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Fürth vor Dortmund-Duell: Wenn Azzouzi schwärmt

SpVgg-Geschäftsführer lobt den BVB-Fußball und ist das Duell von 2012 hinweg - 19.08.2018 15:46 Uhr

Planen den unwahrscheinlichen Pokal-Coup: Kleeblatt-Geschäftsführer Rachid Azzouzi (li.) und Trainer Damir Buric. © Sportfoto Zink / WoZi


Die Gesänge, die aus der Kabine der Gäste kamen, taten doppelt weh. "Torwartwechsel, Torwartwechsel, hey, hey", dröhnte es aus dem Dortmunder Umkleideraum im Fürther Ronhof. 2012 stand noch die alte Haupttribüne, alles lag eng beieinander. Und so konnte jeder mithören, wie die Spieler des BVB ihren Einzug ins Pokalhalbfinale hämisch feierten. Sie verstummten erst, als der damalige Manager und heutige SpVgg-Geschäftsführer Rachid Azzouzi in die BVB-Kabine ging. "Respekt" habe er eingefordert, erinnert er sich: "Viele ihrer Spieler haben sich damals nicht gut benommen."

Auch wenn die Niederlage bitter war – der fürs Elfmeterschießen eingewechselte Fürther Torwart Jasmin Fejzic hatte in der letzten Minute der Verlängerung einen abgeprallten Schuss von Ilkay Gündogan an den Rücken bekommen – überwiegt für Azzouzi im Rückblick das Positive. An den Rand einer Niederlage hatte der Zweitligist den späteren Double-Gewinner aus Dortmund gebracht.

Groll hegt Azzouzi nicht mehr. "Das ist vergessen. Letztlich war es eine Bestätigung dafür, wie schwer sich die Dortmunder getan haben." Eigentlich, habe er sich mit etwas Abstand gedacht, sei die Dortmunder Häme sogar ein Kompliment gewesen.

Azzouzi kommt ins Schwärmen

Schon allein, weil das Personal bei beiden Vereinen fast komplett gewechselt wurde, dürften die Animositäten, die durch die Schalker Vergangenheit von Fürths Trainer Mike Büskens und Spieler Gerald Asamoah befeuert wurden, am Montag keine Rolle mehr spielen. Auch der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp ist nicht mehr da. Dessen Anteil an der zuletzt wieder etwas stockenden Erfolgsgeschichte der Borussia in den vergangenen zehn Jahren (zwei Meistertitel, zwei Pokalsiege, Champions-League-Finale 2013), hebt Azzouzi besonders hervor: "Der BVB ist vor allem durch Jürgen Klopp zu einem Markenzeichen im deutschen Fußball geworden."

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Ein Markenzeichen, nicht nur wegen der Titel, sondern auch wegen der häufig attraktiven Spielweise. Azzouzi kommt darüber fast ins Schwärmen: "Ich sehe den Dortmunder Fußball inzwischen fast lieber als den der Bayern. Sie spielen mit Tempo und auf Tore. Das ist das, was mir im Fußball gefällt." Aus dem Mund des Kleeblatt-Geschäftsführers, der die momentane Entwicklung des deutschen Fußballs kritisch sieht, ist das ein hohes Lob.

Ein Tüftler auf der Trainerbank

Statt des bisweilen aufbrausenden Klopp, der Dortmund 2015 nach Liverpool verlassen hat, sitzt seit dieser Saison der grüblerische Tüftler Lucien Favre auf der Trainerbank. Schon nach den wenigen Wochen der Vorbereitung habe es Favre geschafft, der Mannschaft seine Handschrift zu verpassen, ist Kleeblatt-Coach Damir Buric überzeugt. Der Kroate hält viel von seinem Trainerkollegen: "Er lässt eine klare, dominante Art Fußball spielen. Seine Teams pressen im richtigen Moment, schalten im richtigen Moment um und stellen im richtigen Moment Kompaktheit her.“

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Für ausgeschlossen hält Buric es, dass es ein Vorteil für die Fürther sein könnte, dass es für Dortmund das erste Pflichtspiel der Saison ist – und sich die BVB-Spieler, darunter einige WM-Fahrer, erst im neuen System einspielen müssen. In den Testspielen des BVB gegen namhafte Gegner hat der Fürther Coach nichts beobachtet, was auf Dortmunder Anlaufschwierigkeiten hindeuten könnte. "Sie sind gut in Form. Irgendwelche Vorteile haben wir gegenüber so einer Mannschaft nicht“, sagt er. 

Nur einen Pluspunkt sieht Buric, der noch um den Einsatz seines von muskulären Problemen geplagten Kapitäns Marco Caligiuri bangt: Fürth hat ein Heimspiel. 15.500 Zuschauer werden im ausverkauften Ronhof erwartet, darunter 3000 bis 4000 Dortmunder. Die Fürther Fanszene plant eine Choreographie, die laut Verein die größte werden könnte, die es je im Ronhof gegeben hat. Erinnerungen schaffen, von denen man eine ganze Saison zehren kann – auch eine Aufgabe für die Fürther an diesem Flutlichtabend. 2012 klappte das einmalig gut – nach dem bitteren Nackenschlag im Pokal stieg die Spielvereinigung bekanntlich auf.  

Alexander Pfaehler E-Mail

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