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ESports: Virtuelle Punkte für den 1. FC Nürnberg

Die Branche boomt, kämpft aber um offizielle Annerkennung - 25.10.2017 18:01 Uhr

Da sind sie: Daniel "Bubu" Butenko und Kai "Hensoo" Hense bei ihrer Vorstellung im Max-Morlock-Stadion. © Foto: 1. FC Nürnberg


Zwei Neuzugänge vermeldete der 1. FC Nürnberg Anfang Oktober. Die beiden sollen auch gleich ordentlich Punkte für den Club holen, am besten dabei jede Menge Tore erzielen und gleichzeitig verhindern. Was für zwei Granaten Manager Andreas Bornemann und Finanz-Vorstand Michael Meeske da an Land gezogen haben? Zwei Spieler, die all das leisten können, obwohl die Namen Daniel "Bubu" Butenko und Kai "Hensoo" Hense nicht mal den größten Fußballexperten ein Begriff sind? Das Geheimnis ist: Die beiden spielen nur virtuell auf der PlayStation für den fränkischen Traditionsverein Fußball. Trainer Michael Köllner wird also höchstens auf einem Sponsorentermin mal auf die beiden treffen.

Dass Taktik trotzdem mit das Wichtigste ist beim Fußballspiel auf der Spielekonsole, erklärt Hense ganz plausibel: "Auch auf der PlayStation muss ich die Aufstellung des Gegners analysieren, meine eigene daran anpassen. Wenn mein Gegner zum Beispiel mit einer engen Raute im Mittelfeld spielt, forciere ich natürlich das Flügelspiel." Hier ähnelt der Fußball als ESport, wie die relativ neue Branche in Deutschland genannt wird, doch sehr dem realen Fußball im Max-Morlock-Stadion. Der große Unterschied: Als Spieler steuert man alle Akteure einer Mannschaft, meistens den in Ballbesitz, oder verteidigt mit dem, der dem Ball am nächsten ist.

Paris Saint-Germain ist ein Gegner

"Aktuell gibt es einen riesigen Boom im ESport-Bereich in Deutschland und weltweit, davon profitieren natürlich auch wir", erklärt "Hensoo" der gemeinsam mit seinem Teamkollegen "Bubu" zu den besten FIFA-Spielern in Deutschland gehört. FIFA 18 heißt das neue Spiel das EA Sports Ende September auf den Markt brachte. Im November startet dann wieder die Tag Heuer Virtuelle Bundesliga. Dort vertreten Butenko und Hense dann den 1. FC Nürnberg. Sie treffen dort auch auf die Spieler anderer Bundesligisten, wie Schalke, Wolfsburg, Leipzig, Bochum oder Stuttgart. In Europa haben viele Top-Adressen wie Paris Saint-Germain oder Manchester City ein ESports-Team.

Die beiden Spieler des Club müssen jedoch nicht mit Möhwald oder Teuchert gegen Burgstaller, Goretzka und Co. antreten. In der virtuellen Bundesliga haben die Jungs sechs Monate Zeit sich online für die zwei regionalen Finals zu qualfizieren. Dort wird dann offline gespielt und jeder Spieler darf sich sein Team unter bestimmten Gesichtspunkten selbst zusammenstellen. Trotzdem repräsentiert dann jeder Spieler seinen Verein, läuft unter dessen Logo und in dessen Trikots auf. Um dort wirklich etwas zu erreichen, müssen die beiden auch viel trainieren. Bis zu sechs Stunden pro Tag trainiert Hense in den ersten Monaten nach dem Release des Spiels. Der Abiturient stammt aus der Nähe von Köln und absolviert dort zurzeit ein Praktikum, anschließend will er studieren. Im Rheinland steht er dann auch ab und zu noch selbst auf dem Feld beim Landesligisten VfL Rheinbach. "Das ergänzt sich ganz gut. Manche Dinge aus dem realen Fußball kann ich immer mal wieder beim FIFA an der Konsole einbringen", so der 19-Jährige. Damit war er auch schon erfolgreich. Vier seiner fünf Spiele unter der Flagge des FCN gewann Hense. Daniel Butenko war sogar noch erfolgreicher. Das 5:4 im Elfmeterschießen gegen "HenryRonaldo7" war bereits der fünfte Sieg im fünften Spiel für "Bubu".

Ob ESports nun als "echte" Sportart zählt oder nicht scheint noch nicht entschieden. Als der Club seine Pressemitteilung zu den beiden verpflichteten ESportlern bei Facebook veröffentlichte, entstand eine hitzige Diskussion. Auch beim DOSB ist man noch nicht bereit, ESport aufzunehmen, auch weil ein gemeinnütziger Verband, wie der DFB im Fußball fehlt. In anderen Ländern wie den USA, Brasilien oder China ist der virtuelle Wettkampf auf der Konsole schon anerkannt. Die Fernsehsender Sat 1 und Sport1 sind auch schon auf den Zug aufgesprungen und produzieren mittlerweile Magazine zum Thema. Und zuguterletzt hat sogar die FIFA mittlerweile die Zeichen der Zeit erkannt. In London fand im Sommer der FIFA Interactive World Cup statt. Dort trafen die besten FIFA Spieler der Welt aufeinander und spielten um 200. 000 US-Dollar für den Sieger. Ein Preisgeld, dass dem notorisch klammen 1. FCN sicherlich gut tun würde.

  

Tim Eisenberger

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