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Fränkisches 12-Punkte-Wochenende: Part I

Selbsterfüllende Vorhersagen zu richtungsweisenden Begegnungen - 06.03.2013 13:33 Uhr

Nürnberg   - In zwei Partien sind nach gängiger Meinung sechs Zähler zu vergeben. Wenn am Freitag der Club in Augsburg die 24. Runde eröffnet und das Kleeblatt tags darauf gegen Hoffenheim nachzieht, stehen mit Blickrichtung Klassenerhalt die doppelte Punktezahl auf dem Spiel. Launige Ticker-Einträge sind bereits vorgeschrieben.

Hiroshi Kiyotake lässt Tobias Werner stehen, der Club siegt in Augsburg 3:2.
Hiroshi Kiyotake lässt Tobias Werner stehen, der Club siegt in Augsburg 3:2.
Foto: Zink
Hiroshi Kiyotake lässt Tobias Werner stehen, der Club siegt in Augsburg 3:2.
Hiroshi Kiyotake lässt Tobias Werner stehen, der Club siegt in Augsburg 3:2.
Foto: Zink

Augsburg, 20.25 Uhr: Stadionsprecher Ralf Störmann verkündet, dass die Begegnung mit zehnminütiger Verspätung angepfiffen wird. Der Grund: die meisten Gästefans fehlen. “Ankunft verzögert, reinschscheißt, so nicht, Freunde“ – schlecht zu verstehen…


20.26: Aha! Dreiviertel der Club-Anhänger, die sich in Heerscharen nach Bayerisch-Schwaben aufgemacht haben, haben ihren Weg nicht in die SGL-Arena gefunden. Der Großteil fragt sich gerade, warum in der Rosenau kein Licht brennt.


20:27: Andere Rot-Schwarze haben es mit: „Ist da jemand der Seinsch heißt“-Scherzen übertrieben, vom knorrigen FCA-Präsidenten zurecht Hausverbot erhalten. Bei vier Bussen erwies sich die Navi-Eingabe “Fuckerstadt“ wenig zielführend. Sie wurden zuletzt vor zwei Stunden auf dem Parkplatz eines Sieben-Etagen-Puffs in der Nähe von Remscheid gesehen.



20.35: Die Geldstrafe, die Disco-Rüpel Timo Gebhart kassiert hat, zeigt erste positive Effekte. Ein kurzerhand gechartertes Flugzeug, das auf der B17 landet, bringt die Rotlicht-Vermissten aus Remscheid bis auf wenige Ausnahmen rechtzeitig ans Ziel ihres Verlangens.


20:41: Handgestoppte 24 Sekunden sind absolviert. Der FCA geht in Front. Ein Déjà-Vu nicht nur für Javier Pinola. Nürnbergs einzig wahre “Platte“, die statt Marvin Plattenhardt links in der Viererkette verteidigt, wirft nach einem unkontrollierten Augsburger Befreiungsschlag weit ein. Nahe der Sechzehnermarkierung steht nicht der verletzte Marcos Antonio, sondern Sascha Mölders. Von der gebrochenen, erneut ungeschützten Nase des Golagetters prallt der Ball über die Linie.


20:42: Das Organ, das seinen Torriecher beinhaltet, ist auf das fünffache seiner eigentlichen Größe angeschwollen - Mölders muss vom Feld. Für Augsburgs Torgaranten übernimmt ein Spieler, dessen Einwechslung vom mittlerweile gut gefüllten Gästeblock frenetisch gefeiert wird. Mensch Leute, das ist nicht Arie Haan! Der Mann heißt André Hahn, Augsburger Winter-Zugang aus Offenbach.


21:08: Der Club ist mittlerweile aufgewacht. Auch von der Pressetribüne gut ersichtlich: Hanno Balitsch streckt und reckt sich genüsslich.


