Montag, 19.11.2018

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In Veitsbronn lebt ein besonderer Förderer des Sports

Martin Ermer will junge Menschen unterstützen und gibt nicht nur Geld - 22.05.2018 16:00 Uhr

Martin Ermer zeigt eine Dankeskarte einer Schulklasse: „Sie müssen sich einmal vorstellen, mit welcher Liebe und Sorgfalt das gemacht wurde.“ © Foto: Sebastian Zelada


Was macht im Alter glücklich? Ein pralles Sparkonto? Ein großer Wagen vor der Garage? Wer nach Antworten sucht, der findet sie womöglich über einen Blick in das Gesicht des Seniors Martin Ermer. Dort funkeln zwei gütige Augen, aus denen sich neun Jahrzehnte Liebe zur Wohltätigkeit und zum Sport erahnen lassen. Eine Liebe, die Ermer bis heute antreibt. Jeden Tag.

Nach dem Aufstehen durchläuft der Veitsbronner diszipliniert seine Routine: Wiegen, Blutdruck messen, Tabletten sortieren und so weiter. Damit er nichts vergisst, stellt er sich vorsichtshalber eine Eieruhr. "Abends, wenn ich fernsehe, schellt sie nach 30 Minuten und erinnert mich daran, mich auf den Gymnastikball zu setzen", erzählt er. Der Ball liegt neben einem Paar Hanteln und verrät auch im hohen Alter seine Begeisterung für den Sport. Ermer war in seiner Jugend Ringer, bis Anfang der 50er-Jahre der Beruf dazwischenkam.

Dem Sport jedoch blieb er treu, wirkte mit seiner Frau Emilie bis zu ihrem Tod 2016 als Übungsleiter und Funktionär im Behindertensport und war jahrelang Vorsitzender des Behinderten- und Vitalsportvereins BVS Fürth sowie des Fürther Sportausschusses. 2006 verlieh Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung dem Ehepaar das Goldene Kleeblatt.

Bis heute spendet Ermer, wo er kann für den guten sportlichen Zweck, oder findet andere Wege, um zu helfen. Als das Geld für den Ausbau eines Kindergartens nicht reichte, leistete der BVS 900 Arbeitsstunden. "Wir haben das komplette Dachgeschoss ausgebaut", erinnert sich Ermer und muss heute über den Wahnsinn dieser ehrenamtlichen Leistung lachen.

Tausende Springseile für Fürther Schulhöfe

Seine Hilfe ist an vielen Stellen sichtbar. In den Fürther Schulhöfen und Kindergärten werden täglich tausende Springseile genutzt, die Ermer stiftete, als er mit Sorge erfuhr, dass viele Kinder heutzutage koordinativ kaum noch in der Lage sind, das Sportgerät richtig zu nutzen.

Seitdem er Geld verdient, hilft Ermer, wo er kann: "Alles, was wir als Übungsleiter erhielten, haben wir immer dem Verein gespendet." Auch von seinem Gehalt hat er stets etwas für Vereine in der Region abgezwackt. Mit seiner Frau war er sich stets einig: "Wir bunkern kein Geld! Wenn einer von uns geht, wird die Hälfte einfach gespendet!"

Nach ihrem Tod nutzte Ermer die 100.000 Euro ihrer Altersvorsorge nach dem gemeinsamen Willen des Paars für wohltätige Zwecke, spendete 60.000 Euro an die Stadt Fürth, 30.000 für die Gemeinde Veitsbronn und den Rest an verschiedene Vereine in der Region wie den TV Fürth 1860 und die Lebenshilfe.

Die Weltreise reizt ihn nicht

Auch in Zukunft soll es so weitergehen: "Für jedes Jahr, das ich älter werde, kann ich 25.000 bis 30.000 Euro weggeben. Es gibt viele Stellen, die Geld brauchen!" Ob er sich dafür selbst zurücknimmt? "Ach wo! Man ist doch bescheiden und braucht nicht viel", erklärt er. "Ich fahre ein Auto, das unfallgeschädigt ist, aber läuft. Das war billig zu kaufen. Die Leute sagen: ‚Martin du spinnst, kauf dir doch ein schönes Auto oder mach eine Weltreise!‘ Aber brauch’ ich ein schönes Auto?"

Auch die Weltreise reizt ihn nicht: "Ich werde jetzt bald 90. Ich habe einen riesengroßen und netten Bekanntenkreis, der sich um mich kümmert. Ich brauche keinen Kuchen zu backen, sondern bekomme regelmäßig welchen geschenkt. Ich kenne einen Griechen, der jeden Samstag um 9 anruft und fragt: ‚Martin, brauchst du was, soll ich vorbeikommen, kann ich etwas für dich tun?‘ Das sind Freunde."

Ein Ordner voller Dankesbriefe

Daneben stehen Besuche bei Freunden im Altersheim, Vereinen, in Kindergärten und Schulen an. Dort verschenkt er neuerdings Jo-Jos an die Kinder. "Das kommt gut an", sagt er freudig. Und es hält ihn auf Trab. "Ich bin immer unterwegs", bringt es der Veitsbronner auf den Punkt.

Und sollte er doch einmal ein paar ruhige Minuten haben, dann holt er einen großen Ordner heraus, der vollgestopft ist mit Grußkarten und Dankesbriefen von Schulklassen und Kindergartengruppen. "Sie müssen sich einmal vorstellen, mit welcher Liebe und Sorgfalt das gemacht wurde", gibt Ermer zu bedenken und zeigt auf eine liebevoll gebastelte Dankeskarte mit einem aufgeklebten Bücherregal aus Papier. "Ganz ehrlich: Hat sich die Spende nicht gelohnt?" Ein Blick in seine Augen genügt, um die Antwort zu erhalten. 

Sebastian Zelada

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