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Große Club-Geschichte: Erras hat den Anschluss geschafft

FCN-Riese überzeugt mit viel Raum- und Taktgefühl - 06.02.2018 10:02 Uhr

Fingerzeig! Patrick Erras, ein Nürnberger Torschütze gegen Aue, ist jetzt schon eine Schlüsselfigur beim Club. Und in Zukunft - prophezeit Michael Köllner - wird sein Spiel "noch klarer werden". © Sportfoto Zink / DaMa


Wo Patrick Erras heute wäre ohne die fatale Verletzung, lässt sich allenfalls vermuten. Vermutlich wäre er gar nicht mehr beim 1.FC Nürnberg, dem der 23 Jahre alte Fußballprofi aus Amberg in der Oberpfalz, der beim SV Raigering das Kicken lernte, seit elf Jahren angehört. Nach der Mittleren Reife zog er ins Nürnberger Jugendinternat ein, am 17. Oktober 2015 debütierte Erras unter Trainer René Weiler im Zweitliga-Team. "Er hat sich nahtlos eingefügt, mit ihm waren wir besser", lobte damals Weiler.

In 16 Spielen, von denen Nürnberg keines verlor, erzielte der Defensivstratege fünf Tore und fiel mit einer Reife auf, wie sie wenige Spieler schon in diesem Alter auszeichnet. Erras ist eine der herausragendsten Begabungen, die man beim 1.FC Nürnberg in jüngerer Vergangenheit gesehen hat, die Bundesliga hatte mehrere Augen auf ihn geworfen, seine Perspektiven schienen glänzend – dann riss, am 17. März 2016 im Training, das Kreuzband in seinem rechten Knie.

"Ein Supergefühl"

Wo er heute ist? Zurück auf dem Fußballplatz, nach über einem Jahr, das ist das wichtigste. "Ich habe keine Schmerzen mehr", sagt Erras, "und ich will auch nicht mehr darüber nachdenken" – über die Verletzung und die Frage, was sein hätte können. Beim 4:1 am vergangenen Freitag gegen Erzgebirge Aue bestritt Erras sein erst vierzehntes Liga-Spiel seit dem Comeback im Mai 2017, zum ersten Mal glückte ihm wieder ein eigener Torerfolg, ein Kopfballtreffer wie fürs Lehrbuch erzielt, und Erras fühlte sich erstmals richtig belohnt für die Entbehrungen in einer über einjährigen Zwangspause, die sich, wegen muskulärer Probleme infolge der Kreuzband-OP, bis in die ersten Wochen der laufenden Saison hineingezogen hatte. 

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"Ein Supergefühl", sei das Tor gewesen, sagt er, "genau so, wie man es sich in den Monaten der Reha vorstellt und wünscht" – und gespielt hatte er schon beinahe wieder so, wie man sich das beim Club vorstellt und wünscht. Der 1,96 Meter große Patrick Erras ist eine Schlüsselfigur im System, er spielt auf der sogenannten Sechser-Position. Das ist eine besonders anspruchsvolle Aufgabe, die Raum- und Taktgefühl sowie Antizipationsvermögen voraussetzt, außerdem Zweikampfhärte und Spielübersicht, weil der Sechser sowohl beim Verteidigen als auch im Spielaufbau eine entscheidende Rolle spielt.

Der Reifeprozess einer Passmaschine 

Seit Erras, der seinen Vertrag im Sommer bis 2020 verlängerte, zurück ist, haben sich seine Zuständigkeiten sogar noch erweitert, in "einem kleinen Reifeprozess" sieht er sich selbst. "Mehr in die Tiefe", erklärt er, solle er gehen, in den Angriffsmodus, und dafür hat er von seinem Trainer sogar die Erlaubnis bekommen, ausnahmsweise auch einmal etwas falsch zu machen. Fehlpässe, sagt Michael Köllner, kenne man ja eigentlich nicht von der "fehlerfreien Passmaschine Erras" (wie der Coach es formuliert), jetzt ermuntert Köllner seinen Sechser diesbezüglich zum Risiko – in der sicheren Ahnung, dass es dem spielerisch ausgelegten Nürnberger Stil zugute kommt.

"Sein Spiel wird noch klarer werden", prophezeit Köllner, der gern ein wenig von Patrick Erras schwärmt, von "Ballsicherheit und Auge" – "es freut mich unglaublich", sagt Köllner auch, "dass Patrick wieder auf dem Weg dahin ist, wo er vor der Verletzung war." Was noch fehlt? "Nur die Praxis", sagt Erras, der über Fußball ähnlich ruhig und reflektiert reden kann, wie er spielt, "ein paar Prozent, man braucht ein paar Spiele am Stück für die Spritzigkeit".

Gute Aussichten und Geduld 

Dass Patrick Erras irgendwann in der Bundesliga ankommt, bezweifelt niemand im Club - idealerweise geschieht es mit dem 1.FC Nürnberg, aktuell hat der Club so gute Aussichten wie noch nie seit dem Abstieg im Mai 2014. Das wichtigste Thema muss das allerdings jetzt noch nicht sein - dass es manchmal viel Geduld braucht im Fußball, hat gerade Patrick Erras schon in jungen Jahren lernen müssen. 

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Hans Böller

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