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Funkkontakt nun erlaubt: So geht der FCN damit um

Tribüne und Bank dürfen jetzt kommunizieren - Club hofft auf Wettbewerbsvorteil - 31.07.2018 15:10 Uhr

Wollen den Club taktisch noch flexibler machen: Die Co-Trainer Fabian Adelmann (li.) und Boris Schommers arbeiten Michael Köllner zu. © Sportfoto Zink / JüRa


Für Tim Leibold und Enrico Valentini dürften die Zeiten mit Beginn der Bundesligasaison noch härter werden. Michael Köllner gluckst tatsächlich ein bisschen, als er davon erzählt, wie das so ist für seine Außenverteidiger während eines Fußballspiels. Je eine Halbzeit verbringt entweder Valentini oder Leibold den Spielregeln geschuldet ganz nahe an der Trainerbank.

Und weil auf dieser Trainerbank mit Köllner ein nicht unbedingt mundfauler Trainer sitzt, müssen Leibold und Valentini mitunter dreierlei erledigen: Die Defensive sichern, die Offensive ankurbeln und dann noch das, was Köllner so zur Taktik und zum Leben im Allgemeinen einfällt, verarbeiten. "Da holt man sich eben den Spieler heran, der gerade in der Nähe steht", sagt Köllner und meint die Außenverteidiger. Ein pures Vergnügen ist das eher nicht, wahrscheinlich sogar harte Arbeit – und die wird noch mehr, nach allem, was man so hört in Natz.

Adelmann schaut genau hin

Seit dieser Saison erlaubt die Deutsche Fußball-Liga, was bislang höchstens im Verborgenen stattgefunden hat: Den Funkkontakt zwischen Tribüne und Bank. Das Trainerteam darf sich von oben Ratschläge holen. Das heißt natürlich nicht, dass ab sofort Fans, die schon ab der 18. Minute die Auswechslung des lauffaulen Stürmers fordern, noch mehr Einfluss bekommen – die hört man da unten ja sowieso schon gut genug.

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Seit dieser Saison setzen sie beim Club einen Co-Trainer oben auf die Tribüne, wo man einfach einen besseren Blick hat auf das taktische Geschehen als unten am Spielfeldrand, wo doch alles einigermaßen turbulent zugeht. Beim Club übernimmt diese Aufgabe Fabian Adelmann, seit dieser Saison neben Boris Schommers der zweite Co-Trainer an Köllners Seite. Er soll helfen, den Club noch flexibler zu machen in taktischer Hinsicht.

"Ich weiß, was Michael sehen möchte"

Er hat den Job auch deshalb bekommen, weil Köllner jemanden gesucht hat, der seine Idee vom Fußball schon verinnerlicht hat. "Ich weiß, was Michael sehen möchte und welchen Fußball er spielen lassen will", sagt Adelmann, der Köllner schon assistiert hat, als der noch für die vereinseigene U21 zuständig war. Nun ist er ihm zu den Profis gefolgt – und soll da helfen, die Neuerung zu einem Wettbewerbsvorteil zu machen.


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Genau den erhoffen sie sich in Nürnberg nämlich mit Blick auf die bald beginnende Erstliga-Spielzeit. Hoffenheim und Schalke hätten in der Vorsaison schon von ihrer taktischen Flexibilität profitiert, glaubt Köllner, und so am Ende Tabellenplätze belegt, die man ihnen mit Blick auf das spielerische Potenzial vorab vielleicht nicht zugetraut hätte. So hoch hinaus wird es für den Club eher nicht gehen, die Wettbewerbsfähigkeit aber könnte gestärkt werden durch die neuen Möglichkeiten, hofft Köllner. "Du kannst eher über das gewohnte Prinzip und deine individuelle Klasse gehen", sagt Köllner, "oder du sagst, das reicht nicht ganz."

Sich und den finanziell schwächlich daherkommenden Club sieht er sehr realistisch in der zweiten Kategorie zu Hause. Die Hilfe von oben und die dadurch gesteigerte taktische Flexibilität soll ihr Trumpf werden. "Wir haben einen Vorteil, weil wir unsere Spieler auf einem hohen taktischen Niveau ausgebildet haben", sagt Köllner. "Taktisch noch interessanter", glaubt er, wird das Spiel durch diese Neuerung. Weil man "von oben mannschaftstaktische Dinge einfach besser erkennt", ergänzt Schommers.

Vorteil in der Umstellungsphase

In der Praxis soll das dann so aussehen, dass Adelmann von oben nach unten gibt, was ihm auffällt: wie steht der Gegner, welchen Weg sucht er nach vorne, wo versperrt er dem Club Räume – solche Dinge. Unten am Empfänger sitzt Schommers. Der soll die Informationen filtern und sie weitergeben an Köllner, der dann die Entscheidung trifft, ob etwas verändert wird oder nicht. "In der Umstellungsphase hast du immer einen Vorteil", sagt Köllner – weil es dauert, ehe der Gegner seinerseits reagiert.

Wie sie kommunizieren, wissen sie noch nicht. Handys haben in Stadien zu selten Empfang, taugen also eher nicht. Sie haben in der Vorbereitung auch schon versucht, über Walkie-Talkies miteinander zu reden. Beim Testspiel in Seligenporten haben Schommers und Adelmann so aber auch die interne Kommunikation von Polizei und Bratwurstständen mitanhören können. "Das war interessant", sagt Schommers – zielführend war es nicht.

Bis zum Saisonstart wollen sie das richtige System gefunden haben – und dann während der Saison am liebsten schweigen. "Wenn dein Matchplan aufgeht, brauchst du gar nicht reden", sagt Schommers. Enrico Valentini und Tim Leibold werden das gerne hören. 

Fadi Keblawi

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