Dienstag, 20.11.2018

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Handball-Baustelle beim TSV Zirndorf II

Wenig Personal und Nervenflattern: Matthieu Rödl braucht Geduld - 28.02.2018 12:19 Uhr

Trainer Matthieu Rödl (Foto li.) will mit Ann-Kathrin Lehnert (re.) und den Handballerinnen der HG Zirndorf II nach oben schauen. © Fotos: Hans-Joachim Winckler


Es war keine ganz alltägliche Situation kurz vor Weihnachten: Die Bayernliga-Reserve der HG Zirndorf hatte gerade erst vier Siege in Folge gefeiert, stand aber plötzlich ohne Trainer da (die FN berichteten). Peter Kral wurde von der Mannschaft einvernehmlich abgesetzt, weil die Chemie nicht mehr stimmte. In der Folge war ein Probetraining geplant, um zwei geeignete Kandidaten auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Letztlich war es Matthieu Rödl, der an der Bibert den Zuschlag bekam.


"Wir haben uns für ihn entschieden, weil er die Mannschaft in der kleinen Probeeinheit überzeugt hat – menschlich und auch wegen seiner Vorstellungen vom Handball", erläutert Zirndorfs Sportliche Leiterin Carolin Merkel, die über ihre Funktion hinaus als Spielmacherin eine Führungsrolle in der Mannschaft bekleidet.

Rödl selbst bestätigt, dass es bereits vor einem Jahr schon einmal Kontakt gegeben hatte. Aus verschiedenen Gründen kam das Engagement aber damals nicht zustande. Anfang Januar wurde der 31-Jährige dann überzeugt. Einer der entscheidenden Punkte für Rödl nach dem Gespräch mit sportlicher Leitung und Vorstand: "Sie sind gut strukturiert, das hat mir schon gefallen."

Selbst begann er vor 25 Jahren bei der HG Quelle Fürth mit dem Handball, ehe es ihn in der A-Jugend zum MTV Stadeln zog. Auch in der Männer-Landesliga hat Rödl schon seine Erfahrungen gesammelt, spielt mittlerweile aber in der zweiten Mannschaft. Dort kam es Ende Januar in der BOL zum für ihn durchaus brisanten Duell mit seinem neuen Arbeitgeber, Zirndorf jedoch gewann deutlich (32:23).

Als Trainer hat Rödl nur eine Station vorzuweisen, in den drei Jahren mit den Stadelner Frauen bewahrten David Gutbier und er die Mannschaft erst vor dem Bezirksliga-Abstieg, schafften in der Spielzeit 2014/15 sogar den Aufstieg und erreichten in der Folgesaison gleich einen Mittelfeldplatz. Anschließend übergab er den Stab beim MTV gerne an René Friedrich, der mit der Bundesliga-A-Jugend nach oben drängte und aktuell, wie berichtet, auf Rang zwei ordentlich die Landesliga aufmischt. Bei seiner zweiten Trainer-Station nimmt Rödl die Sache noch eine Spur ernster, absolviert deshalb auch gerade in Oberhaching Lehrgänge, um möglichst bald den C-Schein in Händen zu halten.

Am 10. Januar leitete Rödl, der seinen eigenen Führungsstil als "kooperativ-autoritär" beschreibt, das erste Training in Zirndorf. "Die Mannschaft kommt bislang sehr gut mit ihm zurecht. Er geht viel auf einzelne Spielerinnen ein und versucht so, das Beste aus ihnen rauszuholen", lobt Merkel den neuen Coach, für den sie auch ein wichtiges Bindeglied zum Team ist.

Die Ergebnisse sprechen bislang allerdings eine andere Sprache: In vier Spielen setzte es eben so viele Niederlagen. Bei der 24:27-Derbypleite in Roßtal sah Rödl seine Mannschaft zum Start "chancenlos". "Aber Post und Ansbach hätten wir schlagen müssen", hadert der Kreisläufer. Zu Hause gegen Post-SV Nürnberg (18:20) hatte die HGZ den ungeschlagenen Tabellenführer am Rande einer Niederlage, vergab aber zwei am Ende entscheidende Siebenmeter. Auch in Ansbach (17:18) versagten die Nerven vom Punkt. Ein weiteres Problem, das Rödl seit Beginn seiner Amtsperiode nur beim 25:30 gegen Tuspo Heroldsberg am vergangenen Wochenende nicht hatte: Immer wieder fallen Spielerinnen aus den verschiedensten Gründen aus, selten hatte er mehr als zwei Wechselmöglichkeiten.

Jammern kommt für ihn aber nicht infrage, eine kämpferische Einstellung liegt ihm mehr. Das leichtere Restprogramm will er auch für Eigenwerbung nutzen: "Die letzten sechs Mannschaften möchte ich alle schlagen. Wenn wir gut besetzt sind, schaffen wir das auch." Der Saison-Endspurt als Fingerzeig? "Die Vorstände möchten durch Matthieu mehr Konstanz in die Mannschaft bringen. Wir wollen uns im oberen Tabellenbereich etablieren, damit die HG für junge Spielerinnen und neue Talente attraktiver gemacht wird", so Merkel. Besonders der letzte Punkt ist auch Rödl enorm wichtig: "Ich habe im Vorgespräch klar gemacht: Ich bin ein Trainer, der zu 100 Prozent die Jugend einbindet. Ohne Jugend bringt es nichts. Aktuell gibt es da aber noch zu wenig."

Das Projekt mit Rödl ist ohnehin mittel- bis langfristig angedacht. "Mein Ziel ist es, höher zu spielen. Diese Saison wollten wir unter die ersten Vier kommen. Das schaffen wir jetzt wahrscheinlich nicht mehr", so seine Vorstellungen: "Nächste Saison sollte es schon unter die ersten drei Mannschaften gehen." Auf jeden Fall bringt Rödl frischen Wind an die Bibert. Und sein Motto soll zukünftig Programm werden: "Man sollte immer nach oben schauen."

Bayernliga, Frauen: HG Zirndorf – HSG Würm-Mitte 26:39, Tabellenplatz 7.

Landesliga, Männer: TV Helmbrechts – MTV Stadeln 31:26, Tabellenplatz 11.

Landesliga, Frauen: TG Landshut – MTV Stadeln 22:24, Tabellenplatz 2.

Bezirksoberliga, Männer: HG Zirndorf - SG Kernfranken 37:30, Tabellenplatz 7; MTV Stadeln II – Lauf/Heroldsberg II 27:36, Tabellenplatz 10; TuS Feuchtwangen – TV Roßtal 27:35, Tabellenerster.

Bezirksoberliga, Frauen: HG Zirndorf II – Tuspo Heroldsberg 25:30, Tabellenplatz 7; TSV Altenberg – HG/HSC Fürth 39:21, TSV Tabellenplatz 10, HG/HSC Tabellenletzter. 

MAXIMILIAN SCHMIDT

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