Headset defekt: Gräfe entschuldigt sich für Elfer-Panne

15.9.2014, 17:12 Uhr
Entschuldigte sich bei den Frankfurtern für den nicht gegebenen Elfmeter: Schiedsrichter Manuel Gräfe.

© Fredrik Von Erichsen Entschuldigte sich bei den Frankfurtern für den nicht gegebenen Elfmeter: Schiedsrichter Manuel Gräfe.

Die bittere Pointe zu einem restlos enttäuschenden Fußballnachmittag folgte für Eintracht Frankfurt kurz nach der 0:1 (0:0)-Heimniederlage gegen den FC Augsburg am Sonntag: Da kam Schiedsrichter Manuel Gräfe zu Kapitän und Trainer und entschuldigte sich für einen nicht gegebenen Elfmeter beim Stand von 0:0. Die ungewöhnliche Begründung: Mikrofon und Kopfhörer, über die die Unparteiischen normalerweise miteinander kommunizieren, hatten offenbar nicht funktioniert.

Der vierte Offizielle Patrick Ittrich wollte Gräfe eigentlich von der Seitenlinie aus mitteilen, dass der Augsburger Dominik Kohr den Frankfurter Vaclav Kadlec in der 16. Minute im Strafraum zu Boden gerissen hatte. Der Schiedsrichter hatte es nicht gesehen, der Linienrichter auch nicht - und Ittrich kam mit seiner Beobachtung nicht durch. "Das erlebt man nicht alle Tage", sagte Eintracht-Kapitän Kevin Trapp. Und sein Trainer Thomas Schaaf meinte ganz fair: "Dieser Elfmeter hätte uns heute sicherlich geholfen. Aber ich finde es gut, dass er (Gräfe) klar Stellung bezogen hat. Wir haben heute selbst zu viele Fehler gemacht. Wir werden an vielem arbeiten, aber nicht am Headset."

"Ich habe von der Tribüne aus selten einen so klaren Elfmeter gesehen. Das war schon eine schwerwiegende Entscheidung gegen uns", sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen. "Denn es hätte ja nicht nur Elfmeter geben müssen, sondern auch eine Rote Karte gegen den Augsburger Spieler. Aber das ist leider so. So etwas passiert."

Trotzdem, so Bruchhagen, werde man keinen Protest einlegen. "Wir haben in diese Richtung kein Ansinnen. Das war eine Tatsachen- Entscheidung, dagegen kann man nichts zun, seitdem es Fußball gibt", sagte er am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel will diese Panne bei einem der nächsten Schiedsrichter-Treffen noch einmal aufarbeiten. "Ich denke, dass war eine sehr unglückliche und ärgerliche Situation, aber doch auch eine Ausnahme", sagte der Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter- Kommission in einem Interview mit "dfb.de". "Dennoch werden wir gemeinsam mit den Bundesliga-Schiedsrichtern darüber sprechen und versuchen, Wege zu finden, um auch solche, eigentlich nur schwer vorstellbaren Vorgänge, in Zukunft möglichst auszuschließen."

Bobadilla: "Wir sind wieder da"

Die bis dato sieglosen Augsburger waren der Eintracht so überlegen, dass sie dieses Spiel womöglich auch nach einem 0:1- Rückstand noch gewonnen hätten. Der Siegtreffer von Raul Bobadilla in der 48. Minute war nur eine von mehr als zehn klaren Chancen, die sich der FCA am Sonntag erarbeitete. "Wir sind wieder da - als Mannschaft mit viel Leidenschaft", meinte der Torschütze aus Argentinien hinterher. "Das war ganz wichtig, das war ganz stark."

Augsburgs Trainer Markus Weinzierl rannte nach dem Schlusspfiff im Laufschritt auf den Rasen und umarmte jeden einzelnen seiner Spieler. Seine Mannschaft hatte zuvor die ersten beiden Bundesliga-Spiele verloren und sich obendrein im DFB-Pokal eine peinliche Pleite beim Regionalligisten 1. FC Magdeburg geleistet, aber sie spielte in Frankfurt so mutig, forsch und selbstbewusst, als hätte es diesen Fehlstart nie gegeben. "Dieser Sieg ist sehr viel wert für uns. Wir waren uns für keinen Zweikampf zu schade", meinte Weinzierl.

FCA mit Brechstange im Sturm

Der jüngste Trainer hatte im Duell mit dem erfahrensten Coach der Liga für zwei personelle Überraschungen gesorgt: Im Mittelfeld spielte der defensiver ausgerichtete Dominik Kohr anstelle von Markus Feulner, im Angriff erhielt Sascha Mölders den Vorzug vor den teuren Neueinkäufen Tim Matavz und Nikola Djurdjic. Gerade vorne war der FCA den Frankfurtern dadurch physisch überlegen, Mölders, Bobadilla und auch Tobias Werner brachten eine Aggressivität und Galligkeit in dieses Spiel, der die fahrige und gehemmte Eintracht nicht gewachsen war. "Die Mannschaft ist für eine tolle Leistung belohnt worden, aber sie darf jetzt auch nicht lockerlassen. Sie muss genauso gierig bleiben", sagte Sportdirektor Stefan Reuter.

Und die Eintracht? Die hatte nur zwischen der 15. und 45. Minute mehrere gute Aktionen - die elfmeterreife Szene vorneweg. Vor dem 0:1 wirkte die Mannschaft unsortiert, danach fiel ihr schlichtweg nichts mehr ein. «Wenn wir den Elfmeter bekommen und in Führung gehen, läuft es vielleicht anders für uns. Aber wir haben es nicht verdient, dieses Spiel zu gewinnen», meinte Trapp. Nur Schaaf ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Nicht durch die Fehlentscheidung des Schiedsrichters und auch nicht durch die Niederlage. «So etwas passiert, das ist einfach so. Wir werden unseren Weg nicht verlassen und wir schauen weiter nach vorn.»

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