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Fürth-Präsident Höfler: "Bin ein harmoniesüchtiger Mensch"

Das neue Kleeblatt-Oberhaupt hat sich viel vorgenommen - 08.08.2018 17:21 Uhr

Will in den Dialog mit den Fans und dem Verein gehen: Fürths neuer Präsident Fred Höfler. © Sportfoto Zink / JüRa


Herr Höfler, nicht wenige Kleeblatt-Fans fremdeln auch nach 22 Jahren mit dem Wort "Greuther" im Vereinsnamen. Wird es mit dem Weggang Hacks verschwinden?

Fred Höfler: Auch ich halte es für unglücklich, wenn Fernsehreporter von den "Greuthern" sprechen. Für mich als Fürther ist es immer "die Spielvereinigung" geblieben. Es gäbe qua Satzung große Hürden, das "Greuther" zu streichen, außerdem träfe man damit viele Fans, die über den TSV Vestenbergsgreuth zu Kleeblatt-Anhängern wurden. Es gibt Wichtigeres als das.

Wie sind Sie zum Fußball- und schließlich Kleeblatt-Fan geworden?

Höfler: Als Burgfarrnbacher habe ich zunächst dort und später in Veitsbronn Fußball gespielt und bin schon immer in den Ronhof gegangen. Die prägendste Zeit war in der Landesliga, als auch mein Sohn die Liebe zu diesem Verein entdeckt hat.

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Das war auch von den Zuschauerzahlen her die schwierigste Zeit. Wie erklären Sie sich, dass seit dem Bundesliga-Abstieg 2013 der Schnitt von 11926 auf zuletzt 9478 sank?

Höfler: Die Entwicklung beschäftigt mich natürlich. Ich habe mir vorgenommen, die Fans immer wieder zu ermutigen zu kommen, denn es gibt einige, die sich die Spiele in der Gastronomie oder im Wohnzimmer anschauen. Doch es hilft der Mannschaft ungemein, vor vollem Haus zu spielen. Klar, die vergangene Saison war nicht vergnügungssteuerpflichtig. Dass die Leute daheim bleiben, wenn es mal nicht so läuft, erlebt man aber auch in Nürnberg. Vielleicht tickt der Franke so, er neigt zum Defätismus. Ich aber lasse mich nicht entmutigen, ich habe Nehmerqualitäten.

Die werden Sie als Kleeblatt-Präsident auch brauchen. Fußball ist emotionaler als Bier.

Höfler: Das stimmt nicht, das Thema Bier ist genauso emotional. Die Liebe zu einer Biermarke ist ebenso wenig rational zu erklären wie die Hingabe an einem bestimmten Verein.

Bisher war der Präsident auch Geschäftsführer. Wird auch Fred Höfler viele Trainer entlassen?

Höfler: Nein, das macht in Zukunft die Geschäftsführung, wenn es nötig sein sollte. Dadurch sind wir gegen emotionale Entscheidungen besser gewappnet. Der Aufsichtsrat, dessen einfaches Mitglied ich nur sein werde, kann der Geschäftsführung diese Maßnahme nahelegen, wenn er es für angebracht hält. Aber unabhängig davon möchte ich die Macht des Präsidentenamtes reduzieren. Es geht darum, die Verantwortung zu verteilen.

Was bedeutet weniger Macht für den Präsidenten?

Höfler: Hack und Holger Schwiewagner waren als Mitglieder der Geschäftsführung auch im Präsidium. Schwiewagner ist als Vizepräsident zurückgetreten, ich werde nicht Mitglied der Geschäftsführung sein. Ebenso will ich nicht mehr, dass das Präsidium die Geschäftsführung ernennt oder abberuft, diese Befugnis werden wir in den Aufsichtsrat delegieren.

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Ein Geschäftsführer eines Unternehmens kann das, Macht abgeben?

