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Faustball: "Weil es eine geile Sportart ist"

In Eibach lebt die mancherorts als altmodisch verschriene Sportart - 30.09.2014 13:04 Uhr

Die Eibacher Mädels wurden deutscher Vizemeister und hatten Spaß.

Die Eibacher Mädels wurden deutscher Vizemeister und hatten Spaß. © Zink


Eine Sportplatzkirchweih kann man sich nicht viel besser ausmalen. Ein schmuckes Gelände bei strahlendem Sonnenschein, ehrgeizige Sportler, jubelnde Zuschauer und Eltern, zahlreiche Helfer, die die Protagonisten und deren Fans mit Getränken, Bratwürsten sowie Kaffee und Kuchen im schattigen Biergarten versorgen - auf der Anlage des TV Ei-
bach 03 war die deutsche Meisterschaft der "U 16"-Faustballer am Wochenende bestens aufgehoben.

Dachte sich im Vorfeld wohl auch der Verband und vergab das wichtigste nationale Nachwuchsturnier zum zweiten Mal nach 2011 wieder an den Verein im Nürnberger Südwesten, wie Mitorganisatorin, Ex-Spielerin und Jugendtrainerin Barbara Eberhard erklärte. Denn der TV konnte für die 52 teilnehmenden Teams zehn Spielfelder stellen und auch zwei eigene Vertreter ins Rennen schicken. Angesichts der rund 700 Menschen (Sportler, Trainer, Betreuer, Zuschauer, Helfer), die dem bunten Treiben täglich Leben verliehen, kann man schon die Frage stellen, warum der Faustball inzwischen als Randsportart arg aus dem Blickfeld verschwunden ist. Verbindet er doch sportliche Grundvoraussetzungen, wie Kondition, Spritzigkeit und Reaktionsschnelligkeit mit Ballgefühl und Teamfähigkeit.

Heiße Duelle

Und schließlich ist es noch gar nicht allzu lange her, als mit dem TV Eibach und dem TSV Roth beispielsweise auch zwei regionale Mannschaften das nationale Geschehen mitbestimmten und sich heiße Duelle vor hunderten Zuschauern lieferten. Einer, der diese Hochzeiten des Faustballs maßgeblich mitgeprägt hat, ist inzwischen Trainer beim männlichen Eibacher Nachwuchs, der die Finalrunde um die deutsche Meisterschaft verpasste.

Der Faustball teile das Schicksal vieler Sportarten abseits des omnipräsenten Fußballs, meint Uli Schneider. „In den Medien ist Faustball kaum noch präsent, dadurch ist es ganz schwer, Sponsoren zu gewinnen“, sagt der ehemalige Nationalspieler, der an zwei der zehn deutschen Weltmeistertitel seinen Anteil hatte. 1990 in Österreich und zwei Jahre später in Chile trug er das deutsche Trikot und darf sich seitdem unter anderem Doppelweltmeister nennen.

Lukas Schneider bekam das Faustball­talent in die Wiege gelegt.

Lukas Schneider bekam das Faustball­talent in die Wiege gelegt. © Fotos: Sportfoto Zink


Neben dem vielerorts beklagten Nischendasein gehe es dem Faustball in Eibach wie so vielen anderen Vereinen auch, ganz gleich in welcher Sportart. „Es gibt viel mehr Möglichkeiten, Sport zu treiben, als früher, auch außerhalb der Vereine“, hat Schneider festgestellt. „Und viele Leute wollen eben für ihren Sport nichts mehr zahlen, keine Pflichten haben und keine Verantwortung übernehmen“, wie es in einem Vereinsleben eigentlich üblich sei. Um dieses und den Sport zu präsentieren und „am Laufen“ zu halten, bemüht man sich am Hopfengartenweg eben um Veranstaltungen wie die deutsche Meisterschaft. Diese dient auch den jungen Leuten als Ansporn, wie zwei Aktive bestätigen. Svenja Schröder (auf dem Gruppenbild die Zweite von rechts) und Lukas Schneider gehören zu den Nachwuchshoffnungen beim TV 03.

Beim Faustball gelandet

"Ich habe mit sechs Jahren nach einer Sportart für mich gesucht und bin dann eben beim Faustball gelandet“, erzählt die 14-jährige Schröder, die mit ihrer Mannschaft auf Rang zwei hinter Bayer Leverkusen landete, über ihren Werdegang. Bei Lukas Schneider war dieser wohl vorgezeichnet. „Meine ganze Familie hat Faustball gespielt, ich habe auch andere Sachen wie Tennis ausprobiert, aber Faustball ist meine Sportart, da bin ich erfolgreich“, sagt der 15-jährige Sohn von Uli Schneider und zugleich dessen Schützling auf dem Platz.

Alle bestätigen sie den Eindruck, dass die Faustballer eine kleine, aber feine Familie bilden. „Von Lehrgängen und Turnieren kennt man schon viele Spieler“, sagt Lukas Schneider. Und das setzt sich später offensichtlich so fort. „Die Gegenspieler von früher sehe ich jetzt als Trainerkollegen wieder“, so Uli Schneider, „es ist doch schön, wenn du 1000 Kilometer zu einem Turnier fährst und triffst viele bekannte Gesichter.“

Aus „lauter netten Leuten“ bestehe besagte Faustballfamilie, versichert Barbara Eberhard. „Geselligkeit und Spitzensport sind ganz nahe zusammen“, findet Uli Schneider. „Wir spielen Faustball, weil es eine geile Sportart ist“, sagen Svenja Schröder und Lukas Schneider im Brustton der Überzeugung. Da erzähle noch einer was von altmodisch . . . 

Mathias Hochreuther

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