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FCN: Schießt sich Ishak zurück ins Nationalteam?

Angeblich beobachtete Schwedens Nationaltrainer den Doppelpacker - 27.11.2017 05:56 Uhr

Traf in Braunschweig vor den Augen von Schwedens Nationaltrainer doppelt: Club-Angreifer Mikael Ishak. © Sportfoto Zink / DaMa


Nicht jede Bestmarke löst eine innere Unruhe bis hin zu Schlafstörungen aus. Mikael Ishak schien sich zuvor auch gar nicht damit beschäftigt zu haben, was ihm am Samstagnachmittag so alles gelingen konnte. Selbst als es amtlich war, bedeuteten ihm die drei Punkte mehr als sein neuester, für den Verein wenig schmeichelhafte Titel: "Schütze des 1000. Nürnberger Tores in der Zweiten Liga".

Dass er 14 Minuten später auch noch das 1001. folgen ließ in Braunschweig, hat ihn nur beschäftigt, weil es der 3:2-Endstand war. Wie er die Flanke von Ondrej Petrak ins hintere Eck beförderte, nötigte auch seinem Trainer höchsten Respekt ab. "Gewollt" sei der Kopfball seines Mittelstürmers gewesen, und zwar: genau so. Mit der linken Schläfe in hohem Bogen über den fast zwei Meter langen Jasmin Fejzic hinweg. Ein auch wegen des Vorlagengebers fast surreal anmutender Treffer. Aber eben auch ein ausgesprochen schöner.

Elfmal durfte sich Mikael Ishak im bisherigen Rundenverlauf bereits feiern lassen, damit steht er seit dem Wochenende an der Spitze der sogenannten Torschützenliste. Elfmal jagte, schob oder köpfte er die Kugel mit seinem ersten Ballkontakt ins Netz. Anders als sein Vorgänger namens Guido Burgstaller, der vor seinen Abschlüssen gerne erst mal vier, fünf Mann stehen ließ, konzentriert sich der Schwede auf das Wesentliche. Er ist einfach da, wenn man ihn braucht.

Nationaltrainer auf der Tribüne

Vergleiche mit dem unvergleichlichen Marek Mintal verbieten sich schon wegen der jeweiligen Rolle. Das "Phantom" schlich sich gerne im Rücken seines Stoßstürmers heran, während Ishak ganz vorn für Betrieb sorgen soll. Weil ihm das seit ein paar Monaten erstaunlich gut gelingt, interessiert sich jetzt neuerdings sogar der schwedische Nationaltrainer für ihn. Wie die Bild-Zeitung erfahren hat, wird Janne Andersson künftig "Sonderbeobachter" schicken, um den Nürnberger, nun ja, zu beobachten. Nach Braunschweig soll Andersson höchstpersönlich gereist sein, Sportvorstand Bornemann will ihn auf der Tribüne erkannt haben.

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Wenn Ishak so weitermacht, davon ist er überzeugt, wird er seine Chance kriegen in der Landesauswahl, so eine Quote haben schließlich nicht viele, erst recht nicht viele Schweden, die traditionell besser verteidigen können als angreifen. Dass er "nur" in der Zweiten Liga für Aufsehen sorgt, muss nicht viel heißen. Auch sein Vereinstrainer schwärmt in den höchsten Tönen vom Winterzugang, der im Januar mit einem dicken Knöchel in Nürnberg ankam und Monate brauchte, bis er wieder halbwegs schmerzfrei üben konnte. Eine Sommer-Vorbereitung später zählt Ishak zu den besten, weil effizientesten Stürmern im deutschen Unterhaus. "Er ist in jedem Training 100-prozentig konzentriert", lobt der Trainer besonders die Einstellung seiner Nummer neun, die auch konditionell enorm zugelegt hat.

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"Es läuft bei mir gerade", findet Ishak, am Samstag lief es sogar bei der ganzen Mannschaft, die doch etwas mehr zu bieten hat als die Elf auf dem Feld. Tobias Werner, Ondrej Petrak und sogar Laszlo Sepsi nach fast zehn Monaten Zweitliga-Abstinenz trugen jeweils einen nicht unerheblichen Teil zum Erfolg bei. Weil die sogenannten Ergänzungsspieler so gut funktionierten nach dem 1:2, widmete Köllner den Sieg kurzentschlossen den Profis abseits des Rampenlichts. "Man hat heute gesehen, was es wert sein kann, wenn man eine starke Bank hat", meinte Köllner. Wobei er vor der Dienstreise nach Braunschweig selbst nicht so genau gewusst haben dürfte, wie stark seine Bank diesmal tatsächlich sein wird.

Wie es ist, zuschauen zu müssen, kann auch Mikael Ishak erzählen - der bereits als Fehleinkauf galt, mittlerweile aber von fast unschätzbarem Wert ist für seinen Club. "Wir sind heute sehr stark zurückgekommen", fand Ishak, auch er, der nur fünf Abschlüsse hatte in 90 Minuten. Zweimal lag die Kugel danach hinter der Linie. "Ich bin Stürmer, ich will immer ganz oben stehen", sagt Ishak, in der Tabelle mit dem 1. FC Nürnberg, natürlich auch in der sogenannten Torschützenliste. Ein bisschen eitel ist er schon auch. Aber nur, solange die Mannschaft davon profitiert.

"Jetzt steht er erst mal in den Geschichtsbüchern", fiel auch Hanno Behrens auf, als Schütze des 1000. Nürnberger Zweitliga-Tores. Ishak nahm den Eintrag gerne mit, strahlte aber ausschließlich wegen des 3:2-Sieges. "Tore zu schießen und zu gewinnen", sagte der Mann des Tages noch, "das ist das beste Gefühl im Fußball." Und extrem motivierend. 

Wolfgang Laaß

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