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Die Neunziger: Die Ostklubs kommen und haben es schwer

Neben sportlichen Problemen auch Missmanagement in vielen Vereinen - 06.08.2012 11:28 Uhr

Die Vorfreude der Dresdner Fans auf die Bundesliga war groß. Dennoch ging es relativ schnell bergab für den sächsischen Traditionsverein.

Die Vorfreude der Dresdner Fans auf die Bundesliga war groß. Dennoch ging es relativ schnell bergab für den sächsischen Traditionsverein. © dpa


Auch der Kaiser kann sich irren. Schon bevor am 21. November 1990 die Vereinigung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und des Deutschen Fußball-Verbandes der DDR (DFV) offiziell unter Dach und Fach war, glaubte Weltmeister-Macher Franz Beckenbauer, dass der deutsche Fußball auf Jahre unschlagbar sein werde. Es kam anders. Nur bei der Europameisterschaft 1996 waren die deutschen Kicker die Besten.

Die gut ausgebildeten, aber von Erfolgen eher nicht verwöhnten ehemaligen DDR-Fußballer waren eine Bereicherung für jeden Bundesliga-Club, bis auf wenige Ausnahmen aber konnten sie der Liga nicht ihren Stempel aufdrücken. So fortschrittlich und innovativ sich der DFB auch gab, in Sachen politischer Wende und Integration der Ostdeutschen hinkte der Verband dem Tagesgeschäft weit hinterher. Während der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik schon im August 1990 beschlossene Sache war, wollte man im Verband von einer gemeinsamen Bundesliga lange nichts wissen. Der spätere DFB-Präsident Egidius Braun verwies im März 1990 vor Fußball-Journalisten aus Ost und West in Königswinter eine schnelle Aufnahme von DDR-Clubs in die Bundesligen ins Reich der Fantasie. „Aber wir helfen den Vereinen drüben. Wir schicken Bälle und Netze“, sagte der damalige Schatzmeister des Verbandes und erntete für diese Aussage nur Kopfschütteln.

Zweifelhafte Gönner und Sponsoren

Dank der Politik ging es dann aber doch schneller. Zur Saison 1991/92 wurden der letzte Ost-Meister, FC Hansa Rostock, und Dynamo Dresden in die Bundesliga integriert. Sechs Ost-Clubs spielten in der 2. Liga mit. Doch schon bald machte sich bemerkbar, dass den früheren DDR-Clubs die wirtschaftliche Grundlage für erfolgreichen Fußball fehlt. Zweifelhafte Gönner und Sponsoren nutzten zudem die Zeit, um die ohnehin klammen Kassen vollkommen zu plündern. Das führte letztlich zu Abstiegen, Lizenzentzug wie im Fall von Dynamo Dresden nach der Saison 1994/95 und zum Ausverkauf der besten Ost-Fußballer. Aber auch dazu, dass sich solide wirtschaftende Clubs wie der FC Hansa Rostock und später Energie Cottbus zunächst oben festsetzen konnten.

Derweil machten die Besten der Besten aus den neuen Ländern Karriere. Matthias Sammer wurde über die Stationen VfB Stuttgart und Inter Mailand bei Borussia Dortmund zum Weltstar. Kopf und Antreiber zugleich, der den BVB zu Meistertiteln und dem Gewinn der Champions League 1997 führte. In Leverkusen waren Andreas Thom und Ulf Kirsten aus der Startelf und aus den Torschützenlisten nicht mehr wegzudenken. Steffen Freund, Thomas Doll, Olaf Marschall, Jens Jeremies, Alexander Zickler oder Jörg Heinrich avancierten zu Nationalspielern. Den Weg von West nach Ost gingen nur wenige. Sergio Allievi und Peter Lux waren die ersten beiden.

DDR-Trainer hatten es schwer

Völlig uninteressant für die etablierten Bundesliga-Clubs waren die DDR-Trainer, von denen über den Umweg Niederlande nur Hans Meyer den Sprung schaffen sollte. Dafür probierten sich einige West-Coaches im Osten: Uwe Reinders, Helmut Schulte, Siegfried Held, Horst Hrubesch oder Ewald Lienen verdienten sich ihre Brötchen mit mehr oder weniger viel Erfolg in Rostock und Dresden. Besonders Held machte seinem Namen alle Ehre. Als Dresdner Übungsleiter schaffte er es in der spielzeit 1993/94, mit seinem Team einen Vier-Punkte-Abzug wegen Verfehlungen beim Lizenzierungsverfahren zu kompensieren und den Klassenerhalt sicher zu schaffen.

Neben den Ost-Clubs hatte die Bundesliga in den 90 Jahren einige weitere Premieren. Mit dem 1. FC Kaiserslautern gelang 1997/98 erstmals einem Aufsteiger der Meistertitel. Die Einwechslung von drei Feldspielern wurde ebenso eingeführt wie die Namen auf den Trikots und die Drei-Punkte-Regelung pro Sieg. Mannschaft des Jahrzehnts war einmal mehr der FC Bayern München, der sich vier Titel holte. Auch Dortmund und Kaiserslautern mit je zwei Meisterschaften sowie der VfB Stuttgart und Werder Bremen prägten die Bundesliga. Auffällig war zudem das 1997 eingeführte bunte Outfit der Schiedsrichter, die auch finanziell ein kräftiges Zubrot erhielten: Statt 2500 Mark pro Spiel gab es ab 1997/98 4000 Mark. 

dpa

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