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EM täglich (18): Deutschland fehlt Dirk

Eberles EM-Einfälle - 29.06.2012 10:58 Uhr

Was wurde nicht alles geschrieben über das goldene Händchen von Joachim Löw. Für jeden Gegner hatte der Bundes-Jogi jeweils die richtige Aufstellung parat. Mal stürmte Gomez, mal Klose; auf den Flügeln ackerten Podolski, Reus, Schürrle und Müller im Wechsel. Am Donnerstagabend ging Löws Plan nicht auf, der DFB-Coach hatte sich verzockt. Und 82 Millionen Bundestrainer schrien: "Hab ich's doch gewusst!"

Dabei war es gar nicht das von Löw ins Rennen geschickte Trio um Gomez, Kroos und Podolski, das für die Niederlage hauptverantwortlich war. Hätte Deutschland in der Anfangsphase etwas Glück gehabt, wären nicht die Italiener, sondern die DFB-Auswahl 2:0 in Front gegangen.

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Selten zuvor ist eine deutsche Nationalelf mit so vielen Erwartungen in ein Turnier gestartet, wie die Mannschaft bei der EM 2012. Gegen Italien kam im Halbfinale dennoch wieder das Aus. Wer schlief und wer kämpfte - das lesen Sie in unserer Einzelkritik.


So aber durfte Mario Balotelli das Spiel zugunsten der Azzurri entscheiden. Und das nicht etwa, weil Gomez, Kroos und Podolski ihre Defensivaufgaben vernachlässigt hätten. Für die beiden Gegentore waren ausschließlich die deutschen Verteidiger verantwortlich. Beim 0:1 ließen sich Hummels und Boateng von Cassano wie Zirkustiere vorführen, beim 0:2 hob Lahm das Abseits auf, dass man meinen könnte, er hätte noch nie Viererkette gespielt.

Das grundlegende Problem von Löws Elf zeigte sich dennoch erst danach. Deutschland kann keinen Rückstand aufholen. Nicht gegen Italien, nicht gegen Spanien und auch nicht gegen Serbien oder Kroatien, wie bei den Turnieren 2010 und 2008. Seit Löw die Nationalelf hauptverantwortlich führt, geriet Deutschland bei großen Turnieren sechsmal mit 0:1 ins Hintertreffen, lediglich gegen die Türkei im Halbfinale 2008 gelang noch ein Sieg, alle anderen Partien wurden verloren.

Wenn es läuft, ist die Mannschaft von keinem Gegner der Welt aufzuhalten, muss das Team aber einmal einen Rückschlag verkraften, fehlt einer, der den Hebel wieder umlegt. Ein Clutch-Player. Einer, der sich das Leder krallt, an den man sich klammern kann, wenn es eng wird. Einer, der die Angsthasen von der Angst befreit. Einer wie NBA-Star Dirk Nowitzki, der in solchen Situationen Verantwortung übernimmt. Michael Ballack war so ein Spieler, Basketball-Fan Bastian Schweinsteiger ist es noch nicht. 

Bastian Eberle

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