21:12: Der in den ersten Spielminuten schlafmützige FCN intensiviert seine Offensivbemühungen nun deutlich, verzeichnet prompt den ersten Hochkaräter. Chandler geht auf rechts energisch durch und flankt ins Zentrum. Pekhart kann dem Leder nicht ausweichen, befördert es aus der Nahdistanz an die Unterkante der Latte. Von dort springt der Ball ins Feld zurück - Wembley-Tor in Augsburg, denkt sich Meute fränkischer Pessmisten im Gästeblock.

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21:17: Die Partie gestaltet sich zusehends als Duell auf Augenhöhe. Nürnberg drängt  vehement nach vorne, auch wenn das zugegebenermaßen nicht nach BVB aussieht. Doch der FCA verteidigt aufmerksam, zeigt selbst nach vorne gefällige Ballstafetten. Wo sind die Fäden, um den Spielfluss der Puppenkiste zu kappen? Timmy Simons fragt an der Seitenauslinie nach, Armin Reutershahn deutet unbestimmt in die Ferne.


21:19: Apropos Simons. Der Schiedsrichter verweigert dem Club eben einen glasklaren Elfmeter. Augsburgs Schlussmann hat den durchbrechenden Mike Frantz in guter alter Toni-Schumacher-Manier abgeräumt – im Sechzehner! Doch Frantz berappelt sich nach dem Horror-Crash langsam wieder - so isser halt, dafür liebt man ihn in Nürnberg. Die Unparteiischen dagegen lieben den Club eher selten - diesmal allerdings hat der Schiri eine nachvollziehbare Erklärung parat: Simons trifft aus elf Metern eh, langweilig.


21:24: Augsburg legt kurz vor der Pause nach: Eben forderten die Wiesinger-Schützlinge noch heißblütig Strafstoß, nun werden sie im Konter eiskalt abgespritzt. Koo schaltet nach Balleroberung blitzschnell um und setzt Ji ein, der aus 14 Metern halblinker Position vollstreckt. Von Dortmund aus unterstützte Plagiatsvorwürfe verhallen ungehört: Die Hauptprotagonisten des zweiten FCA-Treffers sind keine bayerischen Chinesen, sondern schwäbische Südkoreaner. Schade eigentlich.


21.32: In einer Redaktionsstube feiert Tilmann Mehl, "Lohnschreiber" der Augsburger Allgemeinen, die Halbzeitführung mit einer Litschi-Bionade. In seine Freude mischt sich jedoch mehr als nur ein Wermutstropfen. Das unangenehme Gefühl, kein Club-Trikot zu besitzen und die Angst, dass die Partie noch nicht entschieden ist, nagen an ihm und seinen Nerven.


21:41: Michael Wiesinger reagiert auf den Zwei-Tore-Rückstand in Durchgang zwei mit Robert Mak, der anstelle von Esswein für Belebung sorgen soll, Kiyotake rutscht nach links. Augsburg ist bis auf vier Punkte dran am Club. Hintergrund des Wechsels: Der Slowake, der die zweite Woche in Folge miserabel trainiert hat, soll dann halt auf dem Platz zeigen, was er kann.

Robert Mak bekommt von Armin Reutershahn einen Auftrag, den er in der zweiten Hälfte auch erfüllt.
Robert Mak bekommt von Armin Reutershahn einen Auftrag, den er in der zweiten Hälfte auch erfüllt.
Foto: Sportfoto Zink / DaMa
Robert Mak bekommt von Armin Reutershahn einen Auftrag, den er in der zweiten Hälfte auch erfüllt.
Robert Mak bekommt von Armin Reutershahn einen Auftrag, den er in der zweiten Hälfte auch erfüllt.
Foto: Sportfoto Zink / DaMa


21:46: Wenig los in Bayerisch-Schwaben. Der Club findet keinen Zugriff. Kiyotake bleibt abseits von ruhenden Bällen blass. Über rechts macht Chandler zwar weiter Dampf. Über links kommt allerdings wenig. Pinola und sein Berater verhandeln mit FCN-Sportvorstand Martin Bader an der Seitenauslinie parallel über einen neuen Vertrag.


