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Ein „wandelndes Lexikon“ mit Herz für den Faustball

Alfred Rupprecht ist ein Eibacher Urgestein - 03.01.2012

Nicht wegzudenken vom TV Eibach03: Auch die Zweitliga-Spielerinnen (hier Daniela Dumser) schätzen „Alf“ Rupprecht.


Noch vor ein paar Jahren gab es solche Situationen öfter. Doch seit der 73-Jährige kein offizielles Amt mehr innehat beim TV Eibach03, hält er sich im Hintergrund. „Auf dem Spielfeld gelte ich heute noch als Meckerer“, sagt Rupprecht und lächelt sein spitzbübisches Lächeln. Man ahnt, dass dieser Mann kein notorischer Nörgler ist. Er hat seine Gründe. „Wenn etwas dem Verein hätte schaden können, habe ich mich zu Wort gemeldet.“

Seine Beliebtheit hat das nicht geschmälert. Zumal Rupprecht keiner ist, der nur alles besser weiß. Er packt mit an und hilft, wo er kann. Faustball ist sein Leben. Daheim in Nürnberg-Wetzendorf stapeln sich Zeitungsartikel, Trophäen und Andenken aller Art aus seiner Zeit als Sportler und als Mitarbeiter. „Ich habe wirklich viele Sachen. Jetzt fange ich langsam an, etwas zu entsorgen“, sagt Rupprecht. Ehefrau Marie-Luise (72) teilt die Leidenschaft ihres Mannes für den Faustball nicht, aber sie nimmt’s mit Humor. „Von meiner Frau kriege ich regelmäßig den Hinweis, dass sie auch noch irgendwo ihre Kleider unterbringen will“, berichtet Rupprecht und muss lachen.

Jahrzehnte als Spieler, Abteilungsleiter und Helfer: Rupprecht besitzt einen reichen Erfahrungsschatz, ein besonderes Fachwissen und viele Andenken.


In der Faustball-Szene ist er bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“, und wer eine Frage hat, wendet sich an ihn. Nicht umsonst hat er maßgeblich an der Chronik zum 100-jährigen Bestehen der Eibacher Faustball-Abteilung mitgewirkt. „Ja, ich weiß schon ein bisschen was“, sagt er. „Und wenn nicht, weiß ich, wo ich nachschauen muss.“

Seine Faustball-Vergangenheit beginnt mit einer Jugend-Freizeit des CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen). „Da waren viele gute Fußballer dabei, die auf der Suche nach einer anderen Sportart beim Faustball gelandet sind. So kam ich dazu“, erzählt Rupprecht, der als Jugendlicher ebenfalls bei Johannis 1883 Fußball und dazu Handball spielte. Weil sich auch in Nürnberg immer mehr junge Leute fürs Faustballspielen interessierten, konnte man schließlich mit einer Handvoll „Eichenkreuz“-Mannschaften eine eigene Runde spielen.

Seinen Wehrdienst leistete Rupprecht bei der Marine in Flensburg. Dort war Faustball Offizierssport, „aber weil die noch Mitspieler suchten, durfte ich als ganz normaler Dienstgrad mitmachen“, erinnert sich Rupprecht nicht ohne Stolz.

„Faustball aus dem Bauch heraus“

1961 kehrte er zurück nach Nürnberg und heiratete ein Jahr später seine Frau Marie-Luise. Mit ihr wohnte er in Johannis. Der Faustball-Verein schlechthin neben Siemens Nürnberg war damals Bayern 07. Dem schloss sich Rupprecht mit Mitte 20 an. Als die Faustball-Abteilungen von Bayern 07 und DJK Eibach 1972 dem TV Eibach 03 beitraten, ging Rupprecht mit. „Als Seiteneinsteiger habe ich Faustball aus dem Bauch heraus gespielt“, sagt Rupprecht, der meistens die Abwehrposition einnahm. Mit diesem offensichtlich ganz guten „Bauchgefühl“ wurde er 1975 Deutscher Meister mit den Männern in der Altersklasse 30, 1980 und 1982 holte er den Titel mit den Männern 40.

Kontrolle ist besser: Als Staffelleiter sorgt Rupprecht dafür, dass alles seine Ordnung hat. © Wolfgang Zink


Heute spielt Rupprecht zweimal pro Woche in der Eibacher Seniorentruppe. „Da herrscht eine gute Kameradschaft“, sagt er. „Wir spielen aus Spaß, weil wir Lust dazu haben.“ Rupprechts Dienste waren in Eibach auch abseits des Spielfelds stets gefragt. 1972 wurde der gelernte Industriekaufmann Kassenwart, später Jugendleiter. Ab 1987 lenkte er als engagierter Abteilungsleiter die Geschicke der Faustballer. „Eigentlich wollte ich lieber Trainer sein, aber die Gelegenheit hat sich nie ergeben.“ Auf dem Höhepunkt, als der Verein 1992 die Deutsche Meisterschaft ausrichtete, gab Rupprecht das Amt auf.

Damals war Eibach ein Faustball-Mekka. Seit Jahren gehörten die Männer- und Frauenmannschaften den höchsten deutschen Ligen an und spielten regelmäßig um den nationalen Meistertitel mit – ruhmreiche Zeiten, die heute längst Vergangenheit sind. Während die Frauen auf dem Feld wieder in die erste Bundesliga aufgestiegen sind und in der Halle ebenfalls auf dem besten Weg nach ganz oben sind, kämpfen die Männer in der viertklassigen Nordbayern-Liga. „Das tut schon weh“, gibt Rupprecht zu. „Aber ich habe Hoffnung. Ulli Schneider macht eine super Jugendarbeit, da kommen wieder tolle Faustballer nach.“

Der so Gelobte, Ex-Weltmeister Ulli Schneider (46), schätzt Rupprecht seinerseits sehr: „Der Alf ist ein Faustball-Verrückter, ein wandelndes Faustball-Lexikon, und er ist immer super informiert. Wir sind froh, einen wie ihn im Team zu haben.“ Aktuell ist Rupprecht als Staffelleiter für die zweite Frauen-Bundesliga Süd in Halle und Feld für den Spielbetrieb zuständig, koordiniert die Terminplanung und kontrolliert Spielerpässe.

Auch in dieser Aufgabe empfindet er sich eher als Helfer denn als Amtsträger. „Ich hab mich nie als Funktionär bezeichnet, damit hätte man mich beleidigen können“, betont er. „Funktionäre sind nämlich für den Verein da, nicht umgekehrt.“

Er nimmt eben kein Blatt vor den Mund, auch wenn es mal unbequem wird. „Dieses Meckerer-Image habe ich nicht mehr weggebracht“, sagt Rupprecht und lacht. „Er kennt sich aus und bringt seine Kritik an, das ist aber immer gut gemeint“, weiß Routinier Schneider. Zweitliga-Spielerin Barbara Eberhard (28) sieht Rupprechts direkte Art ebenfalls positiv: „Wenn er uns lobt, dann ist das ein ganz besonderes Lob. Denn dann wissen wir, dass wir wirklich gut waren.“
  

Melanie Scheuering

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