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Gegentorflut und Sturmflaute: Die Kleeblatt-Krise in Zahlen

Besonders auswärts ist Fürth anfällig - Unruhe im Umfeld nimmt zu - 10.11.2017 20:34 Uhr

Fürther Frust: Das Kleeblatt kämpft in dieser Saison wohl gegen den Abstieg. © Sportfoto Zink / MeZi


Platz 17, empfindliche Niederlagen gegen direkte Konkurrenten und eine Auswärtsbilanz, die dem Fanbus förmlich das Benzin aus dem Tank saugt: Die Sorgen der SpVgg Greuther Fürth drohen sich vom Herbstblues zur ausgewachsenen Winterdepression zu entwickeln. Der Trainerwechsel von Janos Radoki zu Damir Buric im September hat dem Kleeblatt noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht, die Gründe dafür sind vielschichtig - statistisch gesehen stecken die Weiß-Grünen aber in einer prekären Lage.

Fürth ist die Schießbude der Liga. 26 Gegentore kassierte die SpVgg in den bisherigen 13 Partien, nur Heidenheim (25) hat eine ähnlich malade Hintermannschaft vorzuweisen. Vier mal in den letzten fünf Jahren stand das Team, das in der 2. Liga die meisten Tore kassierte, am Ende auch auf einem direkten Abstiegsplatz. Diesen Umstand Buric in die Schuhe zu schieben wäre allerdings zu einfach. Auch unter Radoki taten sich die Mannen in Weiß-Grün in dieser Spielzeit schwer. Vielmehr scheinen die Abgänge von Marcel Franke und Niko Gießelmann schwerer zu wiegen, als sich das Kleeblatt-Kaderplaner Ramazan Yildirim vorgestellt hatte.

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Janos Radoki beim Kleeblatt: Hoffnungsträger mit kurzer Haltbarkeit

Es hatte so gut begonnen: In der Saison 2016/17 übernahm der ehemalige Kleeblatt-Profi und Talentförderer Janos Radoki für Stefan Ruthenbeck auf der Trainerbank, stieg vom Interims- zum Chefcoach auf und verlängerte seinen Vertrag. Danach blieben allerdings die Ergebnisse aus - und der Verein zog nach einem verkorksten Saisonstart mit drei Niederlagen die Reißleine.


Wenn das Defensiv-Duo in der vergangen Saison unter Radoki in der Startelf stand, musste Fürth nur 0,54 Tore pro Spiel hinnehmen. Im Vergleich: In der laufenden Saison kassierte das Kleeblatt im Schnitt genau zwei Gegentreffer - ein Trend, der 2017/18 auch unter dem inzwischen beurlaubten Radoki (1,75 kassierte Tore pro Spiel) zu erkennen war. Fakt ist aber auch: Obwohl der neue Trainer später auch mit dem zuvor verletzten Richard Magyar planen konnte, der als Defensiv-Stabilisator aus Schweden gekommen war, verbesserte sich die Abwehr keineswegs.

Vor allen Dingen auf fremdem Platz wird das Fürther Defensiv-Dilemma klar. In Kaiserslautern zum Beispiel unterlief Fürths Keeper Balazs Megyeri beim Stand von 0:0 eine Flanke, Lautern-Stürmer Andersson nickte zur Führung für die Pfälzer ein. Von da an war Fürth verunsichert und völlig von der Rolle, verlor am Ende deutlich mit 0:3. Fünf Wochen später kämpfte sich das Team in Regensburg nach zweimaligem Rückstand wieder heran, unterlag den Oberpfälzern aber wegen eines unglücklichen Magyar-Eigentores.

Auswärts knickt das Kleeblatt ein

In jedem Auswärtsspiel, in dem Buric an der Fürther Seitenlinie stand, kassierte die SpVgg drei Tore. Das reicht in einer so ausgeglichenen und hochklassigen 2. Liga nicht, um regelmäßig auswärts zu punkten. Immerhin: An Laufbereitschaft mangelt es der Buric-Truppe nicht. Was die Laufleistung betrifft steht Fürth mit 1506 abgespulten Kilometern ligaweit auf dem zehnten Rang, das Spitzenduo Düsseldorf (1485 Kilometer) und Kiel (1467 Kilometer) liegt dahinter. Häufig verpasst es Fürth aber, diese Laufbereitschaft in Kampf und Willen umzusetzen - was die Fans im Ronhof auch mit Recht bemängeln.

Aber auch am anderen Ende des Feldes läuft Fürth der Liga hinterher. Schon in der vergangenen Saison reichte es nur zu 33 Toren, aktuell ist die Buric-Elf auf einem ähnlichen Kurs. Mit Robert Zulj, Veton Berisha, Sebastian Freis und Marcel Franke verlor das Kleeblatt vier seiner fünf erfolgreichsten Torschützen aus dem Vorjahr. Dazu steckt Serdar Dursun, 2016/17 noch Fürths Torgarant Nummer eins, in der Krise und ging in elf von zwölf Spielen leer aus. In Regensburg stand der Deutsch-Türke zuletzt gar nicht im Kader.

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Hoffnungsträger und Rückkehrer: Alle Trainer der SpVgg Greuther Fürth

Ja, im Fürther Ronhof ticken die Uhren ein wenig anders als in anderen Stadien der 1. und 2. Bundesliga. In jüngster Vergangenheit konnte sich kein Trainer wirklich lange behaupten, früher aber, da waren Trainerwechsel rar und das Polster auf der Trainerbank bequem - vor allem, wenn man Benno Möhlmann hieß. Wir blicken zurück auf alle Trainer der SpVgg Greuther Fürth.


Das alles hätten die Neuzugänge in der Offensive vielleicht kompensieren können: Philipp Hofmann, Nik Omladic, Manuel Torres, Julian Green, Roberto Hilbert und mehr. Aber wenn sie denn mal fit waren und im Kader standen, blieben sie häufig hinter den Erwartungen zurück - was wiederum die Frage aufwirft, ob sie denn tatsächlich fit waren. Interessant ist dabei, dass sich das Kleeblatt im Sommer bei allen drei Absteigern der vergangen Zweitliga-Saison bedient hatte. Vielleicht hätte Yildirim da schon ahnen können, in welche Richtung es geht.

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Seit dem Bundesliga-Abstieg 2013 mussten schon vier Kleeblatt-Trainer ihren Hut nehmen, das sonst so ruhige Fürther Schiff geriet in der jüngeren Vergangenheit ordentlich ins Wanken. Auch, wenn diese Erkenntnis unangenehm ist: Die momentanen Probleme sind die logische Konsequenz des Seegangs, der die SpVgg schon seit längerem begleitet.

Woran kann sich das Fürther Team aber aufbauen? In erster Linie machten die Heimauftritte unter Buric bislang Hoffnung. Von vier Ligaspielen im Ronhof musste sich das Kleeblatt nur in einem Spiel geschlagen geben - blöderweise dem prestigeträchtigsten, dem Frankenderby gegen den 1. FC Nürnberg. Tabellenführer Düsseldorf oder die chronisch unangenehmen Veilchen aus Aue schlug Fürth aber. Die nächsten Konkurrenten, die bis zur Winterpause an den Laubenweg kommen: St. Pauli, Heidenheim und Darmstadt - bis auf den Kiez-Klub allesamt Mannschaften, die auswärts in der laufenden Saison ebenfalls ihre Probleme hatten. 

Alexander Michael Aulila

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