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Geduldsprobe in Fürth: Abouchabaka braucht noch Zeit

Der Jugendnationalspieler muss seinen Ehrgeiz etwas bremsen - 26.01.2019 10:03 Uhr

Voller Ehrgeiz: Elias Abouchabaka will in der Rückrunde möglichst viel spielen © Sportfoto Zink / WoZi


Bei minus vier Grad steht Elias Abouchabaka in kurzen Hosen auf dem Kunstrasenplatz der SpVgg Greuther Fürth. Es ist der Tag nach dem Testspiel gegen den SV Sandhausen, Coach Damir Buric hat eine Übungseinheit angeordnet. Und es ist bitterkalt. Fast alle anderen Spieler haben lange Trainingshosen an. "Ich mag es nicht, wenn die Waden so abgeschnürt sind", erklärt Abouchabaka nüchtern.

Auch auf dem Platz ist er ein kreativer Freigeist. Der 18 Jahre alte Berliner ist ein Spielmacher, der aus dem Mittelfeld heraus die Stürmer mit den entscheidenden Pässen bedienen kann. Im Testspiel gegen den SV Sandhausen konnte man sich einen Eindruck von seiner exzellenten Technik machen: In der 83. Minute schlenzte er den Ball aus dem Lauf mit dem linken Innenrist ins lange Toreck. Man ahnte aber auch, warum man solche Szenen in der 2. Bundesliga von ihm noch nicht viele gesehen hat. Ein Hackentrick zu viel an der Mittellinie, etwas Nachholbedarf in Sachen Geschwindigkeit. Der Sprung von den U19-Junioren zu den Männern gilt nicht umsonst als der schwierigste.

"Ich bin aber halt jemand, der direkt loslegen will"

Für einen, für den es in der Jugend in Riesenschritten stets voranging und der dort Führungsspieler war, ist es aber erst einmal schwierig, damit umzugehen. Das gibt Abouchabaka offen zu. Er hatte das Gefühl, eine gute Vorbereitung gespielt zu haben, saß aber zunächst höchstens auf der Bank. Er habe das nicht immer verstanden, sagt er im Rückblick: "Ich bin jemand, der sehr ehrgeizig und zielstrebig ist. Klar wird oft gesagt, dass man als junger Spieler geduldig sein muss. Ich bin aber halt jemand, der direkt loslegen will."

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1:1 bei der Generalprobe: Frost, Pfützen und ein Remis im Kleeblatt-Test

Auf Betriebstemperatur wollten sie bei der SpVgg Greuther Fürth kommen - und haben sich deshalb genau eine Woche vor dem Auftakt in die Rückrunde in der 2. Bundesliga den SV Sandhausen zur Generalprobe eingeladen. Beim 1:1 wirkten gleich beide Neuzugänge der Spielvereinigung mit, zum Sieg reichte es wegen eines späten Treffers durch Kevin Behrens aber nicht. Hier sind die Bilder!


Die Verantwortlichen beim Kleeblatt rieten ihm, sich nicht zu sehr selbst zu blockieren. "Oft machen sich junge Spieler viel Druck. Unsere Aufgabe ist es, ihnen zu zeigen, dass alles im normalen Rahmen verläuft", sagt Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi. Und das sei bei Abouchabaka der Fall: "Das halbe Jahr war richtig gut, der Junge kommt aus der U19. Dass er schon so in der 2. Liga mithalten kann, ist mehr als erstaunlich."

Es ist nicht leicht, die Erwartungshaltung zu bremsen, die von außen an junge Spieler herangetragen wird. Als Abouchabaka ein Teenager ist, überweist RB Leipzig 250.000 Euro für ihn an seinen Ausbildungsverein Hertha BSC. Er ist damals 15 Jahre alt. Bei der U17-Europameisterschaft vor knapp zwei Jahren, wirbelt er mit der deutschen Nationalmannschaft bis ins Halbfinale und schafft es ins All-Star-Team des Turniers.

Alltag auf der "Tulpe"

In Fürth führt ihn der Alltag zu Saisonbeginn auf die "Tulpe" in Burgfarrnbach, wo die U23 des Kleeblatts viele ihrer Heimspiele austrägt. Abouchabaka fand das gut, sagt er: "So habe ich Spielpraxis bekommen." Überhaupt habe er mit der Leihe nach Fürth einen Schritt nach vorne gemacht: "Ich trainiere zum ersten Mal dauerhaft bei den Männern. Und ich kann in Ruhe arbeiten."

Nachdem er bei der U 23 gegen den SV Heimstetten oder die SpVgg Bayreuth gespielt hat (zwei Tore, zwei Vorlagen in acht Spielen), schien es ab November vergangenen Jahres so, als sei er auf dem Weg ins erweiterte Zweitliga-Team.

"So viel Einsatzzeit wie möglich"

"Ich habe im Training noch mal eine Schippe draufgelegt", erzählt Abouchabaka: "Ich war befreiter und habe mir keinen Kopf mehr gemacht." Die Belohnung: Erst schaffte er es wieder in den Zweitliga-Kader, dann stand er gegen Union Berlin eine halbe Stunde auf dem Rasen. Gegen Erzgebirge Aue kam die nächste Chance: In der 59. Minute wurde er eingewechselt. Doch nach fünf Minuten humpelte Abouchabaka schon wieder mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz. Die Diagnose: Bänderriss im Sprunggelenk.

Seit knapp einer Woche übt Abouchabaka wieder voll mit der Mannschaft. Nun gilt es, die Trainingsintensität weiter zu erhöhen. Es könnte also noch etwas dauern, bis er auch in der 2. Liga loslegen kann. "Klar erhoffe ich mir für das nächste halbe Jahr so viel Einsatzzeit wie möglich", sagt er. Dafür braucht es womöglich noch Geduld. Zeit dafür gibt es: Die Leihe von RB Leipzig nach Fürth ist auf zwei Jahre ausgelegt. 

Alexander Pfaehler E-Mail

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