viele Zweikämpfe, Geplänkel und wenig spielerische Highlights. Darüber sprach nach der Partie aber kaum noch jemand. Stattdessen ging es ausgerechnet fünf Tage vor dem Frankenderby ausschließlich um einen Ex-Fürther: Sercan Sararer. Der hob ohne nennenswerten Kontakt und wohl vor dem Strafraum ab - und bekam dafür von Schiedsrichter Tobias Stieler einen Elfmeter. "So ein Schwalbenkönig. Der ist für mich durch", schimpfte Schäfer über die klare Fehlentscheidung. "Mit diesem Menschen spreche ich nicht mehr."

Schäfer polterte aber nicht nur neben dem Platz. Auch an einer der Schlüsselszenen auf dem Rasen war der erneut starke Club-Keeper beteiligt. In der 61. Spielminute tauchte Düsseldorfs Nikola Djurdjic frei vor Schäfer auf, der jedoch bekam die Hand an den Ball und verhinderte so die 2:0-Vorentscheidung. "Genau dafür haben wir ja Rapha im Tor", sagt es Torschütze Niclas Füllkrug.

Auch die Effizenz fehlte gegen Düsseldorf

Der 1. FC Nürnberg war in Düsseldorf erneut die bessere Mannschaft, hatte mehr Torschüsse (11:8), mehr Ballbesitz (53%:47%), spulte mehr Kilometer ab (117,2) und gewann in einer zeitweise zerfahrenen Partie mehr Zweikämpfe (53:47). Zahlen, die aber auch zeigen, wie eng die zweite Fußball-Bundesliga in diesen Tagen ist. Und das, obwohl sich der Tabellenfünfzehnte und der Tabellendritte gegenüberstanden. Bereits die ersten zwei Pflichtspiele des Jahres waren aus Nürnberger Sicht auf Kante genäht. Diesmal fehlte dem Club lediglich die zündende Einzelaktion - oder zumindest etwas Glück.

Der Prototyp des Nürnberger Spiels ist derzeit Guido Burgstaller: Unermüdlich, bemüht, oft aber auch etwas zu überhastet und grob. Drei Mal schoss der Österreicher aufs Tor, gewann 13 seiner Zweikämpfe, trieb seine Kollegen auch verbal immer wieder an. Sinnbildlich: In der achten Spielminute verzog Burgstaller wenige Meter frei vor Düsseldorfs Keeper Rensing. Auch die in den letzten Wochen liebgewonnene Effizienz fehlte dem Club diesmal.

Weiler gibt Einblick in seine Gefühlswelt

Bereits vor der Partie hat Nürnbergs Trainer René Weiler einen bemerkenswerten Einblick in die Gefühlswelt am Valznerweiher gegeben. Die Entwicklung der jungen Mannschaft höre "eh nicht auf", Niederlagen oder Unentschieden wie jenes in Düsseldorf seien da manchmal sogar lehrreich, aber: "Nur wären es jetzt keine Niederlagen mehr, deretwegen man Rang acht mit Rang neun tauscht, kei­ne Niederlagen, bei denen ein Lernpro­zess den zahlenmäßigen Schaden über­wiegen könnte." Heißt: Eigentlich hat der 1. FC Nürnberg mit dem 1:1 einen Teil seiner guten Ausgangslage im Aufstiegskampf eingebüßt.

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Niclas Füllkrug Georg Margreitter Hanno Behrens
Club-Noten: Bei einem Trio geht die Meinung auseinander

Der 1. FC Nürnberg macht bei Fortuna Düsseldorf das Dutzend voll: Der Club ist seit zwölf Spielen ungeschlagen, dank eines Tors von Niclas Füllkrug in der 82. Minute. Für den Club gab es von unseren Usern ordentliche Noten. Hanno Behrens, Tim Leibold und Guido Burgstaller benotete die Redaktion demgegenüber etwas strenger.


Dass Weiler nach Abpfiff dann aber doch ganz anders klang, hängt vor allem mit der dann doch couragierten Reaktion auf das mehr als unglückliche Gegentor zusammen. Natürlich hat der Club in Düsseldorf kein Feuerwerk abgebrannt. In der Offensive agierte der FCN oft zu eindimensional. Lange Bälle und Standards - viel mehr hatte Weilers Elf über weite Strecken der Partie nicht anzubieten. "Aber wir haben uns den Punkt verdient", sagt der Club-Trainer. "Kompliment an die Mannschaft, sie hat nie aufgegeben und ist die ganze Zeit angelaufen."

Eben das macht Mut. Der 1. FC Nürnberg lässt sich derzeit auch von äußeren Umständen nicht aus der Ruhe bringen, selbst Fehlentscheidungen der Unparteiischen egalisiert der Club durch Arbeit auf dem Platz. Oder um es mit René Weilers Worten zu sagen: "Der Weg ist das Ziel. Und der Weg sieht immer besser aus." 

Tobi Lang

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