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Glücksfall für den Club: Behrens ist in Bestform

Rot-Schwarzer Verbindungsmann wird auf und neben dem Platz immer wichtiger - 29.11.2017 09:11 Uhr

Air Behrens! Die Binde am linken Arm scheint den Club-Kapitän regelrecht zu beflügeln. Zu sehen war das unlängst auch in Braunschweig. © Sportfoto Zink / DaMa


Die Punkterunde hatte noch gar nicht angefangen, als Hanno Behrens erstmals aufhorchen ließ. Am Tag davor war verkündet worden, dass er künftig der neue Kapitän des 1. FC Nürnberg sei, überraschen konnte die Pressemitteilung nicht mehr viele. Seine Führungsqualitäten hatte er seit seiner Verpflichtung im Sommer 2015 wiederholt unter Beweis gestellt. Auch ohne offizielles Mandat. 

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"Es ist eine große Ehre, für den 1. FC Nürnberg die Binde zu tragen", sagte Hanno Behrens nach dem 2:1 gegen Mönchengladbach zum Abschluss der Vorbereitung, "das kann man später seinen Kindern erzählen." Noch hat er keine, will das aber nachholen. Eines Tages. Wenn ihn der Fußball mal loslassen sollte.

Mitreißende Körpersprache

Aktuell lebt er seinen Sport und vor allem seinen Club wie vielleicht noch nie in seiner Karriere. Auch am Samstagnachmittag im Eintracht-Stadion signalisierte seine Körpersprache schon beim Aufwärmen, dass er etwas vorhatte, und zwar hier und jetzt. Man sah ihn häufig mit dem Schiedsrichter und noch häufiger mit Braunschweigern diskutieren. Besonders Jan Hochscheidts übertriebene Theatralik brachte Hanno Behrens beinahe um den Verstand.

Provozieren ließ er sich höchstens zu einer in jeder Hinsicht bemerkenswerten Leistung. Sein wuchtiger Kopfball zum 1:0 war nicht der erste nachhaltige Impuls von Nürnbergs neuem Anführer. Die Kapitänsbinde scheint ihn noch ein paar Zentimeter größer zu machen - obwohl er das äußere Zeichen seiner Beförderung eigentlich gar nicht bräuchte. "Ich bin schon vorher vorangegangen", sagte Behrens Ende Juli, als ihm relativ egal zu sein schien, wie andere das Amt interpretierten.

Hanno Behrens interpretiert seine Rolle letztlich so, wie es viele Trainer kaum zu träumen wagen. Er geht auf die Kollegen zu, redet viel, versucht Tag für Tag, die sozialen Beziehungen innerhalb der Gruppe zu stärken. Was ihm bislang ausgezeichnet gelungen zu sein scheint. "Mit seiner Art", ist Köllner aufgefallen, "erreicht er alle."

"FCN, du bist mein Verein" 

Gerade in den vergangenen Tagen und Wochen, als die Nürnberger Mannschaft etliche Ausfälle zu verkraften hatte, ging Hanno Behrens voran. Sein Chef schwärmt in den höchsten Tönen vom sympathischen Elmshorner, der in Mittelfranken längst heimisch geworden ist. Seine Identifikation mit dem 1. FC Nürnberg trägt er gerne offen zur Schau. Wie am Samstag, nach dem 3:2 in Braunschweig, als er auf seiner Facebook-Seite unter anderem postete: "FCN, du bist mein Verein." Garniert mit: "what a fight" oder "great team".

Das ist auch sein Verdienst – weil er es mit seinem offenen, stets ehrlichen Wesen geschafft hat, wirklich alle für das gemeinsame Ziel zu begeistern. Michael Köllner nennt ihn gerne seinen "Verbindungsspieler" und meint das auch so. In der Kabine ist Hanno Behrens immer für die anderen da, auf dem Platz sowieso, erst recht in seiner neuen, etwas offensiveren Rolle. Fast unentwegt rennt er zwischen den Strafräumen hin und her, in Braunschweig kamen so 11,65 Kilometer zusammen, eine Woche zuvor gegen Kiel 12,27, gegen Ingolstadt 12,72. Kein Nürnberger lief mehr. Auch für andere.

"Sieht gut aus"

Erschöpft sah Hanno Behrens am Samstag trotzdem nicht aus, als er vor die Journalisten trat. "Wichtig, sehr wichtig" sei der überraschende Sieg gewesen, "Charakter" hätten sie gezeigt – und "nächste Woche haben wir gute Chancen, uns da oben festzubeißen". Am Samstag kommt der SV Sandhausen ins Max-Morlock-Stadion, außerdem geht’s heuer noch nach Düsseldorf (11. Dezember) und fünf Tage später nach Kaiserslautern, ehe das Pokal-Achtelfinale gegen den VfL Wolfsburg am 19. Dezember das Fußballjahr beschließt. "Bis zur Winterpause", sagt Behrens, "sieht es jetzt erst mal sehr gut aus." 

Seinen Anteil am Höhenflug können ein paar Zahlen nur unzureichend dokumentieren, auch wenn sie nicht selbstverständlich sind. Sechs Tore hat er bereits erzielt und vier vorbereitet und damit schon nach dem 15. Spieltag zwei Scorerpunkte mehr als jeweils nach den vergangenen beiden Runden.

Sein Ehrgeiz scheint den ganzen Club zu beflügeln. "Wir haben alle zusammen Großes vor", sagte Hanno Behrens bereits Ende Juli, nach dem 2:1 gegen Mönchengladbach. Mit ihm als Kapitän ist wohl auch einiges möglich. 

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Wolfgang Laaß

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