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Hohes Tempo, neuer Name: Lacrosse bei den Wizards

Nürnberger Mannschaft hat sich mal wieder neu erfunden - 16.03.2017 15:50 Uhr

"Mit blauen Flecken muss man immer rechnen" – selbst bei einem teaminternen Testspiel. © Eduard Weigert


Allzu selbstbewusst schallen die ersten Ansagen nicht aus den Boxen, es ist eher ein Tröpfeln. Jörg Hollerith scheint noch etwas zu fremdeln mit seiner Rolle als Moderator, trotzdem war es keine ganz so schlechte Idee, ihm an diesem Nachmittag ein Mikrofon in die Hand zu drücken und die Lautsprecheranlage einzuschalten. "Checken darf man, sofern sich der Ball im Umkreis von zwei Metern befindet", sagt Hollerith vorsichtig ins Mikrofon, "mit blauen Flecken muss man immer rechnen". Auf dem Feld knallt gerade einer seinem Gegenspieler bei der Jagd nach dem kleinen orangen Ball den Schläger an den Helm, Hartplastik trifft auf Hartplastik, der Buchenbühler Forst formt aus dem Geräusch ein prägnantes Echo.

Normalerweise gehört Jörg Hollerith, Vollbart, Schiebermütze, Kapuzenpullover, auch zu der Gruppe, die am Samstag auf dem Kunstrasen der HG Nürnberg einen rauen und gleichzeitig filigranen Sport aufführt, aber diesmal ist er in zivil gekommen, um anderen ganz in Ruhe seine große Leidenschaft näher bringen zu können.

Unter dem Dach der HGN

Diese Aufführung auf dem Kunstrasen am Buchenbühler Weg ist eine Premiere; für Nürnbergs Lacrosse-Spieler, für die HGN und irgendwie auch für Hollerith, der nach und nach aber in seine Rolle als Moderator hineinwächst.

In den vergangenen Jahren hat die Mannschaft ihre Heimspiele noch ein paar Meter weiter südlich auf der Anlage der DJK Berufsfeuerwehr ausgetragen, Titans haben sie sich genannt, wie immer noch auf ihren Trikots zu lesen ist, aber das ist längst schon wieder Geschichte. Seit diesem Jahr haben sie bei der Hockey Gesellschaft eine neue Heimat gefunden, die neuen Trikots sind bereits bestellt, Wizards wird dann darauf stehen. "Wir wollten einen klaren Cut machen", sagt Hollerith, mehr will er dazu nicht sagen. Sobald es um die alte Heimat der Mannschaft geht, wird er einsilbig, man weiß ja nie, wie weit der Buchenbühler Forst Gesprächsfetzen trägt.

Das Ziel: eine eigene Mannschaft

In der neuen Heimat sind sie jedenfalls sehr interessiert an denen, die sich neuerdings nun den Kunstrasen mit den Hockeyspielern teilen wollen. Rund um das Feld haben sich an diesem sonnigen Nachmittag viele versammelt, die dieses Lacrosse bisher nur vom Hörensagen kannten, deshalb nutzt Hollerith das gegenseitige Kennenlernen dazu, noch ein wenig die Regeln zu erklären und seine Teamkollegen vorzustellen, die sich dem kanadischen Traditionssport verschrieben haben.

Das Nürnberger Lacrosse-Team ist also gerade wieder einmal dabei, sich neu zu erfinden, allerdings ist das bei ihnen ja schon gute Tradition. Mal hatten sie eine Spielgemeinschaft mit Erlangen, mal eine mit Ingolstadt, aktuell treten sie in der Landesliga wieder gemeinsam mit Erlangen an. "Ziel ist es aber", das betont Hollerith, "irgendwann einmal eine eigene Mannschaft zu stellen". Unabhängiger wollen sie werden, der Neustart soll dabei helfen.

Hoffentlich bald unabhängig

Auch an diesem Samstag haben sie sich wieder ein bisschen neu erfinden müssen. Am Abend zuvor, gegen 23 Uhr, hat der Gegner aus Passau abgesagt, gegen den sie ja eigentlich bei dem herrlichen Wetter die Rückrunde eröffnen wollten.

"Ärgerlich", sagt der Moderator, aber nicht ungewöhnlich bei einer Randsportart, der es immer mal wieder an Nachwuchs fehlt und die vor allem Leute anzieht, die woanders nicht mehr glücklich sind. Hollerith hat früher Basketball gespielt, weil er in der zweiten Halbzeit aber fast immer wegen zu vieler Fouls auf der Bank saß, hat er sich nach einer Disziplin umgesehen, die ein wenig mehr Körperkontakt erlaubt.

Was bleibt ist die Veränderung

So ähnlich ging es auch Michael Danzer, der sich von der Absage der Passauer nicht davon abhalten hat lassen, an diesem Samstag seine Ausrüstung anzuziehen und den Schläger in die Hand zu nehmen. Um den neuen Vereinskollegen zu zeigen, wie Lacrosse in der Praxis aussieht, haben sie aus ihrer Spielgemeinschaft kurzerhand zwei Teams gebildet und einen internen Test absolviert. "So viel Spielpraxis können wir während der Saison ja nicht sammeln", sagt Danzer.

Er war früher im Tennis- und im Fußballverein, hat sich als Leichtathlet probiert, an der Uni hat er dann Lacrosse kennengelernt – und sich als Sportler neu erfunden. "Man wird hier sehr offen aufgenommen", findet er, auch und gerade als Späteinsteiger. Jung bleibt das Team ja trotzdem, dafür sorgen schon die ständigen Veränderungen. 

Sebastian Gloser

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