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Jonas Pfrengle kennt jeder in der Handball BOL

Zirndorfs Torhüter ist in der Bezirksoberliga gefürchtet - 08.11.2017 20:21 Uhr

Eine typische Szene für Jonas Pfrengle (grün): Im März hält der Torwart einen Siebenmeter des Roßtalers Marcel Cisse . . .


Sein Vater spielte in Zirndorf Handball, seine Mutter, seine beiden großen Schwestern und zwei seiner Onkel auch. So gab es für Jonas Pfrengle praktisch keine Alternative – und doch unterscheidet er sich von seinen Vorgängern.

Denn: Bereits in der Jugend entdeckte Pfrengle sein Faible für die Position zwischen den Pfosten. Heute ist der Lockenkopf nicht mehr aus der ersten Mannschaft wegzudenken, gehört zu den tragenden Säulen im Team der HG Zirndorf.

. . . und stößt einen Freudenschrei aus. © Foto: Daniel Marr/Zink


Wegen seiner konstant starken Leistungen klopften in der Vergangenheit höherklassige Vereine aus der Region an, doch Pfrengle blockte aus zwei Gründen ab. "Einerseits hat es von der Mannschaft her hier immer gepasst. Andererseits hatte ich vielleicht auch ein wenig Angst vor dem nächsten Schritt", gesteht er ein. Bei der HGZ hat Pfrengle einen enormen Stellenwert, für seine sportlichen wie menschlichen Qualitäten schätzen ihn die Mitspieler sehr, so der Tenor. Der Gedanke, bei einem anderen Verein nur zweite oder dritte Wahl zu sein, schreckte ihn stets von einem Weggang ab.

Dazu kamen in den vergangenen Jahren ständige Verletzungsprobleme. Mal machten die Bänder Probleme, mal war es die Schulter, mal der Rücken. Seit eineinhalb Jahren ist Pfrengle nun aber verletzungsfrei und bereitet so manchem Bezirksoberligisten regelmäßig Kopfzerbrechen.

Kartei mit Wurfbildern

In der Liga hat er sich längst einen Namen gemacht. Das Erfolgsgeheimnis des Verfechters der skandinavischen Torwart-Schule ist dazu ein ungewöhnliches für diese niedrige Spielklasse. "Mattias Andersson aus Flensburg ist ein Vorbild – und ein Perfektionist. Auch ich führe Wurfbilder von allen Spielern in der Liga", erläutert Pfrengle und fügt an: "Ich mache mir da meine Gedanken. Wenn ich mir ein Spiel eines Gegners anschaue, notiere ich mir immer Sachen. Manchmal sind es auch nur die Lieblingsecken der Siebenmeter-Schützen."

Im persönlichen Gespräch merkt man Pfrengle die Begeisterung für seinen Sport und speziell seine Aufgabe innerhalb der Mannschaft sofort an. "Der Torwart hat viel Verantwortung, weil er der Letzte in der Fehlerkette ist. Mir macht es Spaß, die Fehler anderer auszubügeln, die Vorderleute mitzureißen", so der Zirndorfer Stammkeeper. Den Schuss Verrücktheit, der Torhütern nachgesagt wird, will er gar nicht bestreiten. Sein innerer Antrieb: "Das ist so ein geiles Gefühl, wenn du kurz vor Schluss mit einem Tor führst und den letzten Wurf des Gegners abwehrst."

Mit seinen Paraden musste Pfrengle in der jüngeren Vergangenheit immer wieder andere Handballlehrer überzeugen. In Zirndorf drehte sich das Trainer-Karussell zuletzt unaufhörlich. "Das ist verdammt schwierig. Du fängst immer von vorne an. Jeder Trainer hat ein anderes Spielsystem", sieht Pfrengle eine echte Problematik in der fehlenden Konstanz auf dieser Position. Nach dem zweiten Spieltag warf in Zirndorf das Trainer-Duo um Andreas Dörr und Johannes Sagmeister überraschend hin.

HGZ auf Trainersuche

"Es herrschte erstmal völliges Unverständnis, weil es für alle aus dem Nichts kam", denkt Pfrengle zurück. Seitdem betreut der ehemalige Vereinsvorsitzende Stefan Nepf die Mannschaft. "Dass Stefan dann einspringt, ist genial. Er hatte als Vorstand aber eigentlich genug freie Wochenenden geopfert. Das ist auch ärgerlich."

Ihm stehen mit Rainer Könighaus und Robert Hufnagel zwei andere ehemalige, verdiente Spieler zur Seite. Die Suche nach einem neuen Trainer gestaltet sich schwierig, man handelte sich schon etliche Absagen ein. Die Erklärung von Pfrengle: "Der Markt ist abgegrast. Es war vor der Saison schon schwer." Nun beginnt der Verein bereits Gespräche für die kommende Spielzeit, will aber auch im Winter die Augen offen halten.

Mit sportlichen Reizen für einen potenziellen neuen Trainer geizt die HGZ aktuell allerdings: Die 6:10 Punkte bedeuten Rang zehn in der Tabelle, nur die Aufsteiger Tuspo Nürnberg und Feuchtwangen starteten noch schlechter.

"Das waren alles schlagbare Gegner bisher, wir haben es oft selbst verbockt", hadert Pfrengle. Gerade vor eigenem Publikum warteten mit Spitzenreiter Roßtal, Ansbach oder Schwabach aber auch harte Brocken. Vor allem das 29:30 gegen den TVR zeigte laut Pfrengle das eigentliche Potenzial der Mannschaft auf: "Die Roßtaler schießen gerade die Liga kaputt – und wir hatten sie am Rande eines Unentschiedens."

Die Ursachenforschung gestaltet sich schwierig, Pfrengle glaubt vor allem an eine "Kopfsache". Nicht zu unterschätzen sei das Verletzungspech: "Wenn alle fit sind, haben wir eine Mannschaft, die in dieser Tabellenregion nichts zu suchen hat, und die sich vor keinem Gegner verstecken muss."

Zum nächsten Heimspiel am Samstag, 18. November, kommt der TV Bad Windsheim, danach folgen weitere direkte Konkurrenten. Nur zu gerne würde sich Pfrengle auch in deren Köpfe einschleichen – und die HGZ damit wieder in ruhigeres Fahrwasser führen. 

MAXIMILIAN SCHMIDT

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