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Der Nationaltorwart aus dem Wohnheim

René Ingram spielt Junioren-Handball für den HC Erlangen und die Auswahl der USA - 26.09.2017 15:30 Uhr

René Ingram, hier im Tor für die US-amerikanische Jugendhandball-Nationalmannschaft im Spiel gegen Mexiko. © Foto: Christa Ingram


Eigentlich hat René Ingram nicht wirklich viel mit den USA am Hut. Gut, seine Brüder Erik (26) und Marco (23) wurden in Oklahoma geboren. Und seine Mutter arbeitete rund zehn Jahre für die Army in Amerika. Aber René, der 18 Jahre alt ist und seit dieser Saison für die A-Junioren des HC Erlangen in der Bundesliga Handball spielt, kam in Landshut zur Welt. Sein Vater ist Sozialarbeiter in Hallbergmoos und auch die Mutter, ursprünglich aus Regensburg, ist mittlerweile wieder als Sekretärin in Garching am Max-Planck-Institut gelandet.

Trotz allem ist René Ingram Stammtorhüter der U 19- und der U 21-Handball-Nationalmannschaft der Vereinigten Staaten von Amerika. "Ja mei", sagt er mit niederbayerischem Akzent, "des is halt wegen meiner doppelten Staatsbürgerschaft." Weil seine Brüder die seit Geburt besitzen und "das über die Army einfacher ging als normal", besitzt auch er einen amerikanischen Reisepass. "Meine Mutter hat Erik und Marco zweisprachig erzogen", erzählt er, "zurück in Deutschland hat sie sich gedacht, dann macht sie das bei mir eben auch." Daher spricht Ingram neben Deutsch und Niederbayerisch auch fließend Englisch.

Viel mehr hat René Ingram dann auch nicht mit Amerika zu tun gehabt, sagt er, ein paar Besuche bei Freunden – das war es auch schon. Die Brüder lebten vorübergehend auch mal in den USA, aber René ist eigentlich immer in Bayern geblieben.

Neben der Schule spielte Ingram Handball, weil seine Eltern etwas suchten, wo er sich ein wenig bewegt. "Die Wahl fiel dann auf Handball, weil meine Mutter auch mal in Regensburg im Tor stand. Und weil ich mich da gar nicht so dumm angestellt habe", sagt er. Also ging er zwischen die Pfosten, erst beim ETSV Landshut, später, als klar war, dass er im Tor ein wenig mehr Talent besitzt als andere, riet ihm ein Trainer dazu, die großen Handballinternate anzurufen. "Immer nur Bezirksliga", sagt René Ingram, "da hätte ich mich nicht mehr groß weiterentwickelt."

Also spielte er vor in Lemgo, in Kronau-Östringen, in Großwallstadt. "Weil das auch in Bayern war", sagt er, "habe ich mich für Großwallstadt entschieden." Um sich, wie gesagt, zum einen handballerisch zu verbessern. Und um, zum anderen, im Leben ein wenig selbstständiger zu werden. "Ich bin in dieser Hinsicht eigentlich charakterlich mehr der Schisser-Typ", sagt er.

Drei Jahre verbringt René Ingram letztlich im Großwallstätter Handballinternat, macht im nahegelegenen Ehrenbach im vergangenen Jahr sein Abitur. Irgendwann ruft die amerikanische Junioren-Nationalmannschaft an, "die suchen permanent in ganz Europa nach Spielern mit zwei Pässen", sagt er. Vor allem, weil in Europa Handball verbreiteter ist als in der Heimat. Vier Spieler aus Deutschland, ein paar aus Schweden, Norwegen und Frankreich spielen deshalb mit. "Wir haben einen großen Zusammenhalt entwickelt", sagt Ingram.

Paraguay, Kolumbien, Kanada

René Ingram, hier im Tor für die US-amerikanische Jugendhandball-Nationalmannschaft im Spiel gegen Mexiko. © Foto: Christa Ingram


Fürs erste Turnier in Schweden muss er trotzdem absagen, er schreibt gerade Abiturprüfungen. Seitdem aber steht er regelmäßig im Tor, anfangs als Ersatz, mittlerweile als Stammkeeper bei U 19 und U 21. Es läuft dabei immer nach dem gleichen Schema ab: Er bekommt eine Einladung vom Verband, ein Flugticket – fährt zum Flughafen und fliegt los: Paraguay, Kolumbien, Kanada. "Ich komme jetzt ganz schön herum in der Welt", sagt René Ingram, der im Studentenwohnheim an der Hartmannstraße lebt und Mechatronik studiert. Sein großer Traum sind nun die olympischen Spiele, "es wird hart, aber möglich ist im Handball alles", sagt René Ingram. Und wer kennt sich damit besser aus als er? 

CHRISTOPH BENESCH

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