Höfler: Natürlich wird es ab und zu, vor allem an Anfang, Situationen geben, in denen ich noch meine über Jahrzehnte gewohnten Entscheidungsreflexe anwenden möchte. Als Unternehmer kann man eben konkreter entscheiden, auch alleine. Im Verein muss man mehr moderieren. Wenn mir die Entscheidung eines Trainers nicht passt, bin ich auch nur Fan und bitte ihn schlimmstensfalls um ein Gespräch, in dem ich mir die Sichtweise des Fachmannes erklären lasse.

Wird sich auch die Zusammensetzung des Aufsichtsrats ändern?

Höfler: Nein, ich gehe davon aus, dass das Gremium die nächsten eineinhalb Jahre so zusammenbleibt. Dann ist die dreijährige Amtsperiode von Helmut Hack und mir vorbei.

Wie geht es danach weiter?

Höfler: Dann entscheiden meine Familie und ich, ob der Zeitaufwand so war, wie ich erwartet hatte, und ob ich das Gefühl habe, dem Verein etwas gegeben zu haben. Und zuallererst werden sich die Mitglieder fragen müssen, ob sie mit einem Präsidenten Fred Höfler weitermachen wollen.

Welche Themen wollen und müssen Sie angehen?

Höfler: Ich will schauen: Wo fehlt es an Transparenz, wo könnte man die Fans mehr mitnehmen, wie stärken wir das Wir-Gefühl? An meinem ersten Tag als Präsident saßen wir mit Fanvertretern zusammen. Da haben mich zum Beispiel die sehr ernsthaften und detaillierten Fragen der Ultras positiv überrascht. Ich muss zugeben, ich hatte vorher ein anderes Bild von den Ultras im Allgemeinen.

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Wie viel Führungsstil von Tucher wird man beim Kleeblatt sehen?

Höfler: Ich gehe in den Dialog, notfalls aber auch in den Dissens mit den Fans. Ich bin ein harmoniesüchtiger Mensch und versuche, ganz flache Hierarchien zu leben. So wünsche ich es mir auch im Verein. Ein Beispiel: Rachid Azzouzi muss als Sportdirektor ganz schnell entscheiden, wenn er einen Spieler angeboten bekommt. Dafür braucht er mehr Kompetenzen als bisher. Natürlich muss alles weiterhin wirtschaftlich konservativ sein, aber wir brauchen schnelle Reaktionsmöglichkeiten in diesem rasanten Geschäft.

So etwas scheint es bisher nicht gegeben zu haben.

Höfler: Ich glaube, weil bisher vieles auf Herrn Hack fokussiert war, müssen die Verantwortlichen jetzt beweisen, dass sie es auch ohne ihn können. Die Chance bekommen sie von mir. Sie sollen intern für ihre Überzeugungen kämpfen.

Wenn also Ihr Sportdirektor einen Spieler will, der allen zu teuer ist, dann soll es rauchen.

Höfler: Ja, ich mag Rachid Azzouzi sehr gerne und ich mag es, mit ihm zu diskutieren. Er hat ein Gespür für Spieler. Vielleicht holt er auch mal wieder einen, der länger hier bleibt, der günstig ist, in Fürth groß herauskommt, mit dem man sich identifizieren kann. Über allem steht, dass wir mit den kleinsten Etat der Liga haben. Da braucht es viel Geschick, gute Nerven, ein sehr gutes Netzwerk und natürlich eine große Portion Glück.

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Gibt es noch weitere Wünsche für die Zukunft?

Höfler: Ich möchte zum Beispiel, dass mehr Geld in Scouting und Trainer am Nachwuchsleistungszentrum investiert wird. Ich möchte mehr eigene Talente in der ersten Mannschaft sehen. Unsere DNA ist es, Ausbildungsverein zu sein.

Sie haben sich viel vorgenommen.

Höfler: Ja, denn ich möchte kein Grüßonkel sein. 

Interview: Martin Schano

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