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FCN: Schäfer-Ausfall als Ironie des Schicksals

Kapitän ereilt vor dem Saisonende auch noch das Verletzungspech - 10.05.2014 05:58 Uhr

Ein Kapitän im Krankenstand: Eine Schulterverletzung zwingt Raphael Schäfer zum Saisonaus.

Ein Kapitän im Krankenstand: Eine Schulterverletzung zwingt Raphael Schäfer zum Saisonaus. © Sportfoto Zink / MaWi


Wie eine solche Spielzeit enden könnte? Passend enden, wenn man es so nennen mag? Man könnte sich die absurdesten Dinge ausmalen, zum Beispiel, dass sich, zu allem Überfluss, noch der Kapitän verletzt, der einzige Spieler, der sich über ein Jahr lang konstant auf hohem Niveau präsentierte. Dass eine verunsicherte Mannschaft jetzt, im Kampf um ihre kleine letzte Chance, auch noch auf ihren einzigen Anführer verzichten muss. Aber erlaubt sich das Schicksal wirklich noch so eine letzte, perfide Laune?

Am Samstag tritt der 1.FC Nürnberg bei Schalke 04 an. Ohne seinen Kapitän. Der einzige Spieler, der sich über ein Jahr lang konstant auf hohem Niveau präsentierte, fällt aus; Torwart Raphael Schäfer erlitt eine Muskelverletzung in der linken Schulter, er wäre auch nicht dabei, würde sich Nürnberg entgegen aller Logik dieser Saison noch in die Relegationsspiele retten.

Wenn alles schiefläuft

Als die Nachricht am Freitagvormittag bekannt wurde, mutete das tatsächlich an wie eine Ironie des Schicksals – zum Abschluss einer Spielzeit, in der schieflief, was schieflaufen konnte, manchmal sogar etwas mehr.

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FC Schalke 04 gegen den 1. FC Nürnberg. Dieses Duell atmet Fußball, dieses Duell ist ein Mythos. In den frühen Jahren ihrer Geschichte sammelten Königsblaue und Rot-Schwarze Titel in Serie. Neun Jahre schmückten sich die Traditionsvereine, deren Fans eine intensive Freundschaft pflegen, gemeinsam mit dem Etikett Rekordmeister. Seitdem ist viel passiert. Die besten Bilder – von den 60er Jahren bis in die Jetzt-Zeit. Die besten Bilder zu einer Begegnung, die keine Worte oder Erklärungen braucht.


Eine Mannschaft, die sich im Herbst gefunden zu haben schien und spielerisch überzeugte, gewann trotzdem kein einziges Mal, man sah absurde Spielverläufe und – besonders bei den Gala-Auftritten in Mönchengladbach (1:3) und Hannover (3:3) – seltsame Schiedsrichterentscheidungen. Als man, im Winter, das Pech abgeschüttelt zu haben schien, kehrte es im Umweg über Kreuzbänder, Mensiken, Muskelfasern und anderweitige diffizile anatomische Gemeinheiten zurück. Nacheinander fielen mittel- bis langfristig aus: Emanuel Pogatetz, Makoto Hasebe, Daniel Ginczek, Timothy Chandler, Timo Gebhart, Per Nilsson, Ondrej Petrak, Markus Feulner – jeder Einzelne ein potenzieller Stammspieler, gemeinsam fast eine ganze Mannschaft.

Jetzt fehlt auch noch der Kapitän und ist keine Mannschaft mehr übrig – schon länger nicht, die Niederlagenserie des Frühjahrs 2014 hat Spuren hinterlassen; wer wissen will, wie es aussieht, wenn der Mut ein Team verlassen hat, kann auf den 1.FC Nürnberg schauen. Das Tor hütet am Samstag – in seinem achten Bundesligaspiel – Patrick Rakovsky, ausgebildet in der Jugend des FC Schalke, aber es ist nicht die Zeit für nette folkloristische Randnotizen. Vor Rakovsky verteidigt Tobias Pachonik in seinem zweiten Bundesligaspiel, beide kennen sich gut aus dem Nürnberger Regionalligateam, wo normalerweise auch Mirko-Antonio Colak spielt. Der Stürmer ist auf Schalke zum sechsten Mal in der Bundesliga dabei, vielleicht erstmals von Beginn an.

Kehrt Hasebe zurück?

Mit Javier Pinola, Timothy Chandler und Marvin Plattenhardt sind drei Etablierte gesperrt, etwas Halt könnte dem auf Improvisationskunst basierenden Team möglicherweise Makoto Hasebe geben; die Überlegung, den Kapitän der japanischen Nationalmannschaft erstmals in der Rückrunde wieder einzusetzen, gibt es, obwohl Hasebe – eigentlich – noch nicht in bester körperlicher Verfassung ist.

Raphael Schäfer spielte beim VfB Stuttgart, als Nürnberg 2008 zum bisher letzten Mal abstieg, am letzten Spieltag nach einem 0:2 gegen Schalke 04. Jetzt ist es wieder der letzte Spieltag, wieder ist Schalke 04, das um die Champions League kämpft, der Gegner. Raphael Schäfer ist gar nicht dabei, wenn er erstmals mit Nürnberg absteigt. Irgendwie kam am Ende noch einmal alles, wie es offenbar kommen musste.

Nürnberg: Rakovsky; Pachonik, Nilsson, Pogatetz, Hlousek – Kiyotake, Feulner, Hasebe, Frantz – Drmic, Colak. 

VON HANS BÖLLER

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