21:55: Augsburg verwaltet nicht nur die Führung. Der FCA hat jetzt die Möglichkeit zur Vorentscheidung. Hahn entscheidet sich frei vor Schäfer für die niederländische Staatsbürgerschaft, eine Trainertätigkeit beim FCN in der kommenden Saison und einen “Rückpass“ auf Nürnbergs Nummer eins.


22:05: Der Club ist dran: Mak nimmt Jan-Ingwer Callsen-Bracker mit ins Karussell, geht am hüftsteifen FCA-Verteidiger mit dem Doppel-Doppelnamen erst rechts, dann links vorbei. Dann stoppt er, dreht sich um und narrt den inzwischen zurückgeeilten Callsen-Bracker erneut, tunnelt erst ihn und anschließend FCA-Keeper Amsif – 1:2!


22:18: Nürnberg will den Ausgleich. Augsburg verpasst es bei Tempogegenstößen, den Sack zuzumachen. Letzeres rächt sich. Nach einem Foul von Callsen-Bracker am eingewechselten Kanazaki schnappt sich Kiyotake die Kugel. Aus immenser Distanz, 45 Meter linkes Halbfeld, bringt Nürnbergs Standardspezialist den Ball mit viel Effet in den Gefahrenbereich. Alle Augsburger konzentrieren sich auf den aufgerückten Timm Klose, der das Spielgerät auch in die Maschen verlängern will. Da aber weder Klose noch seine Gegenspieler an den Ball kommen, flutscht dieser unberührt ins Tor. Kollege Eberle liegt halt auch nicht immer mit allem richtig.


22.22: Dabanli wird für Nilsson eingewechselt, um den Punkt abzusichern. Doch der Innenverteidiger taucht bei einer Ecke mit vorne auf. Mit dem Rücken zum Gehäuse der Gastgeber bleibt ihm nur die Möglichkeit, abzulegen oder mit der Hacke abzuschließen. Mit letzterem Vorgehen hat der Deutsch-Türke Erfolg. Der Stadionsprecher spielt den Cat-Stevens-Klassiker: “My Lady Dabanli“. Nürnberg feiert, Augsburg – als fairer Verlierer – applaudiert.


22.30: Kurz darauf ist Schluss. Die Club-Fans feiern, die Augsburger verlassen in Scharen das Stadion. Nur einer bleibt sitzen: In seiner Redaktionsstube flucht Tilmann vor sich hin, spült den Frust mit noch mehr Litschi-Bionade runter und sinniert schon über das nächste schwäbisch-fränkische Duell - und wie er auch dann bei den Nürnbergern für Motivation sorgen kann. Wir freuen uns drauf! 

apö


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Titel, Tränen und Triumphe: Der 1. FC Nürnberg blickt auf eine bewegte, mittlerweile über 113-jährige Geschichte zurück. Seine größten Erfolge feierte der Club in den "goldenen" 20er Jahren, als alleine fünf der insgesamt neun Meisterschaften gelangen. Bis in die 60er Jahre gehörte der Verein zu den ganz großen Namen des deutschen Fußballs. Doch mit dem erstmaligen Abstieg aus dem Oberhaus 1969 begann ein jahrzehntelanges Tief. Abstiege und Skandale prägten den Verein, der sich in dieser Zeit den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft verdiente und 1996 gar in die drittklassige Regionalliga abstürzte. Erst im neuen Jahrtausend konsolidierte sich der Verein und knüpfte mit dem DFB-Pokalsieg 2007 an alte Zeiten an - sehr zur Freude der treuen und großen Anhängerschaft des FCN.

Deutscher Meister: 1920, 1921, 1924, 1925, 1927, 1936, 1948, 1961, 1968

DFB-Pokalsieger: 1935, 1939, 1962, 2007

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