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FCN: Schlüsselbein bricht, doch die Abwehr hält

Die Duelle zwischen dem Club und dem Karlsruher SC hatten es in sich - 19.09.2014 08:59 Uhr

War beim letzten Erstliga-Erfolg des 1. FC Nürnberg gegen Karlsruhe dabei: Steff Reisch (dritter von links) glaubt, dass der nächste Erfolg auch noch lange auf sich warten lässt - zumindest in der Bundesliga.

War beim letzten Erstliga-Erfolg des 1. FC Nürnberg gegen Karlsruhe dabei: Steff Reisch (dritter von links) glaubt, dass der nächste Erfolg auch noch lange auf sich warten lässt - zumindest in der Bundesliga. © Ulrich


"Trotz aller Blessuren, trotz des Schweißes, trotz der Müdigkeit, die sich in diesen Minuten nach Spielende bleiern auf die Glieder legte, trugen sie alle einen Glanz der Freude im Gesicht, so, als sei ihnen die schönste Bescherung widerfahren", schrieben die Nürnberger Nachrichten am 3. April 1967. Was war passiert: Der Club reiste zwei Tage vorher als Tabellenfünfzehnter zum Schlusslicht nach Karlsruhe und nahm zwei Zähler mit nach Franken.

Dabei schien im Wildpark die Abstiegsgefahr für den Club noch ein großes Stück anzuwachsen: Der KSC war haushoch überlegen, die Berichterstatter notierten 20 Torchancen, 17 davon für die Hausherren. Auch für den Spielverlauf fand der Berichterstatter damals sehr eingängige Worte: "Ferschl geht in die Knie, Hilperts Schlüsselbein zerbricht, aber die Abwehrreihe hält."

Neben den lädierten Feldspielern war es insbesondere Torhüter Gyula Toth, der am 27. Spieltag der Saison 1966/67 im Fokus stand. Als Ersatz des Ersatzes – sprich als Nummer drei hinter Roland Wabra und Horst Dieter Strich – hielt der Ungar alles, was auf seinen Kasten flog. Vorne reichte eine Koproduktion der beiden "Heinzelmänner": Heinz Müller setzte in der 74. Minute zum Sololauf an und flankte anschließend zu Heinz Strehl, der mit einem platzierten Kopfball für das Tor des Tages sorgte.

"Man leidet"

Stefan "Steff" Reisch, damals ebenfalls für den Club in Karlsruhe dabei, erinnert sich zwar nicht mehr an Details, kann sich aber noch an die Momente nach Spielende erinnern: "Freude, große Freude, das war damals mein vorherrschendes Gefühl", erzählt er. Der heute 72-Jährige blickt auch ein wenig sentimental zurück: "Damals haben einige mitgewirkt, die heute leider schon verstorben sind."

Am Ende der Saison hielt Reisch mit dem Club souverän die Klasse, verließ anschließend jedoch den Verein, weil er mit Trainer Max Merkel so manchen Disput hatte. Trotz schöner Jahre im Ausland unterstreicht der Meisterspieler von 1961: "Mein Verein war der Club und ist auch heute noch der Club." Reisch, bis vor ein paar Monaten Besitzer eines Schreibwarengeschäfts, geht nach wie vor zu jedem Heimspiel und macht sich derzeit große Sorgen. "Man leidet", so sein Kommentar zur aktuellen Lage.

Zu seiner aktiven Zeit stellte sich die Gesamtsituation wesentlich rosiger dar: Ein Jahr nach dem Abschied des Mittelfeldspielers ging sogar die Meisterschale zum bis dato letzten Mal nach Nürnberg. Abzusehen war das in jenen April-Tagen 1967 laut Reisch jedoch noch nicht. Von solchen fast schon filmreifen Happy Ends konnten die Protagonisten der Spielzeit 1993/94 nur träumen:

Während Karlsruhe im Spitzenfeld der Liga munter mitmischte, lautete die harte Realität beim Club ein weiteres Mal Abstiegskampf. Den schienen die Mannen von Rainer Zobel am 5. März 1994 jedoch gut angenommen zu haben, durch Sergio Zarate und Alain Sutter gingen sie zweimal (4. und 61. Minute) in Führung, gaben diese aber jeweils aus der Hand und zogen mit 2:3 den Kürzeren. Am Ende der Spielzeit drückte der Club den Fahrstuhlknopf in Richtung Unterhaus.

Nicht überliefert ist, ob Zobel im Vorfeld der Begegnung seinen Schützlingen vom 8. Mai 1982 erzählt hatte. Wenn nicht, so hätte jene Partie dennoch Vorbildcharakter im denkbar schlechtesten Sinne gehabt: Auch an besagtem Datum ging der Club nach wenigen Minuten in Führung, Werner Heck durfte sich als Torschütze feiern lassen. Den zwischenzeitlichen Ausgleich (56.) beantwortete Horst Weyerich in der 66. Minute per Foulelfmeter mit dem 2:1, das die Karlsruher durch einen späten Doppelschlag zwischen der 87. und 89. Minute aber wieder vergessen machten.

Club-Coach Udo Klug schäumte: "Wenn man in den letzten 180 Sekunden nicht einmal in der Lage ist, wenigstens ein Unentschieden zu holen, obwohl man die Zeit hat, den Ball zu halten, dann ist das Dummheit."

Ein Zauberer

Die Männer von 1967 haben in jenem Jahr wohl eines nicht geahnt: Ihr damaliger 1:0-Erfolg war der bis heute letzte Sieg des 1. FCN in einem Erstligaduell in Karlsruhe – und wird es, glaubt man Reisch’ Einschätzung, wohl auch länger bleiben. Der aktuelle Trainer Valérien Ismaël "wäre ein Zauberer, wenn er mit dieser Mannschaft den Aufstieg schafft". Ismaël indes kann als Mutmacher zumindest die Zweitligabilanz zu Rate ziehen: Die weist zwei Nürnberger Siege in zwei Duellen im Wildpark aus.

Vielleicht tragen die Nürnberger am Sonntag ja nach dem Schlusspfiff wieder den Glanz der Freude im Gesicht. 

STEFAN WÖLFEL

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