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Hack: "Aufzusteigen ist für uns extrem schwer"

Der Präsident über die Rolle des Kleeblatts im expandierenden Fußball-Geschäft - 17.10.2014 05:58 Uhr

"Fleißiger arbeiten als andere, ausbilden, weiterbilden": Helmut Hack.

"Fleißiger arbeiten als andere, ausbilden, weiterbilden": Helmut Hack. © Sportfoto Zink


Herr Hack, die Spielvereinigung und die Eintracht haben es vorgemacht: Auch ohne das große Geld kann man aufsteigen. Wann darf man im Ronhof wieder die Bayern sehen?

Hack: Aufzusteigen ist für uns immer extrem schwer. Aber nicht unmöglich, wenn wir die Realität respektieren. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen etwa in Augsburg und Nürnberg sind drei bis fünf Mal so gut wie bei uns. Dabei wird die Kluft zwischen den kleinen und größeren Vereinen in den nächsten Jahren noch weiter auseinandergehen.

Woran machen Sie das fest?

Hack: In den Fußball wird noch mehr Geld fließen. Der WM-Titel hat die Bundesliga attraktiver gemacht, mehr gute ausländische Spieler kommen, deutsche Talente gewinnen an Wert. In Asien, in der arabischen Welt, in den USA und in Afrika wird die Marke Bundesliga langsam populärer und holt gegenüber der Premier League und der Primera Division auf. Hinzu kommt, dass die Vermarktung der Champions League unglaublich vorangetrieben wird. Das führt dazu, dass der Unterschied zwischen den Champions-League-Klubs und dem Rest der Liga noch größer wird. Dortmund, Schalke, Wolfsburg und wohl bald auch Leipzig werden noch mehr investieren, um wieder näher an die Bayern heranzukommen.

Bayer Leverkusen zählen Sie nicht dazu?

Hack: Es ist eine spannende Frage, ob Bayer sich so stark engagieren möchte wie etwa VW. Finanziell teilt sich die Liga schon jetzt in drei Zonen auf: die Champions-League-Teilnehmer mit Umsätzen von 300 bis 500 Millionen Euro. Danach die Bundesligisten, die in der Europa League spielen oder spielen möchten. Aber auch die werden dafür in Zukunft einen Umsatz von 100 Millionen Euro benötigen. Danach kommen die Bundesligisten, deren wirtschaftliche Möglichkeiten und deren Strukturen für die oberen Bereiche nicht reichen. Sie laufen immer Gefahr, in die zweite Liga abzusteigen, genau wie das obere Drittel der zweiten Liga immer wieder die Chance hat, nach oben zu rücken.

Worunter auch Fürth ist?

Hack: Wir müssen die Realität sehen. Fürth macht derzeit einen Umsatz von 20 bis 25 Millionen Euro, der Spieleretat liegt bei 7,5 Millionen. Es gibt aber aktuell viele Vereine in der zweiten Liga, die einen doppelten und teilweise sogar drei- bis vierfach höheren Etat haben. Damit ist alles gesagt. Deshalb müssen wir unserer Philosophie treu bleiben. Fleißiger arbeiten als andere, ausbilden und weiterbilden und Transfers tätigen, mit denen wir fehlende Einnahmen gegenüber anderen Spitzenklubs der zweiten Liga kompensieren.

Die Fürther Spielkultur ist in dieser Saison höchst unterschiedlich. Nach dem 0:2 in München haben Sie mit der Mannschaft Klartext geredet.

Hack: Das war auch notwendig. Wir haben Leistungen und nicht nur Ergebnisse zu bewerten. Aber die Auftritte und die Ergebnisse bei den Auswärtsspielen waren bislang einfach enttäuschend. Und das muss anders werden.

Kann denn bald ein neuer Sportdirektor zur Mannschaft sprechen?

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Hack: Wir sind bei der Managersuche kurz vor dem Ziel. Wir haben uns viel Zeit gelassen, denn das Profil, das wir für den Posten erstellt haben, ist anspruchsvoll: Er soll unsere Philosophie und unseren Weg mit Haut und Haaren leben, vom Junior- bis zum Profibereich. Das Denken und Handeln muss immer nachhaltig und darf nie kurzfristig sein.

Trauen Sie diesem Team zu, erneut um den Aufstieg mitzuspielen?

Hack: In der Vorsaison sind viele glückliche Umstände zusammengekommen. Wir haben knappe Spiele gewonnen. Und wenn ich mich ans erste Auswärtsspiel in Aalen erinnere: Da haben wir richtig schlecht gespielt und trotzdem 2:0 gewonnen. Es ist klar, dass wir uns steigern müssen, in allen Mannschaftsteilen. Dann sehen wir weiter.

Die Verletzungsmisere könnte die Mannschaft im Rennen um die vorderen Plätze ausbremsen. Sind Sie dennoch optimistisch?

Hack: Ja, denn wir haben die erfahrenen Spieler dafür. Sicher ist das Verletzungspech außergewöhnlich. Aber wir werden das kompensieren, zumal die Mannschaft dank der hervorragenden Arbeit unseres Athletiktrainers Manfred Düring in einer ausgezeichneten körperlichen Verfassung ist.

Also sehen die Fürther Fans schon beim Aufstiegsaspiranten Braunschweig den ersten Auswärtssieg?

Hack: Wir haben vor der Arbeit, die in Braunschweig geleistet wird, großen Respekt. Aber die Eintracht hat erfahren und lernen müssen, dass die zweite Liga kein Selbstläufer ist. Wir können auch dort nur gewinnen, wenn wir das Maximum geben. 

Interview: MARTIN SCHANO

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