24°

Montag, 15.10.2018

|

Die Füße müssen immer oben bleiben

Junge Nürnberger Trial-Fahrer beherrschen den heiklen Ritt über Stock und Stein - 14.03.2011 17:21 Uhr

Kein Berg ist zu steil, kein Felsen zu schroff: Max Kurth (li.) und seine Trial-Kollegen üben regelmäßig im Gelände. © Michael Matejka


Was ist das eigentlich, Motorrad-Trial? Auf die Fahrerinnen und Fahrer warten Geschicklichkeitsprüfungen, Sektionen genannt, in schwerem Gelände, wobei es über Stock und Stein geht, bergauf und bergab. Aufgabe ist es, möglichst fehlerfrei durchzukommen. Vor allem gilt es tunlichst zu vermeiden, den Fuß auf den Boden zu setzen, denn das kostet Strafpunkte. Einmal den Fuß am Boden bedeutet einen Zähler, zweimal zwei und mehr als zweimal drei. Beim Sturz oder wenn die Streckenbegrenzungen berührt werden, hagelt es fünf Strafpunkte.

Der Begriff Trial kommt aus England, wo vor rund 70 Jahren erstmals Unerschrockene versuchten, mit den Motorrädern unwegsames Gelände zu durchqueren. Zunächst war von „try“ die Rede, auf deutsch „versuchen“. Später wurde Trial draus.

Jule Steinert geht ihrem Sport in Heideck und wie Sebastian Roithmeier zudem beim 1. AMC Zirndorf nach. Als Unterstützung, quasi als Verstärkung, hatten die beiden, die schon einige Erfolge an ihre Fahne geheftet haben, zum Termin zwei nicht minder erfolgreiche Fürther Vereinskollegen mitgebracht, den 19-jährigen Max Kurth, der schon bei den Erwachsenen fährt, und den drei Jahre jüngeren Adrian Franke aus Zirndorf.

Dass sich das Quartett dem Trialsport verschrieben hat, obwohl es bei dieser Sparte anders als im Enduro-Bereich und im Motocross nicht in erster Linie um Schnelligkeit geht, hängt im Fall Sebastian Roithmeier mit seinem Onkel Wolfgang Weiß zusammen. Er ist stellvertretender Jugendleiter des Zirndorfer Klubs, in dem über 20 junge Leute dem Trialsport frönen. „Durch ihn bin ich dazu gekommen“, sagt Roithmeier. Er ist wie Jule mittelfränkischer Meister, startete im Deutschen Jugend-Trialpokal, belegte in Bayern Rang fünf und in Nordbayern sowie im Jura-Jugend-Pokal jeweils Rang vier.

Akkurat im Gelände unterwegs

Jule Steinert, die bereits in Europa bei Jugend-EM-Läufen unterwegs war und in Tschechien Platz vier und in Andorra Rang sieben holte, hat der Vater überredet, es mit dem Motorradsport zu versuchen. „Ich habe mit Motocross angefangen, aber da war ich nicht schnell genug, deshalb wechselte ich zum Trial“, erzählt die 13-Jährige.

Klar, dass Kurth mit seinen 19 Lenzen bereits bei den Erwachsenen mitfährt, im Deutschen Trial-Cup, der zweiten Bundesliga, in der er 2010 Rang neun verbuchte. Ihn fasziniert vor allem, „dass man im Trialsport ganz akkurat fahren muss und es vom mir alleine abhängt, wie erfolgreich ich bin“. Bei den Erwachsenen geht es allerdings auch ein bisschen um Schnelligkeit, denn es wird die Zeit festgelegt, die einem Fahrer bei der Absolvierung einer Sektion maximal zur Verfügung steht.

Bei Adrian Franke fällt dagegen der Apfel nicht weit vom Stamm, bereits sein Großvater war auf deutscher und europäischer Ebene erfolgreich, sein Vater fährt immer noch. „Da wächst du einfach so rein“, erklärt der 16-Jährige, der Rang zwei im Jugendpokal belegte.

Einig ist sich das Quartett, dass sie mit ihrem Zweiradsport kein Geld verdienen können. Dennoch wollen alle weiterkommen. Kurth, der gerade im Abiturs-Stress steckt, „möchte auf jeden Fall in die höchste Klasse aufsteigen und um den Meistertitel mitfahren“. Ein ähnliches Ziel hat Franke: „Irgend wann einmal auf Meisterschafts-Ebene starten“. Sebastian Roithmeier will schlicht „voran kommen“. Jule Steinert schließlich hat noch kein konkretes Ziel. „Ich möchte einfach schauen, wie es weitergeht“, sagt die Nürnbergerin, auf die später der extra gewertete Ladies-Cup warten würde.

(Was dem Autor bei dem Termin unerwartet widerfahren ist,lesen Sie hier.) 

RAINER WEICHENRIEDER

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Sport