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Die Achtziger: Wie Bayern zur Bundesliga-Vormacht wurde

Der Hamburger SV dominierte den Beginn des Jahrzehnts, dann schlug die Stunde von Uli Hoeneß - 30.07.2012 16:14 Uhr

22.4.1986 im Bremer Weserstadion. Werder-Spieler Michael Kutzop überlistet zwar den belgischen Bayern-Torhüter Jean-Marie Pfaff, doch der Ball geht nur an den Pfosten. Mit einem der berühmtesten Pfostentreffer der Bundesliga-Geschichte ebnete der Bremer Stürmer dem FC Bayern 1986 nicht nur den Weg zum Titel, sondern auch für die heutige Ausnahmestellung im deutschen Fußball

22.4.1986 im Bremer Weserstadion. Werder-Spieler Michael Kutzop überlistet zwar den belgischen Bayern-Torhüter Jean-Marie Pfaff, doch der Ball geht nur an den Pfosten. Mit einem der berühmtesten Pfostentreffer der Bundesliga-Geschichte ebnete der Bremer Stürmer dem FC Bayern 1986 nicht nur den Weg zum Titel, sondern auch für die heutige Ausnahmestellung im deutschen Fußball © Michael Probst, dpa


Das klatschende Geräusch verfolgt Michael Kutzop auch heute noch. Mit einem der berühmtesten Pfostentreffer der Bundesliga-Geschichte ebnete der Bremer Stürmer dem FC Bayern 1986 nicht nur den Weg zum Titel, sondern auch für die heutige Ausnahmestellung im deutschen Fußball. Hätte Kutzop seinen Elfmeter im direkten Duell am vorletzten Spieltag kurz vor Schluss verwandelt, wären die Münchner zum vierten Mal in fünf Jahren ohne Meisterschaft geblieben.

So aber liefen Lothar Matthäus, Dieter Hoeneß und Co. dem Hamburger SV endgültig den Rang als das dominante Team der 80er Jahre ab. Gleich sechsmal ging die Schale in dieser Zeitspanne an die Münchner, dabei war der dreimalige Sieger des Landesmeister-Cups Mitte des Jahrzehnts mächtig unter Druck geraten. Zunächst dominierte der HSV (1982 und 1983) dank Trainerfuchs Ernst Happel, neben Werder strebte auch der VfB Stuttgart nach oben. „Das Niveau war noch nie so schwach. Es war noch nie so einfach, deutscher Meister zu werden“, ätzte Happel 1984 nach dem Coup der Schwaben angesichts der Schwäche der Konkurrenz aus dem Süden.

In der folgenden Sommerpause veräußerten die klammen Bayern - unter dem Druck von knapp zwei Millionen Mark Miesen – sogar noch Karl-Heinz Rummenigge an Inter Mailand. „Für dieses Geld hätte man ihn auch mit der Sänfte nach Italien rübertragen müssen“, sagte Uli Hoeneß über die Ablösesumme von 11,4 Millionen Mark (umgerechnet rund 5,8 Millionen Euro). Der Jung-Manager brachte seinen Club damit aus den Schulden – und immer wieder auch in die Schlagzeilen.

Zunächst sorgte die Dauerfehde mit seinem Werder-Pendant für Unterhaltung. „Die Bremer Mannschaft, der Präsident und der Trainer tun mir leid“, sagte Hoeneß nach dem gewonnenen Herzschlagfinale durch den Kutzop-Aussetzer, „Manager Willi Lemke jedoch nicht.“ Begründet wurde die gegenseitige Abneigung durch ein rüdes Foul von Bayern-Libero Klaus Augenthaler an Rudi Völler, nachdem der Stürmer für ein halbes Jahr ausfiel.

Während Bremen 1988 seinen zweiten Titel nach 23-jähriger Abstinenz feierte, blieb der zweite Lieblingsfeind Hoeneß' der 80er ungekrönt. „Am nächsten Donnerstag ist dein Weg zu Ende“, giftete der Bayern-Manager im ZDF-„Sportstudio“ gegen Kölns Coach Christoph Daum, der zuvor über seinen Trainerkollegen Jupp Heynckes gespottet hatte. Der FC zeigte sich von den verbalen Scharmützeln beeindruckt, verlor fünf Tage später das entscheidende Duell mit 1:3. „Früher hat man Speere geschmissen, ich wollte ihm Worte entgegen schmeißen“, erläuterte Hoeneß Jahre später das Prinzip der „Abteilung Attacke“.

Große Töne waren von einem früheren Weggefährten in den 80ern nicht mehr zu vernehmen. Nicht in München, sondern beim HSV gab Franz Beckenbauer 1980 nach dem Ausflug zu Cosmos New York sein Bundesliga-Comeback. „Mein Fußball in Hamburg war keine Offenbarung mehr“, gab der Kaiser zwar zu, doch zur Meisterschaft reichte es für den Libero immerhin noch. 36 Partien in Serie blieben die Hanseaten zwischen Januar 1982 und Januar 1983 ungeschlagen, dem derzeit amtierenden Meister Borussia Dortmund fehlen immer noch acht Partien zu diesem Bundesligarekord.

Unter dem genial-grantligen Österreicher Happel feierte der HSV 1983 auch den einzigen deutschen Landesmeister-Titel der Dekade. „Er war der beste Trainer der Welt“, beschrieb Horst Hrubesch seinen Coach, „bei ihm stimmte das Verhältnis Arbeit/Schnaps.“

Einen Kurzen hätte auch Frank Mill am 9. August 1986 gut gebrauchen können. Der Dortmunder bescherte Kutzop mit einer Slapstickeinlage Konkurrenz im Rennen um den geschichtsträchtigsten Pfostenschuss, als er den Ball aus drei Metern nicht im leeren Bayern-Tor unterbrachte. „Wenn mich heute Kinder in meiner Fußballschule besuchen, sage ich immer: 'Jungs, ihr dürft mich alles fragen, aber nicht: Wie war das damals in München?“, sagte Mill einmal dem Magazin „11Freunde“ – und muss doch wie auch Leidensgenossen immer dieselbe Geschichte erzählen. 

Von Florian Lütticke, dpa

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